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Metzger klaute Ferkel aus Stall

Ein Ehepaar aus dem Landkreis Deggendorf wollte mit dem Diebstahl die Tiefkühltruhe auffüllen. Jetzt ist das Urteil gefallen.
Von Marion von Boeselager, MZ

Die Diebe schnappten sich die Ferkel und verarbeiteten sie zu Hause zu Braten und Koteletts. Foto: dpa
Die Diebe schnappten sich die Ferkel und verarbeiteten sie zu Hause zu Braten und Koteletts. Foto: dpa

Regensburg.Um den schwindenden Fleischvorräten in seiner Tiefkühltruhe entgegenzuwirken, kam ein gelernter Metzger aus dem Landkreis Deggendorf im März vor zwei Jahren in Schnapslaune auf eine kuriose Idee: Der Mann brach mit seiner Ehefrau und einem Mittäter in den Schweinestall eines Landwirts im Kreis Straubing-Bogen ein, schnappte sich ein paar Ferkel und verarbeitete sie zu Hause sogleich zu Braten und Koteletts. Während der mehrfach vorbestrafte Metzger bereits in Strafhaft sitzt, stand am Montag seine Ehefrau wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall und Sachbeschädigung vor dem Regensburger Amtsgericht.

Laut Anklageschrift steuerte die Ehefrau (33), die als einziges Familienmitglied noch den Führerschein besaß, die Männer mit ihrem VW-Passat zu dem etwas abgelegenen Schweinestall. Dort rüsteten sich die Täter mit Sturmhauben und Brecheisen aus. Sie stemmten das Stalltor auf und griffen nach einer Sau. Die überlebte jedoch den Schreckmoment nicht: Sie erlag wohl einem Herzinfarkt und wurde von den Dieben liegengelassen.

Die Männer ergriffen nun zwei ihrer Ferkel, verstauten sie im Passat und flüchteten. Zwei weitere Tiere konnten durch das offene Tor entkommen.

„Mein Mann hat mich unter Druck gesetzt. Ich war irgendwie abhängig von ihm“, sagte die Angeklagte vor Gericht. Die Idee sei entstanden, weil „wir immer gerne beim Angeln waren und die Fische dann gleich gegrillt haben“. Da habe ihr Mann gemeint, man könne doch auch beim Fleisch ähnlich vorgehen. Wir müssten ja sparen. Und dann hätten wir genug Fleisch für ein halbes Jahr in der Tiefkühltruhe.“

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Doch sechs Monate später waren die Ferkel verzehrt. Es herrschte wieder Ebbe in der Truhe. Da machte sich das Ehepaar, diesmal mit dem Sohn des Metzgers mit an Bord, erneut auf den Weg zu dem Straubinger Schweinestall.

Doch die Betreiber hatten dort inzwischen Überwachungsvideos und eine Alarmanlage installiert. Sie bekamen den erneuten Einbruchsversuch mit und riefen die Polizei. Die Ordnungshüter konnten das Trio „in unmittelbarer Tatortnähe festnehmen“, berichtete einer der Beamten.

Die Angeklagte beteuerte, sie habe damals nur im Auto gewartet und sei auch beim Schlachten der Tiere nicht dabei gewesen: „Ich konnte mir das nicht anschauen. Ich fand es furchtbar.“

Inzwischen hat sich die bisher unbescholtene Frau von ihrem inhaftierten Mann etwas emanzipiert, eine Ausbildung begonnen und ein festes Jobangebot. Die 33-Jährige kam vor Gericht mit einer Bewährungsstrafe von neun Monaten davon. Sie bekommt zudem einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt und muss eine Geldbuße von 1000 Euro an das Regensburger Tierheim zahlen.

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