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Prozess

Mollath: Kein Beweis für Misshandlungen

Gustl Mollath muss sich vor Gericht dafür verantworten, seine Frau geschlagen, gewürgt und gebissen zu haben – das Attest dazu fällt jedoch durch.
von Pascal Durain, MZ

Regensburg.Immer wieder sorgt der Mann für Gelächter im Gerichtssaal, dabei ist sein Auftrag nicht komisch. Professor Wolfgang Eisenmenger, der viele Jahre das Institut für Rechtsmedizin an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität leitete, soll die Verletzungen beurteilen, die der Angeklagte seiner Frau zugefügt haben soll. Der Spaß liegt in dem Wortwitz seines mündlichen Gutachtens, und das, was nichts mit dem Fall zu tun hat: Eisenmenger beschreibt, wie er sich früher eigenes Blut unter die Haut gespritzt hat, um die Entwicklung von Hämatomen zu beobachten, als es um Schläge mit der flachen Hand im Attest von Petra M.s Attest ging. Oder wie man sich am Institut in „heroischen Selbstversuchen“ selbst geohrfeigt hat, um die Verletzungsmuster zu dokumentieren. Als er nach mehr als zwei Stunden Vernehmung entlassen wird, schiebt die Vorsitzende Richterin Elke Escher noch hinterher: „So leid es mir tut.“

Nicht exakt genug

Eisenmenger hat 40 Jahre lang Leichen seziert, unter anderem Franz Josef Strauß, Rudolf Heß und Rudolph Moshammer. Seine Expertise hat Gewicht. Zum Attest des Allgemeinmediziners, das wegen des Vermerks „In Vertretung“ zum Anlass dieses Verfahrens wurde, sagt Eisenmenger: „Er (Petra M.s Arzt) hatte damals offenbar keine Vorstellung, was ein Attest ist und wie es definiert ist. “ Das Dokument enthalte eine Reihe von Defiziten. Der Nürnberger Arzt schrieb das Wort „Würgemale“ ins Attest – das sei bereits eine Wertung, Blutergüsse und Kratzer müssen nicht unbedingt Würgemale sein. Eisenmenger: „Er hat keine Details beschrieben. Wenn Sie jemanden würgen, kommt es nach einer gewissen Zeit zu ganz feinen Blutungen, bevorzugt in den Augenbindehäuten.“ Nach diesen „Stauungsblutungen“ in „Stecknadelspitzgröße“ müsse man gezielt suchen. Das habe der Arzt nicht gemacht; seine Untersuchung sei nicht ausreichend gewesen bei jemandem, der bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt worden ist. „Die Exaktheit lässt zu wünschen übrig.“

Wieder ein Rechtsmediziner?

Eisenmengers Fazit: Es bestehe kein Zweifel daran, dass Frau M. erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung ausgesetzt gewesen sei, eine Korrelation zu den geschilderten Misshandlungen ließe sich aber nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beweisen. Kurz: „Es kann so gewesen sein, aber beweisen lässt es sich keinesfalls.“ Eine Unterscheidung zwischen vorsätzlicher Misshandlung und Notwehr lasse sich nicht treffen. Gustl Mollaths Verteidiger Gerhard Strate erklärte dazu später: Er und sein Mandant seien auf der „Siegerstraße“.

Dann fährt Eisenmenger mit dem zweiten Teil seines gerichtlichen Auftrags fort: Er soll darstellen, ob das Würgen lebensgefährlich gewesen sein könnte. Eisenmenger: Ein Würgen bis zur Bewusstlosigkeit sei potenziell lebensgefährlich, sagt Eisenmenger. Bei Petra M. lässt sich allerdings nicht mehr sagen, ob sie länger als 20 Sekunden gewürgt worden ist, weil das nicht untersucht worden ist. „Kann man sich selbst würgen?“, fragt Meindl – Man könne sich zwar Hämatome zufügen, aber sich eigentlich nicht erwürgen. Es sei nur ein Fall bekannt, bei dem sich ein Mensch selbst erwürgt hat. „Ein Rechtsmediziner“, fragt Strate. Der Saal lacht. „Nein, ein Schizophrener.“

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch (23. Juli) fortgesetzt. Dann wird unter anderem der technische Sachverständige zu den Reifenstechereien sein Gutachten abgeben. Der Angeklagte Mollath soll dutzende Reifen seiner Widersacher zerstört haben. Verteidiger Strate sorgte am Freitagmittag für Aufsehen, als er der Richterin mitteilte, nächste Woche bereits plädieren zu können. Ob man so schnell sei, könne Escher noch nicht sagen. Mollath selbst will noch drei weitere Zeugen laden.

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