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Justiz

Mollath lässt nicht locker

Das Landgericht Regensburg prüft Vorwürfe, nach denen Mollath Reifen seiner „Widersacher“ zerstochen haben soll. Der Prozess geht am Mittwoch weiter.
Von Pascal Durain, MZ

Regensburg.Ein Mann mit Mantel und Baskenmütze bückt sich in Richtung eines Autoreifens. Viel mehr ist auf dem Beweismaterial, dass die Vorsitzende Richterin Elke Escher im Wiederaufnahmeverfahren bewerten muss, nicht zu erkennen. Als die Prozessbeteiligten sich noch einmal das Bild des mutmaßlichen Täters anschauen, fällt dem Zeugen, einem Nürnberger Polizisten auf, dass der Mann darauf auch eine Brille tragen könnte. Der Zeuge leitete damals die Ermittlungen, auch heute ist er sich noch zu 90 Prozent sicher, dass es der Mann war, der nun auf der Anklagebank sitzt: Gustl Mollath.

Mollath löchert Polizisten

Am siebten Tag vor dem Landgericht Regensburg rückt die Reifenstecherei in den Mittelpunkt. Laut Anklage hat Gustl Mollath Dutzende Reifen zerstochen, um sich an Menschen zu rächen, die an der Scheidung von seiner Frau beteiligt waren oder sich sonst irgendwie gegen ihn gewandt hätten. Das Gericht hat zu diesem Komplex vier Polizisten und zwei geschädigte Autobesitzer als Zeugen geladen.

Doch zu Beginn verliest die Vorsitzende zwei Seiten aus einem Schreiben des Angeklagten an einen Rechtsanwalt, der später wegen eines zerstochenen Reifens auf der Autobahn ins Schlingern geraten sein soll. Der Mann kann nicht mehr als Zeuge verhört werden, er verstarb schon vor Jahren. In dem Schreiben erhebt Mollath schwere Vorwürfe gegenüber seiner Frau, ihren neuen Lebensgefährten und Rechtsanwälte aus Nürnberg. Anders als Martin M. am Montag aussagte, hätten er, Petra M. und ein Rechtsanwalt versucht, in sein Haus einzudringen, um Unterlagen über die Schwarzgeldverschiebungen zu bekommen.

Mollath unterstellt den Adressaten in seinem Schreiben von 2005, eine enge Verbindung zur Justiz zu haben. Trotz Hausverbots seien sie ein anderes Mal dennoch in sein Haus eingedrungen und hätten es verwüstet. Er nennt Verbindungen zwischen den Beteiligten, weiteren Personen und Firmen aus Nürnberg. Mollath fordert, die „Terroraktionen“ einzustellen.

Mollath, der zuletzt während der Verhandlung immer wieder selbst zum Verhörer wurde, setzt das auch am Dienstag fort – und löchert den Polizisten vor ihm: „Warum wurde kein Gutachter hinzugezogen, der die Beschädigungen inspiziert? Warum macht man sich nicht mehr Mühe mit den Ermittlungen?“ Der Zeuge dazu: „Herr Mollath, wenn jeder Reifen, der zerstochen wird...“ – „Aber wenn es doch so eine außergewöhnliche Geschichte ist, warum dann keine außergewöhnlichen Ermittlungen?“

Kritischer Sachverständiger

Mollath lässt nicht locker: „Haben Sie auch nach anderen Tatmotiven oder anderen Tätern gesucht?“ Der Polizeibeamte sagt, nach den Hinweisen, die ihm vorlagen, könnte nur er es gewesen sein. Er räumt ein, dass ihm Petra M. zuvor erklärt habe, ihr Ex-Mann sei „verrückt“. Das steht nicht im Abschlussbericht des Zeugen. „Beeinflusst das Sie?“ – Der Polizist: „Das kann ich nicht ausschließen.“ – Mollath: „Das ehrt Sie. Das ist ehrlich.“

Durch Mollaths Fragen stellt sich heraus, dass der Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Nürnberg Ost, der Vorgesetzte des Zeugen, aktiv bei einem Nürnberger Verein als Fußballer war, dessen Geschäftsführer Martin M. ist. Martin M. sagte am Vortag aus, er hat Mollaths Ex-Frau geheiratet – auch er soll von Schwarzgeldgeschäften der Hypovereinsbank gewusst haben. Zumindest wirft ihm Mollath das vor.

Der verkehrstechnische Sachverständige Hubert Rauscher setzt sich später kritisch mit dem Abschlussbericht des Polizeibeamten auseinander. In den Akten stehe, dass Petra M. dem Polizisten gesagt habe, ihr Ex-Mann sei kein originärer Rechtshänder. Warum das aber eine Rolle spielte, kann der Beamte nicht mehr sagen. Auch dazu, dass ein großer angespitzter Schraubenzieher, den ein anderer Zeuge bei Mollath gesehen haben will, nicht zu den Reifenschäden passt, kann der Polizist keine Angaben machen.

Am Ende seiner Aussage bleibt: Der Polizist hat keinen einzigen der zerstochenen Reifen gesehen, untersucht wurden weder das Alter der Reifen, noch wie oft und wo genau sie angestochen wurden. In seinem Abschlussbericht vertraute der Polizist auf die Schilderungen seiner Kollegen, um Schlüsse über die Tatwaffe zu ziehen. Mollath geriet in Verdacht, weil er durch seine Briefe als einziges Bindeglied mit den Geschädigten infrage kam. Der Prozess wird am Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt.

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