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Der pure Luxus auf Autorädern

Das Ehepaar Hofmann frönt seiner Leidenschaft für elegante Maybach-Oldtimer im eigenen Museum.
Von Christine Schröpf, MZ

  • Scheunenfund aus Russland
  • Mercedes nach Maybach-Entwurf
  • Luxus soweit das Auge reicht

Hereinspaziert in eine Geschichte der Leidenschaften: Wer das Neumarkter Maybach-Museum durch das wuchtige Eingangstor betritt, begegnet mit Anna und Helmut Hofmann einem Ehepaar, in dessen Leben die Passion für die Luxusautomobile aus den 1920er und 1930er Jahren eine prägende Rolle spielt. Die beiden besitzen mit 16Wagen die größte Maybach-Sammlung der Welt – nur mehr 160 Autos der kleinen und feinen Produktion mit insgesamt 1800 Autos sind erhalten geblieben. Helmut Hofmann ist auch Präsident des Internationalen Maybach-Clubs. Das vor einem Jahr eröffnete „Museum für historische Maybach-Fahrzeuge“ ist die Krönung: Die Hofmanns haben sich damit einen Lebenstraum erfüllt.

200 PS unter der Motorhaube

Maybachs sind Luxus pur. Die Limousinen der Konstrukteure Wilhelm und Karl Maybach galten vor dem Zweiten Weltkrieg als die schönsten, größten und wertvollsten Autos – auch technisch nahmen sie eine Spitzenstellung ein. „Ein Auto kostete damals 20000 bis 30000 deutsche Reichsmark“, erzählt Anna Hofmann. „Für einen Maybach hätte man 30Opel kaufen können.“ Bis zu 200 PS hatten die Nobelschlitten unter der Haube. Die Spitzengeschwindigkeit: 170 Stundenkilometer. Aufsehen war garantiert, wenn die Schönen und Reichen sich in ihren Maybachs durch die Gegend chauffieren ließen. Der Benzinverbrauch von mindestens 20 Litern auf 100 Kilometer war da ein unwichtiger Nebenaspekt.

Jeder Wagen auf den 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche des Maybach-Museums hat eine spezielle Geschichte. Anna und Helmut Hofmann haben die Details akribisch dokumentiert. Der schwarz glänzende Maybach SW 38, Modell Cabriolet, wurde zum Beispiel 1938 auf dem Autosalon in Genf zum ersten Mal vor großem Publikum bestaunt. Für den Färberei-Unternehmer Max Wirth-Kälin war es Liebe auf den ersten Blick. Er wurde erster Besitzer des eleganten Wagens mit der imposanten Länge von sechs Metern. Der Kofferraum war übrigens vergleichsweise winzig und nur von innen mit maßgeschneiderten Koffern zu beladen.

„Schwarzer Prinz“ ist begehrt

Nach dem Zweiten Weltkrieg verkaufte die Witwe des Unternehmers den Maybach an einen deutschen Rechtsphilosophen. Auch bei ihm sprang der Funke der Leidenschaft über, erzählt Museumsbesitzerin Anna Hofmann. „Die Liebe ging so weit, dass er sein Studium unterbrach und eine Lehre als Kfz-Mechaniker absolvierte, um seinen Maybach selbst warten zu können.“ Zuletzt kam das Cabriolet in die Hände der Neumarkter Familie. Der „schwarze Prinz“, für den im Maybach-Museum Endstation ist, wurde aufwendig restauriert. Er war übrigens 2002 ein zweites Mal Schmuckstück auf dem Genfer Automobilsalon – und wieder Ziel begehrlicher Blicke und potenzieller Käufer. Doch die Hofmanns trennen sich auf gar keinen Fall von dem schönen Stück.

Ähnlich eng ist die Verbindung zu einem anderen SW 38 im Museum: Einem flaschengrünen Modell mit dem Spitznamen „Bischof“ – benannt nach dem Erstbesitzer in den 1930er Jahren, dem Trierer Oberhirten. Der ließ damals eigens anordnen, dass die MM-Zeichen auf dem Kühlergrill und den Radzierkappen von dem Luxusgefährt entfernt wurden. Understatement oder kühles Kalkül, um Neider stumm zu machen? Wer weiß. Der Bischof lebte seine Leidenschaft fürs schnelle Auto jedenfalls lieber im Stillen aus.

2004, inzwischen in Händen der Hofmanns, kam das Auto für einen kurzen Abstecher nach Trier zurück. Das Ehepaar besuchte mit ihrem „Bischof“ den damaligen Trierer Bischof Reinhard Marx, der heute Erzbischof von München und Freising ist. Sie luden den Kirchenmann zu einer Spritztour im Maybach ein – er revanchierte sich mit einer Essenseinladung, erinnert sich Anna Hofmann.

Scheunenfund aus Russland

Doch nicht jede Auto-Biographie ließ sich im Nachhinein restlos enträtseln. Ein betagter Maybach DS 8 „Zeppelin“, der gleich am Eingang steht, ist dafür der beste Beweis. „Ein Scheunenfund“, sagt Anna Hofmann. Im Wageninneren fand sie Flaum von Federvieh. Der Wagen muss irgendwann nach Mittel- oder Osteuropa verkauft worden sein, spekuliert sie. Er wurde wohl nach Ende des Zweiten Weltkrieges von der Roten Armee beschlagnahmt und in die Sowjetunion gebracht. Dort sei der repräsentative Wagen als Bus eingesetzt und gründlich verschlissen worden. Für seinen großen Auftritt im Maybach-Museum wurde er notdürftig saniert. Die einstige Schönheit ist dennoch zu erahnen.

Die Hofmanns haben mit ihren Maybachs Geschichte(n) gekauft. Der eigenen Sammelleidenschaft hat man inzwischen Zügel angelegt. Denn Maybachs sind auf dem Markt nur noch sehr teuer zu erwerben. Seit Daimler-Benz die Rechte erwarb und 2002 einen neuen Maybach präsentierte, schossen auch die Preise für die Oldtimer in die Höhe. Die vielen russischen Interessenten an den alten Originalen sorgen für weitere Kostensteigerungen, sagt Anna Hofmann.

Nicht nur die Maybachs sind im Neumarkter Museum übrigens ein ästhetischer Genuss: Das Ehepaar Hofmann hat im alten Express-Werk Domizil bezogen, das vom Abriss bedroht war. Das bekannte Architektenbüro Berschneider ergänzte die Fabrikhalle durch moderne Gebäudeteile. Alles fügt sich nun zu einem perfekten Gesamtbild, das auch die stilsichere Handschrift Anna Hofmanns trägt. Sogar auf den Museumstoiletten treffen die Besucher auf Maybach-Zitate: Der Waschtisch wird dort durch Handtrockner in Form von Auspuffrohren flankiert. An den Türen finden sich historische Bilder der Luxusschlitten.

Ein Privatmuseum ist eine teure Angelegenheit. „Vom Museum allein können wir uns nicht finanzieren“, sagt Anna Hofmann, die mit Eventmanagerin Sylvia Gradl einen großen Veranstaltungsraum im Gebäude vermarktet. Die Zukunft des Automuseums liegt also fest in Frauenhand.

Helmut Hofmann, Kieferorthopäde mit gut gehender Praxis, hatte seine Ehefrau vor über 30 Jahren in Tübingen mit der Leidenschaft für Oldtimer infiziert. Anna Hofmann hat für die gemeinsame Liebe zu den Maybachs einige Opfer in Kauf genommen. „Ich habe 15 Jahre lang jeden Winter von meinem Auto Eis abkratzen müssen, weil in der Garage nur Platz für die Oldtimer war“, erinnert sie sich. Das Museum entschädigt sie für vieles. Nicht nur, weil in der Garage endlich Platz ist: Es kommt zu amüsanten Begegnungen mit Museumsbesuchern. Neulich fragte einer — nicht ahnend dass sie die Chefin ist — ob die Hofmanns wohl reich sind, da sie sich ein Museum leisten. „Ach wissen Sie: Der Mann muss immer noch arbeiten“, antwortete sie mit feinem Lächeln.

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