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Ein Fotograf zwischen den WAA-Fronten

Anne Madlene Schleicher aus Schwandorf hat eine Bilddokumentation mit Fotos von Gerhard Götz herausgebracht.
Von Rudolf Hirsch

Verleger Philipp Koch, Herausgeberin Anne Madlene Schleicher und Fotograf Gerhard Götz (von links) präsentieren die Dokumentation „WAA Wackersdorf – Vor und hinter dem Zaun“. Foto: xih
Verleger Philipp Koch, Herausgeberin Anne Madlene Schleicher und Fotograf Gerhard Götz (von links) präsentieren die Dokumentation „WAA Wackersdorf – Vor und hinter dem Zaun“. Foto: xih

Schwandorf.Auf Seite 208 der Foto-Dokumentation ist ein Mannschaftsbild des TV „Glück Auf“ Wackersdorf mit dem damaligen Spieler und heutigen Bürgermeister Thomas Falter und seinem Vater, Trainer Fritz Falter, zu sehen. Auf den Trikots werben die Spieler für die „Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstäben“. Den „Dress“ überreichte der damalige DWK-Geschäftsführer und heutige Wackersdorfer Ehrenbürger Gert Wölfel. Das Foto ist eines von 500 Bildern, die Anne Madlene Schleicher für ihre Dokumentation „WAA Wackersdorf – Vor und hinter dem Zaun“ ausgewählt hat. Am Freitag stellte sie den 256-seitigen Bildband vor.

Die Wackersdorfer Dokumentation „Erben des Tertiär“ machte die Initiatorin der Schwandorfer Filmtage „Zwickl“ neugierig. Anne Schleicher nahm mit dem Fotografen Gerhard Götz Kontakt auf und digitalisierte aus dessen Fundus 3000 Negative und Dias. Mit der Designagentur „Büro Wilhelm“ in Amberg fand sie einen Verlag, der sich auf das Projekt einließ. Gemeinsam mit Kommunikationsdesigner Philipp Koch traf Anne Madlene Schleicher eine Vorauswahl von 1200 Bilder und reduzierte sie am Ende noch einmal um über die Hälfte.

„Es sollte ein Dokument ohne politische Wertung werden.“

Anne Madlene Schleicher, Herausgeberin

„Es sollte ein Dokument ohne politische Wertung werden“, so die Intention der Herausgeberin. Sie ordnete die Aufnahmen nicht nach Themen, sondern nach chronologischer Abfolge der Ereignisse. Schleicher durchforstete die im Stadtarchiv lagernden Zeitungen von damals und ordnete die Abläufe systematisch in eine Zeitleiste ein.

Zeitzeugen und frühere WAA-Gegner erinnern sich an den Widerstand vor 30 Jahren und erzählen im Video, wie diese Zeit die Region verändert hat:

Der WAA-Widerstand veränderte die Oberpfalz

Der Untertitel „Vor und hinter dem Zaun“ ist bewusst gewählt. Fotograf Gerhard Götz war damals als freiberuflicher Fotojournalist und gleichzeitig als Beamter des Bundesgrenzschutzes mit der Kamera unterwegs. Er „schoss Bilder an beiden Fronten“: auf der Widerstands- und der Betreiberseite. „Das Thema ist gigantisch komplex“, erklärt der Fotograf, der der Herausgeberin ein Kompliment für „den wahnsinnigen Arbeitsaufwand“ macht. Er habe sich in die Auswahl der Bilder nicht eingemischt, erzählt Gerhard Götz, sei aber mit dem Ergebnis sehr zufrieden und etwas stolz, „dass hier ein Stück meines fotografischen Lebenswerkes entstanden ist“.

Mehr über den Widerstand gegen die WAA lesen Sie in unserem Spezial.

Der Band beginnt mit einem Auszug aus dem Buch der Historikerin Janine Gaumer, die am Beispiel der WAA die Dynamik zwischen Protest und staatlichem Handeln beschreibt. Es folgen in chronologischer Reihenfolge Bilder von den ersten Plänen zum Bau der WAA, der Gründung der Bürgerinitiative, der Bauplatzbesetzung, der gerichtlichen Vorgänge und der Erörterungstermine bis zum Aus des Projekts. „Die Geschichte ist historisch und doch topaktuell“, erklärt Philipp Koch mit Hinweis auf die jüngste Räumung der Baumhäuser. Das Buch ist zum Preis von 29,90 Euro online oder in Buchhandlungen erhältlich.

„Wackersdorf“ ist im Moment auf Kinotour. Regisseur Oliver Haffner und Anna Maria Sturm waren unter anderem in Nittenau.

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