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„Wackersdorf“ feiert Deutschlandpremiere

Am Mittwochabend hat der Spielfilm über Altlandrat Hans Schuierer und die WAA in Schwandorf Premiere gefeiert.

Schwandorf.Tosender Applaus, jubelnde Menschenmengen, Standing Ovations. Die Schwandorfer Oberpfalzhalle ist voll. Die Gäste feiern am Mittwochabend – nein, nicht etwa einen Weltstar bei seinem Konzert – sondern den Helden des Abends: Hans Schuierer.

Rund 900 Menschen sitzen gespannt in der Oberpfalzhalle und warten auf ein Stück ihrer Vergangenheit: auf „Wackersdorf“.Der Film ist auf Kinotour und an diesem Abend wird in Schwandorf die Deutschlandpremiere gefeiert. Andrea Hailer, die Organisatorin der Tour, bekommt „eine Gänsehaut nach der anderen“. Im Foyer der Oberpfalzhalle werden die Stars des Films mit einem roten Teppich begrüßt, die Besucher machen Fotos und die Schauspieler sowie Altlandrat Hans Schuierer geben Autogramme.

Zeitzeugen sind mit dabei

Für Sonja Kellner und Helga Zinnbauer ist es ein ganz besonderer Abend. Sie waren bei den damaligen Geschehnissen hautnah dabei. Jeden Sonntag demonstrierten die Frauen gegen den Bau der WAA, packten ihre Kinder und die Omas ein. „Die Jahre gingen nicht spurlos vorbei“, sagen die Schwandorferinnen. Auch Rupert Heigl, der damals in Maxhütte-Haidhof wohnte, war bei jedem „Sonntagsspaziergang“ mit dabei. Er sagt, die Ereignisse hätten die Region zusammengeschweißt. Die sonst eher verschwiegenen Oberpfälzer sind auf die Straße gegangen und haben sich aktiv gegen die Wiederaufarbeitungsanlage gestellt, erinnert er sich.

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"Wackersdorf"-Deutschlandpremiere in Schwandorf

Ein Schwandorfer, der seinen Namen nicht nennen will, war in den 80ern bei einem Energieversorger tätig und so hautnah dabei: Auf Einsätzen musste er feststellen, „dass die nicht so menschenfreundlich sind, wie sie tun“. Er und seine Kollegen fuhren mit fremden Autos, damit keiner nachvollziehen konnte, wo sie wohnten – so groß war die Angst in der Bevölkerung. Weitere Zeitzeugen beschreiben an diesem Abend die Vorfälle rund um die WAA als „Tragödie“.

Johannes Zeiler verkörpert im Spielfilm Landrat Schuierer. „Es war ein sehr großes Geschenk, diese Rolle spielen zu dürfen“, sagt er. Foto: Sophia Rothut
Johannes Zeiler verkörpert im Spielfilm Landrat Schuierer. „Es war ein sehr großes Geschenk, diese Rolle spielen zu dürfen“, sagt er. Foto: Sophia Rothut

Johannes Zeiler verkörpert in „Wackersdorf“ Hans Schuierer, die Hauptrolle. Zeiler sagt, man soll sich den Film als Oberpfälzer unbedingt anschauen, „weil er ein Stück Vergangenheitsbewältigung ist von einer Sache, die meines Erachtens zu großen Teilen nicht aufgearbeitet worden ist und wo noch keine Gerechtigkeit stattgefunden hat.“

Die Premiere in Schwandorf ist für Anna Maria Sturm etwas Besonderes: „Ich bin halt zu Hause. Ich hatte hier immer Volleyballtraining mit meiner Mannschaft. Es ist so heimatlich jetzt.“Foto: Sophia Rothut
Die Premiere in Schwandorf ist für Anna Maria Sturm etwas Besonderes: „Ich bin halt zu Hause. Ich hatte hier immer Volleyballtraining mit meiner Mannschaft. Es ist so heimatlich jetzt.“Foto: Sophia Rothut

Auch die Schwandorfer Schauspielerin Anna Maria Sturm hat der Kampf gegen den Bau der WAA geprägt. Voller Freude und Begeisterung denkt sie daran zurück, was die Bevölkerung damals geschafft hat: „Dass Wackersdorf verhindert wurde, ist so unfassbar geil – ich kann’s gar nicht anders sagen. Und das haben wir Oberpfälzer gestartet und dann mit Hilfe von so vielen Aktivisten von überall her zu Ende gebracht.“

Lesen Sie auch unser Doppelinterview mit Anna Maria Sturm und ihrer Mutter Irene Maria.

Nachdem die Grußworte an Hans Schuierer in minutenlangem Applaus und Jubel versunken sind, wird es dunkel in der Oberpfalzhalle. Die 900 Gäste blicken für 123 Minuten gespannt auf die Leinwand und fiebern mit.

Regisseur Oliver Haffner ist stolz, nach sieben Jahren Arbeit seinen Film nun in der Oberpfalzhalle vorstellen zu können. Foto: Sophia Rothut
Regisseur Oliver Haffner ist stolz, nach sieben Jahren Arbeit seinen Film nun in der Oberpfalzhalle vorstellen zu können. Foto: Sophia Rothut

Als der Film zu Ende ist, tritt Regisseur Oliver Haffner auf die Bühne und dankt den Schauspielern, der Filmcrew, den Komparsen sowie allen, die mitgeholfen haben, dass „Wackersdorf“ nun nach sieben Jahren Arbeit präsentiert werden kann. „Der Film gehört hierher“, sagt Haffner. Dann richtet er sich mit einem eindringlichen Appell an die Zuschauer: „Nehmen Sie die Welt in die Hand, gestalten Sie und lassen Sie sie nicht in den Händen der Populisten.“

Schuierer spricht zum Publikum

Anschließend tritt Hans Schuierer zur versammelten Filmcrew auf die Bühne und dankt Regisseur Oliver Haffner und Produzent Ingo Fliess für ihre jahrelange Arbeit an „Wackersdorf“. „Wir kennen uns schon seit sieben Jahren. Ich hab’ schon mal daran gezweifelt, ob ich den Film noch erlebe“, lacht der Altlandrat. Dann wendet er sich an alle, die damals Widerstand geleistet und so die WAA verhindert haben.

Hans Schuierer sagt, im Film „ist natürlich einiges anders, als wie es wirklich gelaufen ist.“ Manches werde anders dargestellt. „Aber sie sagen: ‚Wir brauchen Spannung.‘“ Foto: Sophia Rothut
Hans Schuierer sagt, im Film „ist natürlich einiges anders, als wie es wirklich gelaufen ist.“ Manches werde anders dargestellt. „Aber sie sagen: ‚Wir brauchen Spannung.‘“ Foto: Sophia Rothut

Mit dem Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage hätten die Bürgerinnen und Bürger Großes erreicht, obwohl viele WAA-Befürworter behaupten, der Widerstand hätte dazu nichts beigetragen. „Aber wir sind ja die Lügen und die Unwahrheiten gewohnt“, ruft Schuierer und die Oberpfalzhalle bricht in Applaus aus. „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“, zitiert Schuierer Bertholt Brecht.

In „Wackersdorf“ werde die Notwendigkeit und die Bedeutung, Widerstand zu leisten, deutlich, so Schuierer. „Dieser Film kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.“ Zum Schluss seines Plädoyers ruft er die Leute auf, wachsam zu sein und den Film im Hinterkopf zu behalten.

Im Video erklären Regisseur Oliver Haffner und Schauspielerin Anna Maria Sturm, wieso Widerstand heute wichtig ist:

„Wackersdorf“ und der Widerstand

Kaum sind die Schlussworte gesprochen, haben die zahlreichen Besucher die Möglichkeit, sich mit den Stars des Films und den bekannten Gesichtern rund um „Wackersdorf“ zu unterhalten und ihre Erfahrungen auszutauschen. In der Opferpfalzhalle hängen Wortfetzen wie „emotional“, „rührend“ und „beeindruckend“ in der Luft.

„Natürlich würden wir uns sehr wünschen, dass die Begeisterung, die wir erlebt haben – bei den Previews und bei den Open Airs und auch heute Abend –, dass die sich weiterträgt und dass vor allem auch der Geist des Films sich weiterträgt“, sagt Produzent Ingo Fliess. Seit gestern ist der Film bundesweit in den Kinos zu sehen.

Wir haben die Dreharbeiten für „Wackersdorf“ in Schwandorf begleitet:

Dreharbeiten für "Wackersdorf"-Film

Mehr über den Widerstand gegen die WAA finden Sie in unserem Spezial.

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