MyMz

Ehrung

Regensburger Idee macht Schule

Regensburger Gastronomen bekommen für ihre Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ den angesehenen Preis „Das unerschrockene Wort“ verliehen.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Richard Spieß, Sion Israel, Helga Hanusa, Ludwig Simek, Ina Schneider, Laudator Eckart Conze und Natalie Haas (l-r) von der Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“. Foto: dpa
  • Ludwig Simek präsentiert vor einem Lokal in der Regensburger Altstadt einen Aufkleber mit der Aufschrift „Rassisten werden hier nicht bedient!“ Foto: dpa

Eisleben/Regensburg.Die Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ hat am Samstag in Eisleben den Luther-Preis „Das unerschrockene Wort“ für Zivilcourage erhalten. Überreicht wurde die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung der deutschen Luther-Städte von Eislebens Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (SPD) bei einem Festakt in der Taufkirche des Reformators Martin Luther. Die Laudatio hielt der Professor für Neue Geschichte aus Marburg, Eckart Conze. Ludwig Simek, einer der Initiatoren, sagte der MZ nach der Preisverleihung: „Dieser Preis wird unserer Idee Türen öffnen. Wir sehen uns stellvertretend für alle Menschen ausgezeichnet, die ein Zeichen gegen Rassismus setzen.“

„Vorbild für jeden Bürger“

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) erklärte, die Preisträger hätten durch ihre Initiative ein couragiertes Zeichen gegen rechtsextremistisches Denken und unterschwellige Fremdenfeindlichkeit im Alltag gesetzt. Sie könnten jedem Bürger Vorbild sein, sich ebenso mutig Rechtsextremismus entgegenzustellen, so der Minister. Wie einst bei Luther erfordere es Beharrungsvermögen und Mut, sich öffentlich gegen Rechtsextremisten zu stellen, wohl wissend, deren Widerstand ausgesetzt zu sein. Es sei zu wünschen, dass das unerschrockene Handeln der Initiatoren anderswo „Schule macht“. Wenn es dann noch gelinge, dadurch einzelne Bürger zu motivieren, Rechtsextremismus entschieden entgegenzutreten, wäre dies ein weiterer Gewinn für Toleranz und Mitmenschlichkeit in Deutschland, sagte Stahlknecht.

Streit bei der Kandidatensuche

Die ausgezeichnete Kampagne war 2010 nach einem Überfall von Neonazis in Regensburg gestartet worden. Inzwischen beteiligen sich daran rund 170 gastronomische Betriebe. Mit dem Preis ehrt der Bund der 16 deutschen Luther-Städte alle zwei Jahre Persönlichkeiten und Initiativen, die im Sinne Luthers Zivilcourage gezeigt haben.

Von einer solchen Auszeichnung hätte man bei der Gründung der Initiative vor zweieinhalb Jahren nicht zu träumen gewagt, sagte Simek nach der Preisverleihung. Es sei wohl auch dem Umstand zu verdanken, dass die Idee so schnell auf große Resonanz stieß. Bereits wenige Wochen nach der brutalen Nazi-Attacke hätten sich fast 100 gastronomische Betriebe der Initiative angeschlossen. Ziel sei es nun, das Projekt bundesweit voranzutreiben. „Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro hilft uns bei diesem Vorhaben weiter.“ Richard Spieß, der ebenfalls mit zur Preisverleihung nach Eisleben gereist war, sagte am MZ-Telefon: „Der Preis wird zu einer positiven Diskussion führen. Auch die Kritiker dürften nun endgültig einsehen, dass unsere Idee funktioniert.“ In Regensburg seien seitdem keine Neonazi-Vorfälle in Gaststätten bekannt geworden. „Man hat fast das Gefühl, dass in Regensburg keine Neonazis mehr unterwegs sind. Das ist aber natürlich ein subjektiver Eindruck“, sagte Simek.

Bei der Kandidatensuche für den Preis war es im vergangenen Jahr zu einem heftigen Streit in Politik, Kirche und Gesellschaft gekommen, weil die Stadt Wittenberg die russische Punkband „Pussy Riot“ vorgeschlagen hatte. Die Nominierung fand in der Jurysitzung keine Mehrheit. Die Regensburger Kampagne hatte der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm vorgeschlagen. (is/epd)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht