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Leben

Die schönste Terrasse im Altmühltal

Auf Schloss Eggersberg speist Familie Wenzl-Sylvester hoch über dem Kanal und kann in einer Marmorwanne baden, die mit Kacheln von Dalí verziert ist.
Von Tanja Rexhepaj, MZ

  • Willkommen: Tassilo Wenzl-Sylvester führt gerne durch das Schloss Eggersberg, das wie er sagt, noch viel altes Geraffel hat. Fotos: Gabi Schönberger
  • Willkommen: Tassilo Wenzl-Sylvester führt gerne durch das Schloss Eggersberg, das wie er sagt, noch viel altes Geraffel hat. Fotos: Gabi Schönberger

Obereggersberg. Von hier oben aus glitzert die Altmühl im Licht der letzten Sonnenstrahlen, dicht bewaldet begrenzen Wolfsberg und Rosskopf das Tal, die alte Schleuse des Ludwig-Donau-Main-Kanals sieht aus dieser Entfernung winzig aus. Auf der Plattform neben der alten Kapellenruine hat Tassilo Wenzl-Sylvester eindecken lassen, der Schampus ist gekühlt, er wartet auf seine Frau Marion. Die herrliche Rund-um-Aussicht über das untere Altmühltal können die beiden ganz privat genießen - wenn sie wollten, jeden Abend, denn Tassilo Wenzl-Sylvester und Marion Josefine Weigand befinden sich hier auf ihrer Terrasse, auf ihrem Grund und Boden, und der gehört zu Schloss Eggersberg.

Schlossherr plant Freilichtbühne

„Wenn Wind kommt, springt man hier der Tischdecke hinterher; ansonsten ist es wunderbar“, sagt Schlossherr Tassilo Wenzl-Sylvester. Das Gelände um die Kapellenruine, auch Burgfelsen genannt, hat er in den vergangenen beiden Jahren vollständig von Gebüsch befreit und absturzsicher gemacht, denn hier möchte er in Zukunft nicht nur dinieren, sondern eine Freilichtbühne aufbauen.

Das Schloss, das er und seine Frau vor fünf Jahren von Robert Weigand, seinem nunmehr 89 Jahre alten Schwiegervater geschenkt bekommen haben, soll ein kultureller Anziehungspunkt im Altmühltal bleiben. Für Tassilo Wenzl-Sylvester ist es aber viel mehr als das: Der 63-Jährige lebt hier mit seiner Frau und den beiden Töchtern Alexandra (17) und Marie-Louise (13). Die Familie bewohnt den gleich neben dem Schlossgebäude gelegenen alten Pfarrhof. „Das ist unser Kronprinzenpalais“, sagt Wenzl-Sylvester über das nach dem Vorbild italienischer Palazzi erbaute Haus. „Hier leben wir mit dem ganzen alten Geraffel und das macht mir Freude.“

Geraffel? Nun ja: Die Wenzl-Sylvesters speisen in einem Original-Biedermeiersalon, baden in Marmorwannen, über denen Kacheln bemalt von Salvador Dalí angebracht sind und haben im Korridor eine Ahnentafel hängen, die bis ins achte Jahrhundert zurück reicht. „Wir versuchen, aristokratisch zu leben, aber ohne Geschnörksel“, sagt Tassilo Wenzl-Sylvester.

Denn obwohl man es seinem Namen nicht gleich ansieht: Seine Familie entstammt einem uralten Adelsgeschlecht. Genauer gesagt: Die Wenzl-Sylvesters gehören zum nicht titulierten Uradel und stammen ursprünglich aus der venezianischen Provinz Rovigo. Die Eltern von Tassilo Wenzl-Sylvester jedoch sind in den USA geboren. Beide kamen Ende des Zweiten Weltkriegs nach Nürnberg, wo sie als Korrespondenten für die New York Times über die Nürnberger Prozesse berichteten. 1946 wurde Tassilo als erstes und einziges Kind der beiden auf Schloss Stein bei Nürnberg geboren.

Einst eine Flüchtlingsunterkunft

Mit Eggersberg kam Wenzl-Sylvester erstmals Ende der 70er Jahre über seinen Schwiegervater, den Juristen und Antiquitätensammler Robert Weigand, in Berührung. „Mein Schwiegervater hat das Schloss 1962 für damals 100000 Mark gekauft“, sagt er.

Damals war der rund 2000 Quadratmeter umfassende Barockbau vom Einstürzen bedroht. Nach dem Weltkrieg hatten hier Flüchtlinge ihre Unterkunft, danach wurden die Räume von der Stadt Riedenburg als Armenhaus genutzt. „Aus jedem Fenster kam ein Ofenrohr“, beschreibt Tassilo Wenzl-Sylvester den Zustand des Schlosses.

Heute freilich erinnert daran nichts mehr. Schloss Eggersberg beherbergt nun ein Restaurant mit Café, ein Museum und ein Hotel mit 16 Zimmern. Den Grundstein dafür legte Ingeborg Weigand, Tassilo Wenzl-Sylvesters Schwiegermutter. 1963 eröffnete sie unter dem Motto „Zu Gast im Schloss“ ein Landhotel. „Sie war eine Grande Dame, eine Bohèmienne. Ich sagte immer: Ingeborg, du kannst die Leberwurst so gut drapieren, das sieht richtig edel aus“, erinnert sich der heutige Schlossbesitzer.

Das Edle hat die Ära Ingeborg überdauert. Die erlesenen Antiquitäten von Robert Weigand und die exklusive Ausstattung der Zimmer verleihen dem Schlosshotel eine noble Note. In den Monaten Dezember und Januar, wenn hier wenig Betrieb ist, wohnt auch Familie Wenzl-Sylvester gerne im Schloss. Sie quartieren sich dann im zweiten Obergeschoss in der Suite ein, gleich neben der großen Bibliothek, die noch ganzjährig von Robert Weigand bewohnt wird.

Aber so richtig wohl fühlt sich Tassilo Wenzl-Sylvester dann doch eher in seinem Pfarrhof. „Im Schloss ist alles so geschleckt, hier hingegen ist es urig. Hier habe ich auch eine Lümmelecke vor dem Fernseher“ - für die Abende, an denen er nicht hoch über der träge dahinfließenden Altmühl zum Diner lädt.

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