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Leben

Hier wurde Fürst Johannes geboren

Idyllisch gelegen im Weintinger Hölzl ist die Grafenfamilie Walderdorff zuhause: Auf Schloss Höfling fühlt sie sich seit 25 Jahren heimisch.
Von Tanja Rexhepaj, MZ

Obertraubling. Hier, im Atelier, ragen vier weiße dünne Stangen vom Fußboden bis zur Decke hinauf. Eigentlich stützen sie den Dachboden ab, doch sie tragen auch dazu bei, dass man sich wunderbar vorstellen kann, dass der Raum früher einmal dreigeteilt war. „Hier schliefen Johannes, Mafalda und Clothilde mit ihrer Kinderfrau“, sagt Maria Josepha Gräfin von Walderdorff. Wo die Gräfin heute Stoffe zuschneidet, waren noch vor dem Zweiten Weltkrieg die Fürstenkinder von Thurn und Taxis zu Hause. Glorias Mann, der vor zwanzig Jahren verstorbene Fürst Johannes, wurde hier sogar geboren: auf Schloss Höfling, versteckt gelegen im Weintinger Hölzl (Lkr. Regensburg). Seit 1985 wohnen die Walderdorffs hier. Inzwischen sind Constantin Graf von Walderdorff, der drittälteste von vier Söhnen, und die 16-jährige Sofia Gräfin von Walderdorff, eine Enkelin von Maria Josepha Gräfin von Walderdorff, die rechtmäßigen Schlossherren.

Genügend Platz für viel Besuch

Im Salon in der ersten Etage serviert Maria Josepha Gräfin von Walderdorff Kaffee. Enkelin Sofia reicht köstliche Schokoladenpralinen. „Hier sitzen wir gerne an Weihnachten, wenn die ganze Familie zusammenkommt“, sagt Maria Josepha. Die Familie – das sind vier Söhne, acht Enkelkinder, weitere Verwandte und ganz viele Freunde. „Eine Sleep-Over-Party ist hier ja zum Glück kein Problem“, sagt die Gräfin und lacht. Mehr als 50Wohnräume und ein Grundstück von rund zwei Hektar Größe mit Schwimmbad und Tenniscourt lassen genügend Platz für viel Besuch. „Ich kenne mich mit der Familiengeschichte nicht so gut aus“, sagt Sofia, die bereits jetzt in der Abiturklasse sitzt. „Seit ich null bin, bin ich hier, deshalb ist es für mich nicht überwältigend, dass ich nun Schlossbesitzerin bin; es ist normal. Noch macht ja alles mein Onkel“, sagt sie.

Onkel Constantin lebt als freischaffender Bariton in Wien und auf Höfling. „Er hat sich schon immer am meisten um alles hier gekümmert“, sagt seine Mutter. Als die Familie Walderdorff nach Höfling kam, war das Anwesen schon lange Zeit verlassen; der Park, die Außenanlagen, alles war verwildert. Doch nach acht Jahren Suche nach einem passenden Objekt wagten sie den Schritt aus dem Frankfurter Eigenheim in die Oberpfalz, wo die Hauzensteiner Linie der Walderdorffs schon seit Generationen beheimatet ist. Höfling gehörte zum Besitz der Thurn und Taxis, die Walderdorffs – mütterlicherseits sind sie mit dem Fürstenhaus verwandt – schlossen einen Erbpachtvertrag ab. „Dieses Schloss hatte den Vorteil, dass es wie ein Wohnhaus ist“, sagt Maria Josepha Gräfin von Walderdorff. Wohnlich haben sie sich denn auch eingerichtet. Wenn sich die Familie hier trifft, wird einer Leidenschaft der Walderdorffs gefrönt: dem guten Essen.

Die Leidenschaft fürs Kochen

Die Leidenschaft fürs Kochen haben alle vier Söhne von ihrem Vater, Dr. Hugo Graf von Walderdorff, übernommen. Nur einer von ihnen hat die Leidenschaft jedoch zum Beruf gemacht: Christian Graf von Walderdorff, Inhaber des Regensburger Gourmetrestaurants Rosenpalais. Der Mann von Maria Josepha Gräfin von Walderdorff war in Frankfurt Direktor der Deutschen Bank, doch sein ganzes Herzblut galt seit jeher der Familie. „Es war seine Idee, dass wir hier ein Haus haben, in dem alle zusammen kommen können. Es ist ein großes Glück, dass unsere Familie sich so gut versteht.“

Deshalb kommen alle immer wieder hier zusammen – aus Regensburg, Wien, Frankfurt und New York –, um miteinander Zeit zu verbringen. Häufig lädt Constantin Graf von Walderdorff befreundete Künstler ein, und dann wird musiziert. Die Privatkonzerte sollen in Zukunft zu halböffentlichen Konzerten werden, verrät der Bariton. „Doch das ist noch nicht ausgegoren; man könnte hier auch Ausstellungen veranstalten.“ In seinem Büro in der Bibliothek neben dem Salon macht er sich am liebsten über die Zukunft Gedanken. Seine Mutter ist am liebsten in ihrem Atelier im zweiten Stock. Stoffballen auf den Schultern die Treppen hoch und runter zu schleppen, gehört zu ihrem Fitnessprogramm. „Ich habe unser Haus hier komplett eingerichtet“, sagt die Innendekorateurin. „Nun arbeite ich vor allem für Häuser in ähnlicher Größe, weil ich damit eben Erfahrung habe.“

Besonders freut es die Großmutter, dass auch Enkelin Sofia ein Faible für Stoffe hat. Im Atelier schneidert die 16-Jährige gerade ein Kostüm. Sie stellt bereits jetzt Arbeiten für eine Bewerbungsmappe zusammen. „Aber nach der Schule will ich erst einmal rumreisen“, sagt sie. „Später macht man das dann sowieso nicht mehr.“ Wahrscheinlich nicht, denn später wird sie als Schlossherrin auf Höfling genügend andere Dinge zu tun haben.

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