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Gillamoos

SPD fordert Maut auf Modellautos

Florian Pronold und Thorsten Schäfer-Gümbel kritisieren Mautpläne der CSU. Die SPD schmäht Verkehrsminister Dobrindt als „politischen Geisterfahrer“.
Von Stefan Stark, MZ

Reitet genüsslich auf der Pkw-Maut herum: Thorsten Schäfer-Gümbel im Jungbräuzelt Foto: Sebastian Pieknik

Abensberg.Die Sozialdemokraten nutzen die endlosen Maut-Querelen als Steilvorlage für heftige Angriffe auf Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Horst Seehofer (beide CSU): „Der Bundesverkehrsminister kommt mir vor wie ein politischer Geisterfahrer“, sagt der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold im Jungbräuzelt. „Keiner glaubt mehr, dass es was wird, nur Seehofer und Dobrindt halten stur daran fest.“ Angesichts der Tatsache, dass Pronold und Dobrindt in Berlin an einem Kabinettstisch sitzen und SPD-Chef Sigmar Gabriel sich auf die Seite der Maut-Verfechter geschlagen hat, ist die Deutlichkeit von Pronolds Kritik ein bisschen überraschend. Und er setzt noch einen drauf: In Anspielung auf die Modellbau-Affäre von Christine Haderthauer schlägt der Umwelt-Staatssekretär süffisant eine Maut auf Modellautos vor. Die bringe mehr ein als eine Pkw-Maut, wie sie derzeit geplant sei, sagt Pronold. „Wenn die Maut so kommt wie bislang bekannt, sind wir wieder im Mittelalter mit Eintrittsgebühren an den Grenzen,“ wettert er. Seit Jahren bestreite die CSU ihre Wahlkämpfe nur mit einem Thema – der Maut.

„Die Dobrinette wird nicht kommen“

Auch Thorsten Schäfer-Gümbel (Spitzname TSG) reitet genüsslich auf der Maut herum. Im Nachbarzelt rede der Verkehrsminister über die „Dobrinette“, sagt der Hesse und fährt süffisant fort: „15 von 16 Bundesländern wollen die Maut so wenig wie einen Hagelsturm im Sommer“, erklärt der stellvertretende SPD-Vorsitzende. „Solange es aber keine vernünftigen Vorschläge dazu gibt, wird dieser Unfug nicht kommen“, erklärt Schäfer-Gümbel.

Es gibt Szenenapplaus von den Genossen im nur halbbesetzten Jungbräuzelt. Offenbar ist TSG als Hauptredner nicht der ganz große Publikumsmagnet wie im vergangenen Jahr Christian Ude. Dennoch schlägt sich Schäfer-Gümbel wacker, redet sich ohne Manuskript langsam in Stimmung. Insgesamt ist es ein 60-minütiger Parforceritt, in dem er kaum ein wichtiges Politikfeld auslässt und sich redlich bemüht, die Herzen der Genossen zu erwärmen.

Anfangs hatten die Kelheimer SPD-Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorder und der Bezirksvorsitzende Christian Flisek noch gescherzt, dass vielleicht nicht jeder in Niederbayern etwas mit dem Namen Thorsten Schäfer-Gümbel anfangen könne. Werner-Muggendorfer witzelt: „Ich habe nachgerechnet: Mein Name hat mehr Buchstaben als der von TSG.“ Doch sie spricht dem Gast ebenso wie Flisek Mut zu. Am Ende der Veranstaltung werde jeder hier seinen Namen kennen.

TSG nennt Seehofer ein „Rumpelstilzchen“

Den CSU-Chef schmäht Schäfer-Gümbel als „Rumpelstilzchen“, das täglich seine Meinung ändere. Und den Fachkräftemangel in Bayern macht er an drei Namen fest: Seehofer, Dobrindt und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Aber auch die AfD bekommt ihr Fett weg. „Das sind Rechtspopulisten. Sie wollen den Euro abschaffen – aber das bedeutet Wohlstandsverlust für alle,“ sagt Schäfer-Gümbel.

Sogar den Geist von Willy Brandt beschwört er mit Blick auf die weltpolitischen Krisen. „Wandel durch Annäherung muss die Messlatte der deutschen Politik bleiben“, erklärt der SPD-Politiker. Den Umgang Deutschlands mit den Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak bezeichnet er als unwürdig, um seine Rede dann pathetisch zu beenden: „Es gibt keine soziale Gerechtigkeit ohne Freiheit und Solidarität .“

Krönung mit einem Hopfenzupferhut

Bravo-Rufe aus dem Publikum, kurzer, aber heftiger Beifall: Gemessen an den Reaktionen im Jungbräuzelt hat TSG gestern seinen Bekanntheitsgrad in Niederbayern gesteigert. Die Lokalmatadoren der SPD bedanken sich mit einem Geschenk – und setzen Schäfer-Gümbel einen Abensberger Hopfenzupferhut, aufs Haupt.

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