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Spundwände: Nicht schön, aber sicher

Spundwände aus dickem Stahl, Schutzwälle aus Beton, Rückhaltebecken: An der Mangfall wurden Millionen in den Hochwasserschutz investiert.
Von Paul Winterer, dpa

Eine Spundwand entlang der Mangfall im Ort Kolbermoor: 1800 Tonnen Stahl wurden seit dem Jahrhunderthochwasser vor einem Jahr entlang der Mangfall verbaut. Foto: Stadt Kolbermoor/dpa

Rosenheim.Schön sind sie nicht, dafür aber sicher. So urteilen viele Bewohner des oberbayerischen Städtchens Kolbermoor über die rostfarbenen Spundwände und die Wälle aus Beton, die ein Jahrhunderthochwasser wie vor einem Jahr verhindern sollen. 1800 Tonnen Stahl wurden seitdem entlang der Mangfall verbaut, zudem 20 000 Kubikmeter Kies ausgebaggert, um das Flussbett zu vertiefen. „Wenn so ein Hochwasser wie vor einem Jahr wieder passieren würde, müsste Kolbermoor nach menschlichem Ermessen verschont bleiben“, ist sich Rathaussprecher Christian Poitsch sicher.

Geld ist gut angelegt

Anfang Juni 2013 wurden Teile von Kolbermoor evakuiert, weite Gebiete der Stadt waren überflutet. 80 000 Liter Wasser pro Sekunde schossen auf dem Höhepunkt des Hochwassers in Kolbermoor über den Mangfalldamm und flossen so unkontrolliert auch nach Rosenheim. So war die über 60 000 Einwohner zählende Stadt ebenfalls dramatisch vom Hochwasser betroffen. In Rosenheim fließt die Mangfall in den Inn. Ganze Wohngebiete wurden geräumt, die Menschen kamen in Schulturnhallen unter. An Unterricht war ohnehin nicht zu denken, Abiturprüfungen mussten verschoben werden.

Das Wasser stand teils 1,50 Meter hoch in den Straßen und Gärten. Der Verkehr brach zusammen, die nahe gelegene Autobahn München-Salzburg (A8) war tagelang gesperrt, weil die Tiroler Achen weiter östlich über die Ufer trat und die Fahrbahnen unpassierbar machte. Auch Züge standen still, der Bahnhof Rosenheim war komplett gesperrt. Tagelang herrschte Katastrophenalarm.

Nichts mehr davon ist ein Jahr danach zu spüren. Allein in Kolbermoor wurden vom Freistaat Bayern sechs Millionen Euro für Sofortmaßnahmen bewilligt, 40 Prozent davon muss die Stadt tragen – Geld, das aus Sicht von Poitsch gut angelegt ist. „Bei uns wurden an die 1200 Objekte in Mitleidenschaft gezogen, allein die Gebäudeschäden betrugen zwischen zehn und zwölf Millionen Euro“, rechnet er vor.

Schon wenige Wochen nach dem verheerenden Hochwasser war in Kolbermoor die erste Schutzmaßnahme fertiggestellt. „Schlimmes Leid, wie es viele Menschen hier erfahren haben, muss bestmöglich verhindert werden“, sagte Umweltminister Marcel Huber (CSU) bei der Inbetriebnahme einer 1,6 Kilometer langen Deicherhöhung. „Effektiver Hochwasserschutz ist deshalb hier, genauso wie in anderen gefährdeten Regionen, eine entscheidende Aufgabe.“

„Katastrophe darf sich niemals wiederholen“

Seitdem ist freilich wesentlich mehr passiert. „Die größte Gefahr ist durch die Maßnahmen in Kolbermoor gebannt“, versicherte Christoph Wiedemann vom Wasserwirtschaftsamt dieser Tage bei einer Stadtteilversammlung in Rosenheim. Auch dort wurden der Mangfalldamm erhöht und das Flussbett vertieft, 5000 Kubikmeter Kies schaufelten die Bagger heraus. Die Stadt prüft zudem, wo bei einem möglichen erneuten hochwasserbedingten Stromausfall Notstromaggregate verhindern könnten, dass die Wasserpumpen stillstehen.

Für die Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) steht fest: „Eine solche Katastrophe darf und soll sich in unserer Stadt niemals wiederholen können.“ Zwar könne eine Stadt am Zusammentreffen zweier Flüsse nie vor allen Hochwasserereignissen sicher sein. Doch sei seit dem Unglück alles getan worden, „um den maximalen Schutz zu erreichen, der im Bereich der Stadt Rosenheim erreicht werden kann“.

Auch in Bad Aibling und Feldkirchen-Westerham nordwestlich von Rosenheim werden zusätzlich über fünf Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Für den Ortsteil Feldolling läuft gerade das Planfeststellungsverfahren für ein Rückhaltebecken. Im Jahr 2020 könnte der Bau abgeschlossen sein. Die bewohnten Gebiete entlang der Mangfall blieben damit nach Behördenangaben vor einem weiteren verheerenden Jahrhunderthochwassers wie im Juni 2013 verschont.

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