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Tierschützer für Schließung von Delfinarien

Das Delfinarium in Münster soll schließen. Jetzt fordern Tierschützer den Haltungsstopp für Meeressäuger in Nürnberg. Dort sollen seit 2004 zehn Jungtiere verendet sein.

Ein Delfin schwimmt im Delfinarium im Tiergarten in Nürnberg. Foto: dpa

Nürnberg/Bonn. So nah kommt der Mensch Delfinen selten: In Delfinarien stoßen die anmutigen Tiere nur wenige Meter vom Publikum entfernt aus dem Becken und tauchen Wasser spritzend wieder in das temperierte Nass. Tierschützer halten diese Form der Haltung für Tierquälerei. Ginge es nach ihnen, sollten Delfinanlagen in Zoos grundsätzlich verboten werden. Am Montag gab der Allwetterzoo in Münster die Schließung seines Delfinariums bekannt. Tierrechtler sehen sich in ihrer Kritik bestätigt - und fordern auch ein Stopp der bundesweit letzten verbleibenden Delfinarien in Nürnberg und Duisburg.

„Wir sind natürlich für die Schließung aller Delfinarien“, betont der Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF), Jürgen Ortmüller. Er prangert vor allem die hohe Sterblichkeitsrate bei Delfinen im Tiergarten Nürnberg an. Seit 1973 seien 38 Delfine in dem Zoo verendet, seit 2004 allein zehn Jungtiere. „Mehr als 90 Prozent der Nachzuchten haben nicht funktioniert“, schimpft Ortmüller. Auch der kostspielige Neubau der Lagune bringe keine Verbesserung. Wegen der Reizüberflutung in den zu kleinen Becken müsse der Zoo seinen Delfinen sogar Psychopharmaka geben.

Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund kritisiert, die Lagune besitze entgegen den Behauptungen keinen hohen internationalen Standard. Die Anlage sei zu klein und die Wassertiefe zu gering, bemängelt der Tierschützer. Die 2011 eingeweihte Wasserlandschaft sei ein „Prestigebau“, der nicht für die Tiere, sondern ausschließlich für das Publikum gedacht sei.

Indessen formuliert die Vorsitzende der Tierschutzorganisation animal public, Laura Zimprich, klar und drastisch: „Eine artgerechte Haltung von Delfinen ist in Gefangenschaft nicht möglich.“ Deshalb müssten alle Delfinarien geschlossen werden. Dazu brauche es allerdings einen Managementplan - sprich ein ausgeklügeltes Konzept, um die vorhandenen Tiere bestmöglich unterzubringen und die Nachzucht zu stoppen, fügt Zimprich hinzu.

Tiergarten Nürnberg steht zu Lagune

Der Tiergarten Nürnberg weist die Forderung nach einer Schließung vehement zurück. Die Kritik der Tierschutzorganisationen werde ernst genommen, versichert der Kurator für Forschung und Artenschutz, Lorenzo von Fersen. Aber das Delfinarium in Münster werde im Herbst nicht wegen der langjährigen Proteste der Tierschützer geschlossen, sondern weil der Allwetterzoo seine Ausrichtung geändert habe. Im Unterschied zum Nürnberger Tiergarten seien die Verantwortlichen dort auf Dauer nicht dazu bereit gewesen, die für eine zeitgemäße Delfinhaltung nötigen Investitionen zu tätigen.

Der Direktor des Allwetterzoos Münster, Jörg Adler, bestätigt: „Wir hätten 20 Millionen Euro gebraucht, um die Delfinhaltung auf den neuesten Stand zu bringen.“ Das Münsteraner Delfinarium entspreche zwar allen gesetzlichen Anforderungen, passe aber nicht mehr in die Philosophie des Zoos: „Entweder wir halten die Tiere nach den modernsten Parametern oder wir trennen uns“, erklärt Adler.

Dagegen sei in Nürnberg eine neue Lagune im Wert von rund 25 Millionen Euro gebaut worden, sagt von Fersen. Die Pfleger sähen, dass es den Tieren gut ginge. „Es gibt überhaupt keine Hinweise auf unnatürliche Verhaltensweisen“, versichert der Artenschutzexperte. Zwar habe es Probleme mit der Nachzucht gegeben, die habe der Zoo mittlerweile aber im Griff. „Wir sehen überhaupt keine Probleme. Wenn hier ständig Tiere sterben würden, dann würde es hier keine Delfine mehr geben“, betont von Fersen. Und was den Nachwuchs betreffe, sei der Tiergarten guten Mutes.

Indessen prüft die Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS die Akten des Nürnberger Tiergartens. WDCS-Meeresbiologe Karsten Brensing ist davon überzeugt, dass die Delfinhaltung in Nürnberg nicht artgerecht und damit nicht gesetzmäßig ist. Liefere die Auswertung der Zoodokumente entsprechende Beweise, müsse der Tiergarten sein Delfinarium schließen, kündigt Brensing an. Die Auswertung werde aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Unabhängig vom Zuchterfolg und der Kritik der Tierschützer gilt also: Die Delfine in Nürnberg werden noch eine Weile für das Publikum schwimmen. (dapd)

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Immer wieder gerät auch der Zoo Nürnberg in das Visier von Tierschützern. Organisationen haben sich generell gegen eine Gefangenschaft von Meeressäugern ausgesprochen.

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