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Diskussion

Trinkwasser: Menschenrecht oder Luxusgut?

Die Friedrich-Ebert-Stiftung stellte das Thema Trinkwasser und eine zuverlässige Wasserversorgung in den Mittelpunkt des 44. Regensburger Gesprächs.
Von Angelika Lukesch, MZ

Sie diskutierten über Wasserwirtschaft und das Recht auf Wasser. (Von links) Ismail Ertug, Christa Hecht, Harald Zintl, Sebastian Schönauer. Foto: Lukesch

Regensburg.Im Jahr 2013 haben sich nahezu 1,9 Millionen Menschen im ersten europäischen Bürgerbegehren dafür ausgesprochen, dass sauberes Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung Menschenrechte sind. Sowohl CDU/CSU als auch SPD haben in ihrer Koalition-Vereinbarung niedergeschrieben, dass die Wasserversorgung zum „Kernbestand staatlicher Aufgaben“ gehört. In vielen Ländern jedoch ist die Wasserversorgung privatisiert und liegt in den Händen von gewinnorientierten Unternehmen wie Nestle.

Großkonzern Nestlé beherrscht Wassermarkt

Vor der Diskussion beim 44. Regensburger Gespräch, das die Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert hatte, wurde im Sorat-Hotel der Film „Bottled life“ gezeigt. In dieser Dokumentation befasst sich der Schweizer Journalist Res Gehringer mit den Geschäften des größten Lebensmittelherstellers Nestlé, der den milliardenschweren Wassermarkt beherrscht. Im Film wurde deutlich, wie Nestle aus der natürlichsten Ressource der Erde, dem Wasser, bares Geld macht und gleichzeitig die Menschheit in ein Abhängigkeitsverhältnis bringt. Aus einer Ladung gewonnenen Wassers, die den Konzern zehn Dollar kostet, werden 50000 Dollar Gewinn erzielt. In manchen Ländern senkt Nestlé das Grundwasser soweit ab, dass die Einheimischen unter Wassermangel leiden. Wollen sie dem begegnen, müssen sie das in Flaschen abgefüllte Wasser für teures Geld kaufen. In manchen Ländern kostet Wasser mehr als Benzin. Die Dokumentation blickt hinter die glatte Fassade des Unternehmens Nestle, das weltweit rund 70 Wassermarken vertreibt, und deckte seine geschickte Marketingstrategie auf.

Die Kernfrage in der Diskussion mit Christa Hecht, der Geschäftsführerin der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft, Ismail Ertug, Mitglied des Europäischen Parlaments, und Sebastian Schönauer, Sprecher des Arbeitskreises Wasser und stellvertretender Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern, stellte Harald Zehntel, Leiter des Regionalbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Regensburg: „Kann Wasser ein bezahlbares Lebensmittel bleiben oder ist es schon in wenigen Jahren ein hochprofitabler Rohstoff, über dessen Preise weltweit wenige Konzerne bestimmen?“ Schönauer wies gleich eingangs darauf hin, dass auch die Menschen hierzulande das Geschäft mit dem Wasser akzeptierten. Obwohl das Wasser in Regensburg sehr gut sei, werde Wasser in Flaschen gekauft und somit die Big Player wie Nestlé im Wassergeschäft unterstützt.

Der Dritten Welt helfen

Schönauer forderte auf, der Dritten Welt zu helfen, die Wasserversorgung in einer Weise zu gewährleisten, dass jeder Mensch davon profitieren könne, egal ob arm oder reich. „Die Dritte Welt braucht etwas anderes als Sprüche“, sagte er. Es brauche Geld für unabhängige Agenturen, die das Wasser unter Uno-Überwachung verteilen könnten. Völlig klar sei, dass die Global Player in der privaten Wasserwirtschaft die Privatisierung in Deutschland durchdrücken wollten: „Wir haben hier schließlich die beste Wasserversorgung der Welt. Da braucht man in die Infrastruktur nicht mehr viel investieren“, sagte Schönauer.

Christa Hecht erklärte, dass in Deutschland der Trend zur Privatisierung wieder zurückgehe. Man habe bemerkt, dass die privaten Unternehmen mit falschen Zahlen und Versprechungen hantiert hätten: „Die Privaten sind nicht effektiver, nicht besser für die Natur und die Infrastruktur wird auch schlecht gepflegt. Private Unternehmen müssen Profite machen, im öffentlichen Bereich ist dies nicht der Fall“, sagte Hecht.

Auf die Frage, ob nicht durch die immer größer werdende Schwierigkeiten der Kommunen, ausgeglichene Haushalte aufzustellen, ein gewisser Druck zur Privatisierung der Wasserversorgung entstünde, sagte Europaparlamentarier Ertug: „Man darf diesem Druck der öffentlichen Haushalte nicht immer nachgeben. Infrastrukturen sind langfristige Investitionen. Diejenigen, die die Wasserversorgung privatisiert haben, haben jetzt alle den Druck, das wieder rückgängig zu machen.“

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