MyMz

Transplantationsskandal

Uniklinik im Organspende-Strudel

Der Organspende-Skandal in Regensburg hat personelle Folgen: Nach der Strafanzeige gegen einen Oberarzt wurde nun der Chef der Chirurgie beurlaubt.

  • Am Regensburger Universitätsklinikum soll es bei Lebertransplantationen Manipulationen gegeben haben. Foto: dpa
  • Professor Dr. Hans Jürgen Schlitt ist als Leiter der Chirurgie am Universitätsklinikum Regensburg mit sofortiger Wirkug beurlaubt. Foto: altrofoto.de

Göttingen/Regensburg. Der Göttinger Organspende-Skandal überollt das Universitätsklinikum Regensburg. Am Donnerstag beurlaubte Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) mit sofortiger Wirkung den Direktor der Chirurgischen Klinik am Uni-Kinikum, Prof. Dr. Hans J. Schlitt (51). Vorher war bekannt geworden, dass der Göttinger Oberarzt Dr. O. (45) offenbar auch in Regensburg Patientendaten manipuliert hatte. Prof. Schlitt habe möglicherweise seine Aufsichtspflicht als Vorgesetzter verletzt, hieß es.

Nach Informationen der Mittelbayerischen Zeitung waren die beiden Mediziner weit über das normale berufliche Maß hinaus verbunden. Demnach kannten sich Prof. Schlitt und Dr. O. schon seit den 1990er Jahren. Während ihrer gemeinsamen Zeit an der Klinik für Transplantationsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover hatten sie 1999 gemeinsam erstmals in Deutschland bei einer Leberlebendspende eine sogenannte Split-Leber-Transplantation durchgeführt. Als Schlitt 2003 den Lehrstuhl für Chirurgie am Klinikum der Universität Regensburg übernahm und Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie wurde, hatte er Dr. O. an die Donau geholt. 2005 fungierte Schlitt als Bürge bei Dr. O.s Aufnahme in die Vereinigung Bayerischer Chirurgen. Noch am 10. Oktober vergangenen Jahres hatten beide Videos einer gemeinsamen Lebertransplantation mit Lebendspende ins Internet gestellt.

Offenbar in 23 Fällen Krankendaten manipuliert

Schlitt ist nach Angaben Heubischs allerdings keiner Manipulationen verdächtig. Ganz anders Dr. O.: Der Transplantationsmediziner, der sowohl in Göttingen als auch in Regensburg als Oberarzt tätig war, soll wie schon an seinem letzten Arbeitsplatz zwischen 2004 und 2006 auch am Uni-Klinikum Regensburg in 23 Fällen Krankendaten bei Lebentransplantationen gefälscht haben – offenbar, um seine Patienten auf der Warteliste auf vordere Plätze zu hieven.

Die Klinikumsleitung hatte die Verdachtsfälle aufgedeckt, nachdem aufgrund des Skandals in Göttingen alle Transplantationen von Dr. O. während des fraglichen Zeitraums überprüft worden waren. Am Donnerstagmorgen fand die Regensburger Staatsanwaltschaft ein elfzeiliges Fax in ihrem Eingang, in dem Strafanzeige gestellt wurde. Oberstaatsanwalt Dr. Wolfhard Meindl konnte aufgrund der Kürze der Zeit deshalb am Donnerstag noch keine konkreten Aussagen machen. „Wir stehen mit unseren Ermittlungen ganz am Anfang. Ob überhaupt strafrechtliche Relevanz gegeben ist, steht frühestens nächste Woche fest“, sagte er.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht