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Von Hose kürzen bis Maßkorsett

Paul Georg Syrnicki will in seinem Atelier in Stadtamhof Mode mit Persönlichkeit machen. Doch der Weg in die Selbstständigkeit ist steinig.
Von Katja Bock, MZ

  • Opulente Roben treffen auf leichte Sommerkleider – In seinem Atelier zeigt Maßschneidermeister und Modedesigner Paul Georg Syrnicki Stil-Vielfalt. Foto: Gabi Schönberger
  • Aufwendige Details wie der Spitzenkragen sind charakteristisch. Foto: Gabi Schönberger
  • Passend zu den Kleidern finden sich auch die Accessoires. Foto: Gabi Schönberger
  • Korsetts zählen zu den Lieblingsstücken des Schneidermeisters. Foto: Gabi Schönberger

Regensburg. Ein paar Schritte von der Steinernen Brücke entfernt, versteckt zwischen Cafés und Wohnhäusern findet sich in Stadtamhof 6 in Regensburg das kleine Atelier von Paul Georg Syrnicki. Würde man es nicht gezielt suchen, liefe man einfach daran vorbei. Nur eine unscheinbare Glastür inmitten der Häuserfront gibt den Blick frei auf die opulenten Roben des Maßschneidermeisters und staatlich geprüften Modedesigners.

Das Atelier ist nur etwa 16 Quadratmeter groß. Wie ein Schlauch zieht es sich durch das Gebäude. Vom Boden bis zur Decke ist alles in Weiß gehalten. Unter dem Label Paul Leu hat der Regensburger vor fast genau einem Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Zwischen Maßanfertigungen, Nähkursen und Abänderungen kämpft er seitdem darum, „Mode aus Regensburg für Regensburg zu machen“.

Zwischen Vogue und Burda

Abgetrennt durch einen weißen Fransen-Vorhang, sitzt Paul Georg Syrnicki im hinteren Teil des kleinen Ateliers an seiner Nähmaschine und macht letzte Änderungen an einem Kleid. Der 34-Jährige trägt eine weiße Hose, die mit seinem Logo einem Löwen bestickt ist. Er zeigt seine neuesten Kreationen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Vom Maßkorsett bis zum Hochzeits-Dirndl ist Kleidung für den Regensburger vor allem Ausdrucksmittel der Persönlichkeit. „Ich mache Kleidung für Menschen. Meine Kleider sollen den Stil und Charakter der Person unterstreichen.“ Erkennbar bei seinen Modellen ist die Liebe zum Detail und die Präzision bei der Verarbeitung. Deutlich wird dies als er ein blaues Korsett von der Büste nimmt und den Blick in das Innenleben freigibt. Er erklärt die Komplexität des Schnitts und schwärmt vom „Zauber der Silhouette“. An das Korsett reiht sich eine Büste mit einem Sommerkleid, eine Kundenanfertigung.

Dahinter an der Wand hängt an einem Haken ein schwarzes Spitzenkleid. „Ich habe so viele Ideen jeden Tag, dass ich immer ein neues Kleid in einem anderen Stil machen will. Dass ist auch der Grund, warum ich keine kompletten Kollektionen anbiete, sondern nur einzelne Modelle. Bei mir kann sich der Kunde immer wieder überraschen lassen“, erklärt der Designer seine Stil-Vielfalt. Inspiration findet Syrnicki in ganz alltäglichen Dingen, aber auch in der aktuellen Mode. „Ich kaufe mir regelmäßig die Modezeitschriften Vogue und als Pendant dazu die Burda. Während die Vogue Mode zeigt, die man nur bedingt tragen kann, beschäftigt sich die Burda mit der Konfektion für die Hausfrau. Diese beiden so gegensätzlichen Ansätze zusammenzubringen finde ich spannend.“

Handarbeiten statt Werken

Bereits mit neun Jahren entdeckte der Regensburger seine Affinität zur Mode als er seiner damaligen Nachbarin half Tischdecken zu besticken. „Auch in der Schule war ich immer mit den Mädchen in der Handarbeitsgruppe statt wie die anderen Jungen beim Werken.“ Mit 15 Jahren näht er bereits für das Laientheater Kostüme. Mit Anfang 20 entschließt er sich sein Talent zum Beruf zu machen. Innerhalb von sechs Jahren absolviert er die Ausbildung zum staatlich geprüften Modedesigner und Maßschneidermeister für Herren und Damen. Zunächst ist er als Klerikalschneider in der Paramentenwerkstatt in Regensburg tätig, bis er ein Stipendium der Oswald-Zitzelsberger-Stiftung erhält. „Das Stipendium hat mir die kreative Freiheit gegeben mich zu entwickeln und auszuprobieren. Nach den zwei Jahren war mir klar, dass ich nicht irgendwo im Akkord arbeiten möchte, sondern meine eigenen Sachen entwerfen und nähen will.“ Die logische Konsequenz für den Schneidermeister war der Schritt in die Selbstständigkeit. Im Sommer 2012 eröffnet er sein eigenes Atelier.

„Vor allem das erste halbe Jahr war sehr schwer, da habe ich eigentlich nur Abänderungen gemacht und selten eine Maßanfertigung.“ Ab Februar wendete sich dann das Blatt. „Mittlerweile habe ich feste Kunden, wie ein Brautmodengeschäft für welches ich Abänderungen mache oder auch ein Forschungsunternehmen mit dem ich Muskelstimulationsanzüge entwickele. Trotzdem ist es immer noch schwierig.“

Wenn Paul Georg Syrnicki seinen Alltag beschreibt hat das wenig mit der Glamour-Welt zu tun, die oft mit dem Beruf des Modedesigners in Verbindung gebracht wird. „Man muss viel leisten, um wenig zu ernten. Ich arbeite eigentlich sieben Tage die Woche. Neben dem normalen Tagesgeschäft, gebe ich am Sonntag noch Nähkurse.“

Trotz aller Anstrengungen käme für Syrnicki kein anderer Beruf in Frage. Mit viel Leidenschaft und Herzblut setzt er alles daran Kleidung mit Persönlichkeit zu kreieren. Sein nächstes großes Ziel, ein größerer Laden, in dem er auch anderen Modedesignern eine Plattform bieten möchte.

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