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„Wir sind Spezialist für Hosen“

Mehr als nur anziehend: Die Modemacher aus der Oberpfalz. Von Amerika bis Asien werden die Hosen von Hiltl aus Sulzbach-Rosenberg in 45 Länder verkauft.
Von Katja Bock, MZ

  • Die beiden Geschäftsführer Ingrid Scharf und Franz Josef Wolf vor den hochwertigen Stoffen aus Deutschland und Italien. Eine der Grundzutaten für die Hiltl-Hosen. Fotos: Gabi Schönberger
  • Nicht Massenproduktion, sondern die Qualität steht im Vordergrund.
  • Seit dem Tod von Fritz Hiltl führt Hedwig Hiltl das Lebenswerk fort.
  • Hiltl steht für klassisches Design und charakteristische Details.

regensburg. Bis unter die Decke stapeln sich die Röhren mit Stoffen in allen Variationen. Feinste Qualitäten aus Deutschland und Italien, die eine ganze Lagerhalle füllen. Die Grundlage für die Herrenhosen von Hiltl aus Sulzbach-Rosenberg. „Wie bei jedem gutem Essen kommt es auf die Zutaten an“, erklärt Franz Josef Wolf, der gemeinsam mit Ingrid Scharf Geschäftsführer des Hosen-Herstellers ist. Seit über 50 Jahren werden in Sulzbach-Rosenberg Hosen nach dem Prinzip „Wir wollen nicht die Größten sein, sondern die Besten“ gefertigt. Von Amerika bis Asien werden die Herrenhosen des Oberpfälzer Unternehmens in 45 Länder weltweit verkauft.

Klasse statt Masse

Nach der Maxime „Wir wollen nicht die Größten sein, sondern die Besten“ gründete Fritz Hiltl 1955 gemeinsam mit seiner Frau Hedwig die Hiltl Hosen-Fabrik in Sulzbach-Rosenberg. Mit nur sieben Schneidern, die anfangs ca. 20 Hosen täglich fertigten, beginnt er die Produktion. „Aufträge vom Staat für die neu gegründete Bundeswehr und später die Post legen den Grundstein für das Wachstum“, erklärt Scharf die Anfänge. 1958 zeigt der Schneidermeister seine erste Kollektion auf der Herrenmodewoche in Köln. Die Hiltl-Hosen etablieren sich kontinuierlich auf dem Markt. „Fritz Hiltl hat erkannt, dass er nur mit einem außergewöhnlichen Produkt Überlebenschancen hat. Er setzte von Anfang an auf Qualität statt Masse“, so Wolf.

„Die Qualität des Produkts stand immer an erster Stelle“, bekräftigt Scharf. Das Unternehmen wächst. So beschäftigt der Hosenspezialist 1980 370 Mitarbeiter, die täglich 2000 Hosen produzieren. Nach der Verlagerung der Produktion ins Ausland kümmern sich heute noch 120 Mitarbeiter am Standort in Sulzbach-Rosenberg um Design, Vertrieb, Qualitätskontrolle und kleinere Produktionen. Seit dem Tod ihres Mannes 1994 leitet Hedwig Hiltl als geschäftsführende Gesellschafterin den Betrieb und hütet die Prinzipien ihres Mannes.

Stielknopf bis Metallreißverschluss

Im Eingangsbereich erinnert ein großes Porträt an den Firmengründer. Der Geist von Fritz Hiltl ist auch heute noch überall spürbar. Nicht nur auf Bildern, sondern vor allem in den Hosen. „Die Modelle unserer Hosen basieren immer noch auf der Grundform, die Fritz Hiltl vor fast 60 Jahren entwickelt hat, aber natürlich dem entsprechenden Zeitgeist angepasst wurden“, erklärt Ingrid Scharf. Auch die charakteristischen Details wie der Reißverschluss aus Metall, der spezifische Knopf mit langem Garnstiel oder die Tascheneingriffe mit Halbmondriegel, um nur einige zu nennen, sind noch heute in jeder Hose zu finden. „Wir leisten uns den Luxus und nähen jeden Knopf auf Stiel an, dadurch lassen sich die Knöpfe leichter schließen“, bekräftigt Wolf, der bereits seit 16 Jahren im Unternehmen ist.

Von der Jeans bis zur klassischen Business-Hose spiegelt heute noch der aufwendige Herstellungsprozess den hohen Qualitätsanspruch wieder. So werden beispielsweise die Stoffe mehrmals gewaschen, um die Einlaufwerte zu ermitteln. Nur die Stoffe mit gleichen Werten werden beim Zuschnitt verwendet, so dass die Passformsicherheit auch bei gewaschenen Stoffen gewährleistet wird. Gefertigt werden die Hosen in Rumänien und Mazedonien. Nach der Produktion kommen die Hosen zurück nach Sulzbach-Rosenberg. „Jede Hose wird der Qualitätskontrolle in Sulzbach-Rosenberg unterzogen, bevor sie zum Kunden geht“, so Scharf. Zwischen 119 und 299 Euro muss man in eine Hiltl-Hose investieren. Über eine halbe Million Hosen gehen dabei pro Jahr in alle Welt.

Innovationen bei Materialien und Verarbeitung, sowie modernes Design ergänzen die traditionellen Elemente. So brachte der Hosenspezialist die erste nahezu bügelfreie Hose im Baumwollbereich auf den Markt. „Wir waren auch die Ersten, die die smartcelTM clima Faser verwendet haben. Das ist eine Faser auf Zellulosebasis, die temperaturausgleichend wirkt“, erklärt Wolf und stellt zwei Behälter, einen mit normaler Baumwolle und den anderen mit der smartcelTM clima Faser, auf den Tisch. Beim Griff in die Gläser wird deutlich was Wolf meint. So spürt man einen leichten, kühlen Hauch, wenn man in die smartcelTM clima Faser greift.

Neuester Coup ist eine Linie, die fast komplett „Made in Germany“ ist. Unter dem Namen Fritz Hiltl Project, kurz „F.H.P“, wird die Linie in traditioneller Herstellungsweise in Sulzbach-Rosenberg genäht. In der Preislage zwischen 200 und 240 Euro kommt die Linie 2014 in den Handel. Optisches Highlight der Kollektion bildet eine mit Camouflage-Muster bedruckte Hose. „Wir haben unsere eigene Handschrift. Wir wollen die sein, die kopiert werden“, so Wolf. Mit Qualität, Individualität und Kreativität werden sie gemeinhin von der Fachpresse als der „Mercedes unter den Herrenhosen“ bezeichnet. Das Erfolgsgeheimnis: „Wir machen das, was wir können. Herrenhosen.“

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