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Gedruckte Zeitungen nicht mehr modern

Doreen Leifheit über Zeitungs-Relevanz im Modegeschäft, Anspruch von Redaktionen und Bereitschaft, für Webinhalte zu zahlen

  • Doreen Leifheit, die Inhaberin der Most Wanted Models® Agency Bildnachweis: facebook.comMostWantedModels
  • Doreen Leifheit, die Inhaberin der Most Wanted Models® Agency Bildnachweis: facebook.comMostWantedModels

Regensburg.Wann haben Sie zuletzt eine Zeitung in den Händen gehalten?

Erst gestern, aber ich habe sie nicht gekauft, weil ich vor allem die Informationen im Wirtschafts- und Politikressort auf den ersten Blick alle schon online gelesen hatte.

Welchen Stellenwert haben Zeitungen für Sie – persönlich und im Beruf?

Privat einen hohen, weil ich gerne umfassend informiert bin und wissen möchte, was wo wie und wann passiert. Da sind mir auch gut recherchierte Inhalte und gut aufbereitete bewegte Bilder wichtig, daher bin ich entsprechend oft bei Webmagazinen und Zeitungsportalen unterwegs.

Als Leserin stelle ich jedoch fest, dass sich die Inhalte immer mehr gleichen. Wirklich peinlich wird es dann, wenn Zeitungen, die ich am Kiosk sehe, sogar im Aufmacher die alte Meldung vom Vortag aufkochen. Auf der anderen Seite tun mir die Redakteure auch irgendwie leid. Sie sollen sich immer etwas Neues einfallen lassen, sind aber immer langsamer als die Online-Kollegen. Die Nachricht an sich ist dadurch sowieso entwertet. Also liebe Redakteure, ich will gute Zusammenfassungen und mehr Hintergründe und bei Lokalzeitungen noch mehr lokalen Kolorit. Für meinen Beruf brauche ich Zeitungen eher gar nicht.

Was welche Gründe hat?

Zeitungsverlage haben den Bereich Mode – immerhin ein wesentlicher Bestandteil der Lebenswelten aller Bürger – mehr oder weniger den Magazinen überlassen. Eine Ausnahme mag die Fashion Week sein, die aber auch oft nur regional relevant ist. Neue Trends – so hat man den Eindruck – werden zugeliefert, gleich ganz aus dem Blatt verbannt oder dem Volontär überlassen. Das ist schon schade, weil man bislang den Eindruck gewinnt, dass Online-Artikel eine geringere Wertigkeit im Verlagshaus genießen. Das hat sich jedoch aus meiner Sicht bereits umgedreht. Ich weiß nicht mehr, wann ich eines meiner Models mit einer Zeitung gesehen habe. Und das sind junge Mädchen und Jungs, die zusammen mit YouTube-Stars, Schauspielern und Musikern oft den Lifestyle der Next Generation prägen.

Die Portale der Zeitungsverlage sind bei jungen Usern sehr beliebt, wie die Zugriffszahlen zeigen.

Mag sein, dass das statistisch so ist und junge Menschen einen ungehemmten Zugang zu Medien haben. Und keiner behauptet, junge Menschen interessieren sich nur für Entertainment und Fun. Allerdings ist es ihnen auch nur wichtig, schnell an gesicherte Information zu kommen. Eine Kundenbindung wird da unmöglich. Wer jetzt seine Jugendarbeit nicht ernst und professionell vorantreibt, wird es in Zukunft schwer haben.

Ändert sich Ihr Eindruck, wenn Sie international unterwegs sind?

Nein, im Gegenteil, wenn wir ausschließlich von Zeitungen sprechen. Und selbst eine „Financial Times“ ist nur dann interessant, wenn sie mein Geschäft und das meiner Kunden thematisiert. Also sehr selektiv.

Das ist im Modegeschäft ähnlich.

Warum spielt das Milliardengeschäft mit der Mode in der Zeitung so eine kleine Rolle?

Da fragen Sie mal lieber die Verleger und ihre Redakteure. Grundsätzlich gewinnt man völlig ungefiltert den Eindruck, dass – unter dem Vorzeichen von Vermarktungsfähigkeit – immer weniger über die Bedürfnisse der Leser nachgedacht wird. Ich kann mich noch erinnern, dass früher zumindest Modeketten mit Beilagen oder Anzeigen präsent waren. Selbst diese sehr kommerziellen Anbieter scheinen meiner Sicht immer seltener zu schalten. Und die Marketingabteilungen echter Markenmode sehen erst recht keinen Markenfit zur Leserschaft, obwohl Haushalte mit einem Zeitungsabo sicher auch Kaufkraft haben und nicht per se außerhalb der Zielgruppe sind. In der Konzentration der Etats und dem Fakt, dass ja oft europaweit geplant wird, spielen Zeitungen bis auf einige Specials kaum eine Rolle. Gedruckte Zeitungen sind daher buchstäblich aus der Mode gekommen.

Was erwarten Sie von einer, von Ihrer Zeitung, um dies zu ändern?

Als Leserin möchte ich eine gute Schreibe, viel Nutz- und Mehrwert, überraschende Inhalte, Hintergrundberichte und die Möglichkeit, durch die Strukturierung von Komplexität eine Basis für die Bildung einer eigenen Meinung zu bekommen. Dabei ist es mir als Konsument egal, dass vor allem Tageszeitungsjournalismus im Printbereich sicher nicht leicht ist. Auch die oft etwas magazinigeren Wochentitel bringen mich trotz einer optimierten Aufmachung kaum dazu, mehr als die Headlines zu überfliegen. Das gilt vor allem auch für die Überregionalen. Deren Feuilletons als Platz für Kultur und somit auch für Mode sind zunehmend unlesbar und egomanisch. Manchmal hat man den Eindruck, die Redakteure schreiben das für sich und haben den Leser vergessen.

Ich bin und bleibe aus Zeit- und Flexibilitätsgründen online. Ich möchte gerne ein Schaufenster, das mir das Wichtigste auf einen Blick zeigt und neue Impulse gibt. Beruflich bringt mir das alles für die Buchungen meiner Models und – ich wage die Behauptung – auch für meine Kunden wenig bis nichts.

Wie kann man Sie als junge Frau und als Geschäftsfrau wieder für ein Abonnement einer Zeitung gewinnen?

Ich will ehrlich sein: Wir hatten für eine Zeit eine Sonntagszeitung abonniert, die wir mangels Zeit und Relevanz der Inhalte zu oft ungelesen wieder weggeworfen haben. Da gibt es also weder privat noch beruflich eine echte Perspektive. Online sehe ich das anders und trenne das auch nicht – es ist dann ja auch Zeitung. Hier bin ich bereit, zu zahlen, wenn es einfach, gut und einzigartig aufbereitet wird. Von allen Auftritten gefällt mir welt.de an besten, hier zahle ich auch für ein Online-Abo.

Lieber als Flat oder On-Demand?

Wenn ich es gerne nutze, ist mir das fast egal. Da habe ich durchaus Verständnis, dass Verlage zunehmend Paywalls einführen. Derzeit lieber als Flat, da ist on demand zu umständlich. Es sollten eben nur möglichst alle machen und sich gleichzeitig ein Must-have-Standing aufbauen. Ganz schwierig wird es jedoch, wenn vor allem Regionalzeitungen Webseiten haben, die nicht responsive, also mobile-optimiert sind. Das ist keine Frage der Generationen, sondern der effektiven Nutzungsmöglichkeit. Insgesamt sehe ich jedoch für deutsche Zeitungsverlage online eine gute Chance, sich in Zukunft durchzusetzen, wenn deren Inhalte entsprechend medienspezifisch – also mit mehr Bewegtbild und aktuellen Features wie Liveblogs etc. – aufgesetzt werden.

Im Vergleich zu vielen Angeboten im Ausland ist der Online-Standard im Durchschnitt schon recht hoch. Obwohl der Wirtschaftsfaktor Digitalisierung sicher längst nicht ausreizt und seitens der Zeitungsmacher sicher noch längst nicht alles versucht worden ist.

Aber es werden schon noch Menschen als Models gebucht oder sehen wir in zehn Jahren nur noch Avatare, auch um die Magerdiskussion zu umgehen?

Bislang können wir uns zumindest nicht beschweren, der Faktor Mensch in der Werbung wird bis auf wenige Ausnahmen nie ersetzt werden können. Zumindest derzeit sind Second-Life-Trends ja eher kurzfristig erfolgreich. Die Digitalisierung unseres Lebens – man mag sie mögen oder nicht – bietet aus meiner Sicht mehr Vor- als Nachteile und führt als Gegentrend zur eher anonymen, barrierefreien, oft bedeutungslos temporären und daher kaum nachhaltigen Community-Bildung zu einer zunehmenden Bedeutung von realen Freundschaften, Werten und Familie.

Noch ein Wort zur Magerdiskussion. Ich habe da sicher einen beruflich geprägten Blick. Wer als Model gebucht werden will, muss entweder – und ich meine nicht extrem – dünn oder Big Size sein. Das mag für Aufreger sorgen, doch solange Konsumentinnen für eine Vision in den Magazinen zahlen und es natürlich nicht gesundheitsgefährdend ist, wird sich nichts ändern.

Wohin führt die Digitalisierung der Lebenswelten mit Blick auf die Mediennutzung?

Es ist nicht neu: Die Zauberworte sind Vertrauen, Zuverlässigkeit, Innovation, Vernetzung sowie Plug and Play. Durch die selektive und gezielte Nutzung wird es notwendig, Marken zu kreieren und sich ganz aktiv um kleine, definierte Zielgruppen bzw. Käufer zu bemühen, die durch ihre Empfehlung wiederum eine große Reichweite schaffen.

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