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Brauereien müssen kämpfen

Ein Jahr lang hatte die Nabburger Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser für die Ausstellung „Biermudadreieck“, die am 17. April eröffnet wird, recherchiert. Foto: Kurtz

Nabburg. Früher bestimmte neben dem Rathaus und der Kirche die Brauerei fast jedes Dorfbild. Doch aus dem GebäudeDreiklang von einst, ist in den meisten Ortschaften ein Zweiklang geworden. In vielen Braustätten ist das Feuer unter den Sudkesseln ausgegangen. Mit dem vielsagenden Titel „Biermudadreieck“ erinnert man im Nabburger Stadtmuseum an den Aufstieg und den Niedergang des Brauwesen in der Region.

Alleine Nabburg beherbergte nicht weniger als drei Braustätten. Nichts mehr erinnert heute mehr an diese Tradition. „Von dem Hussiten- und auch dem Bürgerbräu ist kaum mehr als die Örtlichkeit überliefert“, bedauert Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser. Mehr konnte sie bei ihren Ausstellungs-Recherchen über die, für ihren hellen Märzenbock bekannte Lichtenstern’sche Brauerei in Erfahrung bringen.

Gebäude abgerissen

In dem Betrieb, der im Umkreis von bis zu 80 Kilometern Gasthäuser mit dem süffigen Gerstensaft versorgte, gingen 1974 endgültig die Lichter aus. Und 1992 verschwand, nachdem die Abbruchbagger auch noch die letzten Gebäudeteile platt gemacht hatten, die Brauerei ganz von der Bildfläche.

Einen regelrechten Bierboom erlebte Mitte der 50er Jahre die Brauerei Bauer in Schwarzenfeld. Neue Lager- und Gärkeller wurden gebaut und eine vollautomatische Flaschenfüllerei installiert. 1976 konnte das 100-jährige Bestehen gefeiert werden. Nach 127 Jahren waren dann die Bauer endgültig keine Brauer mehr. 2003 wurden die Rechte an die Amberger Brauerei Bruckmüller verkauft.

Und auch für die Stadt Pfreimd endete im Sommer 1998 eine 444 Jahre lange Hopfen- und Malzgeschichte. Das 1554 gegründete Brauhaus konnte dem Konkurrenzdruck nicht mehr standhalten und musste dichtgemacht werden.

1960 wurden in Bayern 1655 Braustätten gezählt. „Heute sind es noch 622“, weiß Walter König, Pressesprecher des Bayerischen Brauerbunds. Ähnlich wie in anderen Branchen, haben im Brauereiwesen nicht gemachte Hausaufgaben wie die Regelung der Betriebs-Nachfolge, fehlendes Energiemanagement oder nicht getätigte Produkt-Innovationen zu den Schließungen geführt. Zudem habe ein zu breites Biersortiment der einen oder anderen Brauerei das Genick gebrochen, so der Pressesprecher.

Doch König hat eine Trendwende ausgemacht: „Besonders Erlebnisbrauereien können zulegen.“ Er empfiehlt gerade den mittelständischen Betrieben, das Exportgeschäft ins Auge zu fassen. Beispielsweise in Italien, aber auch in China und den USA würde bayerischer Gerstensaft besonders munden.

Die Naabecker Brauerei ist eine der wenigen mittelständischen Braustätten in der Region, die sich trotz eines knallharten Wettbewerbs nach wie vor erfolgreich behaupten kann. Denn Konzerne fluten regelrecht den Markt mit Gerstensaft.

Bier für die Region

„Was wir das ganze Jahr über brauen, produziert Heineken in gerade mal 20 Minuten“, so Nabbecker-Vertriebschef Peter Neidl. Gerstensaft ins Ausland zu verkaufen, das wäre für ihn keine Alternative. „Unser handwerklich hergestelltes unbehandeltes Bier würde die langen Transportwege nicht überstehen.“ Für ihn ist die Oberpfalz der wichtigste, weil einzige Absatzmarkt. „Wir setzen auf Qualität und unverwechselbarem Charakter unserer Biere. Und davon können und wollen wir unsere Kunden in der Region überzeugen“, so Neidl. Und die Naabecker können einiges in ihre Qualitäts-Waagschale werfen. Nur ausgewählte, geprüfte Rohstoffe aus der bayerischen Heimat etwa wandern in den Sudkessel. Der Gerstensaft wird weder pasteurisiert, noch druck- oder wärmebehandelt. „Unsere naturbelassenen Biere reifen vier bis sechs Wochen in der Flasche“, so der Vertriebschef.

„Wir glauben an unsere Marke und dafür müssen wir investieren“, erläutert Marcus Jacob, Chef der gleichnamigen Familienbrauerei. Die Bodenwöhrer haben mit ihrem Weizenbier, das erst unlängst zum sage und schreibe 19. Mal mit der DLG-Goldmedaille geadelt worden war, ein gefragtes Bier-Produkt am Start. „Wir müssen und das ist unsere Philosophie, diese Einmaligkeit unseres Weizenbieres immer wieder betonen“, so der Brauereichef. Und das gelingt. „Die Rückmeldungen, die wir erhalten, geben uns recht.“

(Titelfoto: Bayerischer Brauerbund)

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