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CSU-Invasion im Kreml: Stoiber und Huber bei Putin empfangen

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber sitzt auf der Dachterrasse seines Hotels in Moskau vor der Kulisse des Roten Platzes und des Kreml.

Eingeladen beim russischen Präsidenten Wladimir Putin war eigentlich nur Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber, doch am Ende gab es eine kleine CSU-Invasion im Kreml. Auch Wirtschaftsminister Erwin Huber und CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer durften Putin am Donnerstag im prächtigen grünen Katharinensaal die Hand schütteln. In der zweiten Reihe sitzend lauschten Huber, der Nachfolger Stoibers als CSU-Vorsitzender werden möchte, und Ramsauer den Worten der Chefs.

Putin wirkte noch etwas müde, war er doch erst wenige Stunden zuvor aus Guatemala-Stadt zurückgekehrt, wo er mit der Wahl des Schwarzmeerkurorts Sotschi für die Winterolympiade 2014 einen russischen Sieg errungen hatte. Stoiber gratulierte zum Olympia- Erfolg, Putin gratulierte Stoiber zum ausgeglichenen Haushalt Bayerns.

Stoiber auf Abschieds-Tour, Huber auf Business-Tour

Das Zentrum der Atommacht Russland wurde für kurze Zeit zu einem Schauplatz im monatelangen Geplänkel um den Abschied Stoibers von der Macht. Dass Ramsauer den Noch-CSU-Chef auf einer seiner letzten großen Auslandsreise begleiten würde, wurde erst kurz vor dem Abflug aus München bekannt. Huber war derweil getrennt nach Moskau geflogen, wo er mit rund 70 bayerischen Unternehmern Wirtschaftsgespräche führte. Während Ramsauer nicht von Stoibers Seite wich, war von Huber abseits der offiziellen Empfänge nicht viel zu sehen. In Zeiten der kleinen Gemeinheiten und Nadelstiche in der CSU vor Stoibers endgültigem Abschied haben Auftritte von CSU-Granden aber hohe Symbolkraft.

So saßen Stoiber und Ramsauer am Mittwochabend einträchtig beim Empfang nach dem Konzert der Bamberger Symphoniker mit Moskaus Oberbürgermeister Juri Luschkow im abgetrennten VIP-Bereich des Konzerthauses. Huber wuselte durch die Menge. „Ich bin da!“, sagte Huber, als noch unklar war, ob Putin neben Stoiber auch ihn und Ramsauer empfangen würde. Huber kam auch nicht mit aufs Gruppenfoto Stoiber-Ramsauer-Luschkow nach den Wirtschaftsgesprächen am Donnerstag.

Happy End: Huber und Ramsauer dürfen mit Stoiber zu Putin

Am Ende herrschte wieder Gerechtigkeit. Stoiber hatte sich dafür eingesetzt, dass sowohl Huber als auch Ramsauer am Treffen mit Putin teilnehmen konnten. Huber stellte er dabei als Wirtschaftsminister vor, der jedes Jahr mit einer Delegation nach Moskau reise. Ramsauer wurde von Stoiber als „wichtiger Player in der Bundesregierung“ eingeführt. Da senkten sich Hubers Mundwinkel nach unten.

Letztlich ging es bei dieser Abschiedsreise aber vor allem um Stoiber. Der gegen seinen Willen abtretende Landesfürst genoss sichtbar den Glanz der politischen Weltbühne. Mit Duzfreund Putin saß er allein am Tisch im Katharinensaal, umrahmt von den Statuen der russischen Zaren. Stoiber wollte nicht über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Bayern und Russland reden, sondern über die US-Raketenabwehr und strategische Partnerschaften.

„Ohne Russland kann man keine Probleme lösen“

Über Russland und seine Befindlichkeiten hatte Stoiber bereits auf der Dachterrasse des gerade eröffneten Sechs-Sterne-Hotel Ritz Carlton mit grandiosem Blick auf den Kreml räsoniert. „Ohne Russland kann man keine Probleme lösen“, lautet Stoibers Fazit. An Putins autoritärem Regierungsstil hat er nicht viel auszusetzen. Russland ist für Stoiber nicht mit westlichen Maßstäben der Demokratie zu messen. In seinen Ansichten offenbart sich eine gewisse Nähe zu Ex- Kanzler Gerhard Schröder (SPD), wobei Stoiber Putin aber nicht als „lupenreinen Demokraten“ bezeichnet.

Stoiber gefällt die Rolle als Außenpolitiker anscheinend sehr. Dass er in nicht einmal drei Monaten auf Druck seiner eigenen Partei von der großen politischen Bühne abtritt, ist für ihn in Moskau kein Thema. „Es ist so, wie es ist“, sagt er lapidar. Wobei er aber immer wieder betont, dass er ein politischer Mensch bleiben werde und seine vielfältigen Kontakte nutzen wolle. Eines aber werde er nicht zulassen, betonte Stoiber: die alleinige Sehnsucht der Partei nach Bayern. Den einst von Franz Josef Strauß erkämpften bundespolitischen Anspruch der CSU habe er aufrechterhalten, sagte Stoiber. Ein Zurück in die Provinzialität gibt es nicht - wohl auch nicht für Stoiber.

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