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Singspiel

Nockherberg-Crew bereit zum Derbleckn

Die CSU ist beim Starkbieranstich die Hauptzielscheibe – und zwar ganz selbstverschuldet, sagt die „Mama Bavaria“, die Kabarettistin Luise Kinseher.
Von Christine Schröpf, MZ

In Nockherberg-Stimmung: (v.l.) Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, Söder-Darsteller Zinner, Kabarettistin Luise Kinseher, Singspiel-Autor Thomas Lienenlüke, Regisseur Marcus H. Rosenmüller, Musiker Gerd Baumann und Ude-Darsteller Uli Bauer.

München.Noch knapp eine Woche bis zum Politikerderbleckn auf dem Nockherberg und Regisseur Marcus H. Rosenmüller steckt in der Zwickmühle: Soll er vorab wichtige Details verraten oder lieber bis zum letzten Moment die Spannung halten? Ein bisschen was rückt er am Mittwoch bei der Pressekonferenz im Salvatorkeller dann doch heraus: Sein Singspiel orientiert sich an einem Klassiker der Bühne: Goethes Faust. Das Stück wird „politisch aufgeladen“, verspricht er. Kein Wunder, zählen in der Nockherberg-Version doch „Horst Seehofer“ (Christoph Zrenner) samt seiner potenziellen Nachfolger „Markus Söder“ (Stephan Zinner) und „Ilse Aigner“ (Angela Ascher) zur Besetzung – nicht zu vergessen „Christian Ude“ (Uli Bauer) und „Florian Pronold“ (Stefan Murr).

Gibt Söder den Mephisto?

Mit dem knappen Hinweis auf die Faustvorlage löst Rosenmüller allerdings gleich die nächste Fragenkaskade der Journalisten aus. Wer spielt den Faust? Wer den Mephisto? Und wer das Gretchen? Nicht einmal die Frauenrolle ist eindeutig zu enträtseln, weil die komplette Besetzungsliste geheim bleibt. Nur so viel wird noch bekannt: Der Part des Freie-Wähler-Chefs Hubert Aiwanger – im vergangenen Jahr erstmals besetzt – ist wohl schon wieder gestrichen. „Spielt der in der Politik gerade noch eine Rolle?“, fragt Rosenmüller unschuldig.

Vielleicht wird Aiwanger ja vorab von Kabarettistin Luise Kinseher, der strengen „Mama Bavaria“, ins Gebet genommen. Sie ist beim Nockherberg 2014 wieder mit von der Partie. Ihre bevorzugte Zielscheibe ist die bayerische Regierungspartei. Bei der Pressekonferenz frotzelt sie über die „Folterpolitik der CSU“. Parteichef Horst Seehofer will sie derbleckn, aber auch CSU-General Andreas Scheuer speziell wegen seines tschechischen Doktortitels sowie den Miesbacher Landrat Jakob Kreidl wegen seiner gesponserten Geburtstagsfeier. „Da ist einiges passiert, was man verarbeiten kann.“ Wobei die CSU die Kabarettistin manchmal auch an Grenzen treibt. Derbleckn sei bei der CSU eigentlich unnötig. „Es reicht, sie zu zitieren.“

Auch Uli Hoeneß ist Thema

Seit 2011 schlüpft Kinseher auf dem Nockherberg in die Rolle der „Mama Bavaria“. Dieses Jahr tüftelt sie bis zum letzten Moment an ihrer Gardinenpredigt. Das Ergebnis der Kommunalwahlen soll mit einfließen, ebenso das Urteil im Prozess gegen den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. Wie sie den Steuerbetrug verarbeite, hänge von der Höhe des Strafmaßes ab. „Nachtreten wird wahrscheinlich keinen Sinn haben“, sagt sie.

Für Rosenmüller ist es das zweite Nockherberg-Gastspiel. Für den Filmregisseur und Drehbuchautor („Wer früher stirbt, ist länger tot“) ist es eine spezielle Herausforderung: Das Stück wird nur ein einziges Mal aufgeführt – also muss alles auf Anhieb auf den Punkt sitzen. Dieses Jahr sprang zudem wenige Tage vor den Proben der bisherige Seehofer-Darsteller Wolfgang Krebs ab, weil ihm das Skript nicht gefiel. Rosenmüller hat den Vorfall abgehakt. „Ich muss nicht über Probleme lamentieren, sondern Lösungen finden.“ Christoph Zrenner sei zum Glück eingesprungen.

Nicht nur auf der Bühne, auch im Publikum gibt es Veränderungen: Die FDP – 2013 aus Bundestag und Landtag ausgeschieden – steht nicht mehr auf der Gästeliste. Nur wer aktiv ein Amt bekleidet, ist beim Nockherberg dabei. Das trifft auch Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). „Ich habe manchmal das Gefühl, der Nockherberg hat eine Falltür“, wird das von Kinseher trocken kommentiert.

Einer im Publikum wird 2014 noch einmal ganz groß gefeiert: Christian Ude, der das letzte Mal als Münchner Oberbürgermeister ganz vorne Platz nehmen darf. Als Hommage an Ude hat Musiker Gerd Baumann einen speziellen Song komponiert. Rosenmüller gerät ins Schwärmen. „Ihm ist ein Lied geglückt, das einem das Wasser in die Augen treibt.“ Am Nockherberg geht’s eben nicht nur derb zu, sondern manchmal auch ganz schön sanft.

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