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Protest

140 Polizisten stoppen Flüchtlinge in Freising

Mt einem Großaufgebot hat die Polizei die durch Bayern ziehenden Flüchtling festgehalten. Die sprechen von Schikane und kritisieren das „brutale Vorgehen“.

Flüchtlinge marschieren während eines Protestmarsches, der in München enden soll, durch die Ortschaft Cadolzburg (Bayern). Die Asylbewerber demonstrieren mit ihrer Aktion gegen die Asylpolitik und fordern unter anderem das Ende der Residenzpflicht. Foto: Timm Schamberger/dpa

Freising. Die Polizei hat mit einem Großaufgebot die durch Bayern ziehenden Flüchtlinge für mehrere Stunden festgehalten. Fast 140 Polizeibeamte kontrollierten in Freising die Personalien von rund 25 Flüchtlingen und 15 Sympathisanten, um Verstöße gegen die Residenzpflicht festzustellen, wie ein Polizeisprecher am Sonntag auf epd-Anfrage sagte. „Eine solche Zahl an Polizisten ist bei Versammlungen nicht selten.“ Der Sprecher bestätigte, dass mehrere Flüchtlinge und Polizisten bei dem Einsatz verletzt wurden. Gegen einige Asylbewerber wurde außerdem ein Strafverfahren wegen Körperverletzung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt eingeleitet.

Die Flüchtlinge sprechen von Schikane und kritisieren das „brutale Vorgehen“ der Einsatzkräfte. Eine Flüchtlingssprecherin sagte auf epd-Anfrage, die Polizei habe die Asylbewerber am Sonntagmittag für die Kontrolle eingekesselt. Die Flüchtlinge hätten sich untereinander eingehakt, Polizisten hätten die Protestierenden daraufhin auseinandergezerrt. Es habe dabei mehrere Verletzte gegeben, einige hätten ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Der Polizeisprecher sagte dazu, die Asylbewerber hätten sich „unkooperativ“ verhalten und Widerstand geleistet.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Simone Tolle, die den Flüchtlingszug begleitet, zeigte sich gegenüber dem epd entsetzt. „Es handelt sich hier nur um eine Ordnungswidrigkeit, und die Flüchtlinge werden behandelt wie Mafiosi.“ Einen solchen Polizeieinsatz habe sie noch nicht erlebt. Die Asylbewerber ziehen seit 20. August auf zwei Routen durch Bayern, um für Lockerungen in der bayerischen Asylpolitik zu demonstrieren. Am Sonntagnachmittag konnten nach Flüchtlingsangaben fünf Asylbewerber und drei Unterstützer ihren Protestzug Richtung München fortsetzen.

Seit dem Start ihrer Protestmärsche werden die Asylbewerber immer wieder von der Polizei kontrolliert. Dabei überprüfen die Beamten, ob die Asylbewerber gegen die Residenzpflicht verstoßen, sich also ohne Erlaubnis außerhalb des ihnen zugewiesenen Regierungsbezirks aufhalten. Mehrere Demonstranten wurden deshalb in ihre Regierungsbezirke zurückgeschickt. Am Dienstag (3. September) wollen die Asylbewerber München erreichen, um dort weiter für ihre Rechte zu demonstrieren.

Der zweite Protestzug hat am Sonntag ohne Polizeikontrollen Dachau erreicht. Am Samstagvormittag hatten die Asylbewerber in Augsburg für mehr Rechte demonstriert. Dabei gab es laut Polizeiangaben keine besonderen Vorkommnisse. Die Flüchtlinge rechnen aber damit, dass auch ihnen noch eine Kontrolle wie in Freising bevorsteht. Die Polizei solle offenbar verhindern, dass die Asylbewerber nach München kommen, vermutet eine Sprecherin. Dort hatte im Juni ein mehrtägiger Trinkstreik der Asylbewerber für bundesweites Aufsehen gesorgt.

Am Dienstagabend ist in der Landeshauptstadt eine Auftaktkundgebung an der Münchner Freiheit um 18 Uhr geplant. Anschließend soll es Zwischenkundgebungen vor dem Innenministerium am Odeonsplatz, vor dem Justizpalast sowie am Rindermarkt geben. Die Abschlusskundgebung soll auf dem Marienplatz stattfinden. Mit ihren Aktionen wenden sich die Asylbewerber etwa gegen die Residenzpflicht, Essenspakete oder Arbeitsverbote. (epd)

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