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Nobelpreis

16-Jähriger könnten Nobel-Ehren winken

Kann eine 16-Jährige den Friedensnobelpreis bekommen? Kurz vor der Verkündung steht ein Mädchen im Zentrum der Spekulationen: Malala Yousafzai.
Von Julia Wäschenbach, dpa

Gleich mehrere Regierungen weltweit haben die berühmte junge Pakistanerin Malala Yousafzai für die diesjährige Auszeichnung nominiert. Foto: dpa

Oslo.Kann eine 16-Jährige den Friedensnobelpreis bekommen? Viele Politiker und Beobachter meinen, das geht. Gleich mehrere Regierungen weltweit haben die berühmte junge Pakistanerin Malala Yousafzai für die diesjährige Auszeichnung nominiert. Sie wäre die jüngste Preisträgerin in der Geschichte des Friedensnobelpreises. Bedroht von den radikal-islamischen Taliban kämpft das Mädchen seit Jahren in ihrer Heimat für das Recht auf Bildung. Selbst von einem Mordanschlag ließ sich Malala nicht entmutigen. Ihre Nominierung für den Nobelpreis ist aber umstritten.

„Ich halte es für bewundernswert, dass ein Mädchen in dem Alter und mit der Herkunft sich so engagiert, um für andere etwas zu bewirken“, sagt die Sprecherin für Menschenrechte der Bundestagsfraktion von CDU und CSU, Erika Steinbach. Sie hat die 16-Jährige für den Nobelpreis vorgeschlagen. „Sie wäre eine hervorragende Preisträgerin“, ist Steinbach sicher. „Weil sie mit großer Leidenschaft dafür kämpft, dass Mädchen und Frauen lesen und schreiben lernen.“

Im Mittelpunkt des Weltinteresses

Dass sie eine würdige Preisträgerin wäre, bezweifelt auch der Friedensforscher Tilman Brück vom Institut Sipri in Stockholm nicht. Er hält die Wahl des Mädchens aber ethisch für bedenklich. „Einem Kind einen Preis für Erwachsene zu verleihen – und auch direkt zu verleihen, fände ich befremdlich“, sagt Brück. „Vor allem, wenn man bedenkt, was damit für ein Medienzirkus verbunden ist.“

Ohne Zweifel stünde Malala nach der Bekanntgabe am 11. Oktober als Preisträgerin im Mittelpunkt des Weltinteresses – und wäre so auch ihren Gegner wieder präsenter. Vertreter der radikalislamischen Taliban hatten das Mädchen im Oktober 2012 mit einem Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Malala überlebte den Anschlag, wurde mehrfach operiert und lebt heute in England.

„Wenn man bedenkt, wie bekannt Malala bereits in manchen Teilen der Welt ist, glaube ich nicht, dass der Friedensnobelpreis einen riesigen Unterschied für ihre persönliche Sicherheit machen würde“, sagt der Direktor des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Kristian Berg Harpviken. „Sie ist jetzt schon so exponiert.“ Den internationalen Kinderfriedenspreis hat die 16-Jährige vor kurzem in Den Haag bekommen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlieh Malala vor wenigen Wochen ihre höchste Auszeichnung und ernannte sie zur „Botschafterin des Gewissens“.

Formal steht einer Vergabe an Malala nichts im Wege

„So sehr man einem Anliegen die Aufmerksamkeit wünscht, die mit dem Menschen verbunden ist, so schwierig ist es auf der persönlichen Ebene für einen so jungen Menschen, mit der Aufmerksamkeit umzugehen“, findet Brück. Die Bedenken, dass der Preis eine größere Bürde als Hilfe sein könnte, teilt Steinbach nicht: „Es wird sie noch mehr darin unterstützen, dass der Weg richtig ist.“

Formal steht einer Vergabe an Malala nichts im Wege. „Es gibt keine Altersgrenze“, sagt der Direktor des Osloer Nobelinstituts, Geir Lundestad. Aber es gibt andere Kandidaten, deren Wahl weniger knifflig erscheint – zum Beispiel den kongolesischen Arzt Denis Mukwege, der Ende September mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt wurde. Ihn hat etwa der norwegische Politiker Audun Lysbakken nominiert. Der Retter Tausender Vergewaltigungsopfer sei „ein unermüdlicher Aktivist für die Rechte von Frauen in seiner Heimat“, begründet Lysbakken seinen Vorschlag.

Der Arzt zählt schon länger auch zu Kristian Berg Harpvikens persönlichen Favoriten. Unter den bekannten Kandidaten in diesem Jahr ist auch Chelsea Manning (früher Bradley Manning). Dem einstigen US-Whistleblower räumt der Prio-Direktor aber wenig Chancen ein. „Es gibt keinen Zweifel, dass die Enthüllungen sehr zur internationalen Debatte über Überwachung beigetragen haben“, sagt Harpviken. Ethisch und moralisch reflektiere Manning aber zu wenig, was sie getan habe.

Dem Nobelkomitee, das in der jüngeren Vergangenheit für seine Vergabe des Preises an die EU (2012) und vor allem US-Präsident Barack Obama (2009) Kritik einstecken musste, steht also mal wieder keine leichte Entscheidung bevor. Angst haben die Juroren davor zwar nicht. Aber: „Der Nobelpreis ist immer prestigeträchtiger geworden, das macht es schwierig für das Komitee“, sagt Lundestad. Die Jury spüre die Verantwortung – „und die Zahl der Kandidaten steigt fast jedes Jahr“.

2013 gab es einen neuen Rekord: Mit 259 Nominierungen reichten etwa Regierungen, Wissenschaftler und frühere Preisträger so viele Vorschläge ein wie nie zuvor.

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