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Studentenquartiere

70.000 bezahlbare Wohnungen fehlen

Alarmierende Zahlen beim Runden Tisch „Wohnraum für Studierende“: Minister Ramsauer macht aber klar: Mit einer raschen Besserung der Lage ist nicht zu rechnen.
Von Reinhard Zweigler, MZ

Peter Ramsauer (CSU) will das Problem der Wohnungsnot von Studierenden angehen. Foto: dpa

Berlin.Wenn zum Wintersemester rund 450.000 Studienanfänger an die Hochschulen stürmen, wird die Situation auf dem Wohnungsmarkt noch prekärer, warnte gestern Katharina Mahrt vom freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs). Dann würden kurzfristige Lösungen gebraucht, damit nicht wieder Tausende Studenten in Notunterkünften kampieren oder täglich sehr lange Fahrten zu den Unis auf sich nehmen müssten.

Beim gestrigen zweiten Runden Tisch „Wohnraum für Studierende“, zu dem Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) viele Akteure eingeladen hatte, wurden alarmierende Zahlen genannt: In den Universitätsstädten werden etwa 70.000 zusätzliche Wohnungen für Studierende gebraucht. Das Deutsche Studentenwerk nannte die Zahl von zusätzlich 25.000 Wohnheimplätzen, die dringend benötigt würden. Besonders knapp seien bezahlbare Studentenquartiere etwa in Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, München, Jena, Regensburg oder Würzburg, meinte Katharina Mahrt.

München könnte Vorbild sein

Bauminister Ramsauer setzt zur Besserung der Situation auf Dialog mit Immobilienwirtschaft, Studentenorganisationen, Ländern und Kommunen sowie auf einen langen Atem. Von Schlagzeilen wie „Ramsauer steckt Studenten in Kasernen oder Schiffe“ hält der CSU-Politiker dagegen gar nichts. So etwas habe er nie gesagt. Gleichwohl lässt der Minister das Forschungsinstitut „empirica“ untersuchen, inwiefern und wo „Nichtwohnungen“ des Bundes in studentische Quartiere umgewandelt werden können. Bereits praktizierte Projekte gebe es in München, wo die ehemalige Stettenkaserne umgewandelt werde, in Heidelberg oder in Münster, wo ehemalige Reihenhäuser der britischen Streitkräfte für Studenten umgebaut würden.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) stehe im engen Kontakt mit dem Studentenwerk, um bundeseigene Immobilien zu einem vernünftigen Preis zu erschließen. Der Generalsekretär des Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde, schätzt den Investitionsbedarf auf 660 Millionen Euro. Das sei etwa so viel, wie derzeit im Wehretat für die Aufklärungsdrohne versenkt werde, sagte er.

Zurzeit gibt es rund 2,5 Millionen Studierende in Deutschland, ihre Zahl ist seit 2003 um zehn Prozent angestiegen. Rund 65 Prozent der Studenten wohnen zu marktüblichen Mieten am freien Wohnungsmarkt. Seit der Föderalismusreform 2006 sind die Länder für die Förderung von Wohnraum für Studierende zuständig. Der Bund überweist im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung seit 2007 jedes Jahr 518 Millionen Euro. Ramsauer, der mit den Ländern über eine Fortführung verhandelt, besteht darauf, dass diese Gelder auch zweckbestimmt eingesetzt werden. Allerdings hielten sich nicht alle Länder daran.

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Die schwierigen Wohnsituation von Studierenden beschäftigt an diesem Freitag einen Runden Tisch im Bundesbauministerium in Berlin. Ressortchef Peter Ramsauer stellte kurz vor dem Treffen mit Vertretern von Behörden, Studenten und Wohnungsanbietern Lösungen in Aussicht. Das Thema werde „endlich auf allen Ebenen angepackt“, sagte der CSU-Politiker der „Saarbrücker Zeitung“ (Freitag). Er werde ein Positionspapier vorlegen, in dem es auch um Handlungsanleitungen gehe.

Ungenutzten Wohnraum aktivieren

„Wir wollen ungenutzten Wohnraum für Studierende aktivieren, freie Büros und militärische Liegenschaften zu Studentenunterkünften umwandeln und zusätzliche Investitionen der Wirtschaft ankurbeln“, sagte Ramsauer. Dabei setze man auf Anreize, „etwa auf die Wiedereinführung der steuerlichen Abschreibung“. Wichtig sei auch, dass die Kommunen Bauflächen ausweisen und Investoren mit offenen Armen empfangen würden.

Der Runde Tisch war erstmals im November 2012 zusammengekommen. Nach Einschätzung des Deutschen Studentenwerks hat sich die Wohnungsnot unter Studenten seit Anfang des Jahres nicht gebessert. „Von den Notunterkünften in Turnhallen werden wir so schnell nicht wegkommen“, sagte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde. Den größten Bedarf an Wohnraum gebe es nach wie vor in den Großstädten München, Frankfurt, Hamburg, Köln und Berlin.

„Investoren denken an den Erlös“

Das Studentenwerk fordere seit Jahren die Neuauflage eines Bund-Länder-Zuschussprogramms zum Bau von 25.000 preisgünstigen Wohnheimplätzen – bislang jedoch ohne Erfolg. „Wenn es nur um Erleichterungen für Investoren geht, sind wir skeptisch. Studenten brauchen preisgünstigen Wohnraum, Investoren denken eher an den Erlös“, sagte Meyer auf der Heyde.

Ramsauer sagte zur Forderung nach mehr Fördermitteln, der Bund unterstütze die Länder bereits bei der Wohnraumförderung. Seit 2007 habe man insgesamt 3,6 Milliarden Euro investiert. „Mit diesen Hilfen lässt sich Beachtliches schaffen – auch für die Studenten.“ (dpa)

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