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Al-Khatib: Die Gerüchteküche brodelt

Ist der geschasste Personalchef Opfer einer politischen Intrige oder hat er seine Versetzung selbst zu verantworten? Die Meinungen gehen auseinander.
Von Louisa Knobloch, MZ

Seit einer Woche ist Mahmoud Al-Khatib nicht mehr Personalchef der Regensburger Universität – seither brodelt die Gerüchteküche. Foto: Frank Leonhardt/dpa

Regensburg. Auf dem Facebook-Profil von Mahmoud Al-Khatib steht unter Arbeit noch immer „Personalleiter (Head of HR) bei Universität Regensburg“. Auf der Homepage der Universität heißt es auf der Unterseite der Abteilung III – Personalangelegenheiten dagegen „Abteilungsleitung N.N.“. Eine Woche ist es nun her, dass die Universität ihren Personalchef kurzfristig auf einen anderen Posten innerhalb der Verwaltung versetzte. Künftig soll der Jurist wohl in der Technischen Zentrale Dienst tun. Offizielle Angaben zu dieser Personalentscheidung gibt es immer noch nicht – dafür brodelt die Gerüchteküche umso mehr.

Spekulation über politische Motive

Al-Khatib, der gestern seinen 39. Geburtstag feierte, teilte auf MZ-Anfrage mit, dass er sich zu internen Vorgängen der Universität weder äußern wolle noch dürfe. An der Universität selbst schweigt man ebenfalls und verweist darauf, dass es sich um eine Personalangelegenheit handle. Und auch vom Wissenschaftsministerium gibt es keinen Kommentar: „Wir können uns grundsätzlich nicht zu Personalfragen der Hochschulen äußern“, sagte ein Sprecher. „Das sind Entscheidungen, die die jeweiligen Hochschulen selbstständig treffen.“

Unterstützer Al-Khatibs vermuten einen politischen Hintergrund: Das SPD-Mitglied war vergangenen Oktober als Integrationsexperte in das Wahlkampfteam von Spitzenkandidat Christian Ude berufen worden und sollte bei der Landtagswahl als Gegenkandidat von Ministerpräsident Horst Seehofer im Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen antreten. Wegen der Risikoschwangerschaft seiner Frau hatte sich Al-Khatib im März aber aus der aktiven Politik verabschiedet.

Auf Facebook hatte er sich allerdings weiterhin politisch geäußert und die Staatsregierung teils scharf kritisiert. Am 30. Juni etwa schrieb er: „Die restriktive Asylpolitik der Bayerischen Staatsregierung ist ohne Zweifel menschenverachtend.“ Mit seiner auf die Versetzung folgenden Ankündigung, sich auf Facebook bis auf Weiteres nicht mehr politisch zu äußern, heizte Al-Khatib die Gerüchte um einen politischen Hintergrund selbst an. Die Juso-Hochschulgruppe forderte inzwischen in zwei Mitteilungen Aufklärung. „Dieser Personalfall schadet der Universität sehr“, heißt es darin.

Unter den Mitarbeitern der Universität gibt es Unterstützer und Gegner von Al-Khatib. Die einen bezeichnen seine Versetzung als „Sauerei“ und klagen, einer der fähigsten Beamten werde kaltgestellt, weil er das falsche Parteibuch habe. Sogar von einer „Willkürherrschaft“ des Kanzlers Dr. Christian Blomeyer ist die Rede. Dieser hat die Aufgabe des Personalchefs derzeit kommissarisch übernommen.

Spielt Beamtenrecht eine Rolle?

Die anderen sehen die Gründe für die Versetzung bei Al-Khatib selbst. „Er hat soziale Kompetenz auf jeder Ebene vermissen lassen“, ist aus uni-internen Kreisen zu erfahren. Es habe Beschwerden von Mitarbeitern gegeben, einige hätten sogar kündigen wollen, um nicht weiter mit ihm zusammenarbeiten zu müssen. Eine Rolle könnte ein weiterer Vorwurf spielen: Al-Khatib soll wiederholt während der Arbeitszeit seine Ansichten zur Asylpolitik auf Facebook gepostet haben. Dem Beamtenrecht zufolge müssen Staatsdiener bei einer privaten parteipolitischen Tätigkeit „Mäßigung und Zurückhaltung wahren“ und dürfen dafür auch keine dienstlichen Räume, Telefone und Telekommunikationsgeräte verwenden oder Dienstzeit dafür aufwenden.

Solange es keine offizielle Stellungnahme gibt, ist ein Ende der Spekulationen jedoch nicht in Sicht.

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