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Statistik

Autorin prophezeit 60 Jahre Arbeitszeit

Margaret Heckel glaubt, wir müssen wegen des demografischen Wandels länger arbeiten. Dazu muss sich aber das Arbeitsleben erheblich verändern.
von Martin Anton, MZ

Margaret Heckel hat bereits zwei Bücher zum Altern geschrieben. Foto: Lex

Regensburg.Die Zahlen kommen schnell, dicht aneinandergereiht, absolut und in Prozenten und machen Angst. Eine Million Hundertjährige in China, soundsoviel Prozent Ü-50er in den Betrieben, mehr als 100 000 fehlende Fachkräfte in der Region. Die Statistiken kommen von Johann Götz, Geschäftsführer Operativ der Arbeitsagentur für Arbeit Regensburg, Winfried Mellar, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Regensburg für die Oberpfalz und Kelheim, sowie von Margaret Heckel.

Heckel, ehemalige Politikredakteurin bei der Financial Times Deutschland, der Welt und der Berliner Morgenpost, ist derzeit auf Promo-Tour und stellte am Mittwochabend vor etwa 30 Interessierten in der IHK ihr zweites Buch zum Thema Demografie und Alter vor: „Aus Erfahrung gut“. Darin, so erzählt Heckel im Pressegespräch vor der Präsentation, geht es darum, wie Deutschland eine immer älter werdende Gesellschaft finanzieren kann, wie in Zukunft gearbeitet wird. „Im Arbeitsleben muss sich viel ändern“, ist sich die 1966 geborene Volkswirtin sicher.

Daher ist sie „durchs Land gefahren“ und hat geschaut, „was man machen kann“. Anhand von Positivbeispielen zeigt Heckel, wie die neue Arbeitswelt aussehen könnte. Dabei geht es sowohl um eine altersgerechte Anpassung des Arbeitsplatzes als auch um die Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Es müsse normal sein, findet Heckel, dass Beschäftigte sich Auszeiten nehmen, zwischen Voll- und Teilzeit wechseln und sich jederzeit weiterbilden könnten. Sie beschreibt die Erfahrungen der Betriebe, die ihren Mitarbeitern Teilzeitregelungen garantieren: „Da ist nicht das Chaos ausgebrochen“, versichert Heckel, „es ist alles machbar, auch in der Schichtarbeit“.

Gegenseitige Wertschätzung

Die Firmen, die sie besucht hätte, die Vorreiter bei neuen Arbeitsmodellen sind, erzählt Heckel, seien fast immer an der Spitze ihrer Branche. Auch sei ihr ein anderer Umgang in solchen Betrieben aufgefallen, eine gegenseitige Wertschätzung. Das zeige, so Heckel, dass es sich finanzielle lohne, wenn die Mitarbeiter sich im Unternehmen wohlfühlen.

All diese Veränderungen haben in Heckels Theorie ein Ziel, beziehungsweise sind notwendige Mittel, um eine Notwendigkeit der Zukunft erträglich zu machen: 60 Jahre Arbeitszeit. Die seien unvermeindlich, ist sich Heckel sicher, um dem demografischen Wandel beizukommen.

Der ist freilich umstritten. Die Zahlen und Horrorszenarien, die die meisten Statistiken heraufbeschwören werden von Wissenschaftlern wie Statistikprofessor Gerd Bosbach angezweifelt. Momentan wächst die deutsche Bevölkerung dank starken Zuzugs. Eine Studie zweier britischer Wissenschaftler besagt, dass die Automatisierung in wenigen Jahrzehnten ohnehin einen großen Teil der Arbeitsplätze ersetzt – auch im Dienstleistungssektor.

Es geht um Lösungen

Doch am Mittwochabend geht es nicht um Zweifel, sondern um Lösungen. Die braucht es auch nach Meinung von Agentur-Geschäftsführer Götz dringend. Schließlich herrscht in seinem Agenturbezirk Vollbeschäftigung, im produzierenden Gewerbe bereits Fachkräftemangel.

Und so freut sich Heckel, gerade in Regensburg reden zu dürfen. Hier kneife es schon etwas mehr als anderswo in Deutschland. Und erst wenn es wehtut, weiß auch IHK-Geschäftsführer Mellar aus Erfahrung, reagieren die Unternehmen. Man müsse jetzt handeln, sagt Heckel. Etwa zehn Jahre brauche es, bis das Arbeitsleben in einem Betrieb verändert ist, das Klima verändert. „Sie können vorausgehen“, ermuntert Heckel die Oberpfälzer Unternehmer.

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