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Trauer

Bleibende Erinnerung an das Sternenkind

Eine Fotografen-Initiative schenkt Eltern bleibende Erinnerungen an den Abschied. In der Oberpfalz engagieren sich drei Fotografen ehrenamtlich.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Ein Foto der Zwillinge Liam und Luis kurz nach ihrer Geburt. Kurze Zeit später starb Liam.Foto: Kai Gebel

Regensburg/Bruck.Es ist der Geburtstag und der Todestag von Liam. Der kleine Junge starb, kaum dass er auf der Welt angekommen war. Seine Eltern Nora und Dan wussten, dass ihnen nur wenige gemeinsame Stunden bleiben würden, doch sie wollten eine Erinnerung – für sich und für Liams Zwillingsbruder Luis. „Aber wer sollte diese Bilder machen? Eine so intime Situation und die wohl schwierigsten und gleichzeitig schönsten Stunden unseres Lebens?“, fragten sich die Eltern aus Frankfurt. Sie hatten Glück und fanden in Kai Gebel einen Fotografen, der die kostbaren Momente in berührenden Bildern festhielt. Für Nora und Dan eine so wichtige Erinnerung, dass sie ein Jahr später mit „dein-sternenkind.de“ eine Fotografen-Initiative für Sternenkinder ins Leben gerufen haben. In drei Monaten haben sich bereits über 100 Fotografen in Deutschland registriert, darunter auch drei in der Oberpfalz.

Über 2000 Kinder kommen jedes Jahr in Deutschland tot auf die Welt. Zehn bis 20 Sternenkinder werden etwa in der Klinik St. Hedwig Regensburg geboren, im Krankenhaus St. Elisabeth in Schwandorf ein bis zwei im Jahr. Carolin Erhardt-Seidl aus Bruck (Lkr. Schwandorf), die selbst zwei Kinder in der Schwangerschaft verloren hat, engagiert sich seit Jahren für Familien, die ein behindertes Kind erwarten oder ein Sternenkind zu Grabe tragen müssen. Auch sie hat sich bereits bei der Initiative „Dein Sternenkind“ sowie beim Verein „Tapfere Knirpse“ – der Fotografen an Familien mit schwer kranken Kindern vermittelt – listen lassen. Beide Initiativen sind für die Eltern absolut kostenlos, betont Erhardt-Seidl. „Wir wollen den Familien ein Geschenk machen. Alle Kosten trägt der Fotograf.“

Wie wichtig Erinnerungen an das Sternenkind sind, weiß Erhardt-Seidl aus eigener Erfahrung. Sie hat nur wenige Bilder ihrer Tochter Emily, die in der 22. Schwangerschaftswoche tot geboren wurde. „Darüber habe ich mich später sehr geärgert.“ Doch die Mutter zweier Kinder weiß auch, dass man in so einem emotionalen Moment mit seinen Gedanken ganz beim Kind ist und an Fotos oder Fußabdrücke gar nicht denkt. Deshalb hofft Erhardt-Seidl, dass die Geburtskliniken in der Oberpfalz die Eltern auf die neue Initiative hinweisen. Eltern, die ein Sternenkind erwarten, könnten sich auch bereits vor der Geburt mit einem Fotografen in Verbindung setzen. In der Oberpfalz stehen neben Carolin Erhardt-Seidl aus Bruck die Fotografinnen Katrin Biendl aus Cham und Barbara Anna Scheck-Träger aus Waldmünchen für Fotos von Sternenkindern zur Verfügung. Kontaktaufnahme ist über die Internetseite www.dein-sternenkind.de möglich. Hat ein Fotograf keine Zeit, versucht er Ersatz zu organisieren. Erhardt-Seidl würde sich auch wünschen, dass sich noch weitere Fotografen bei der Initiative eintragen lassen, „insbesondere im Raum Regensburg würden wir uns über weitere ehrenamtliche Unterstützung freuen“.

Für die Teilnahme sei keine Ausbildung zum Fotografen notwendig. „Wir erwarten keinen Gesellenbrief.“ Die Unterstützer sollten aber über solide Kenntnisse der Fotografie und Bildbearbeitung verfügen. Wichtig sei auch ein gutes Einfühlungsvermögen. „Wir möchten den Eltern ästhetisch ansprechende Bilder schenken.“ Bilder, die auch gerne im Familienkreis vorgezeigt werden, um die Erinnerung an das Sternenkind wach zu halten.

Nora und Dan bezeichnen die Bilder als „unbezahlbar“. „Sie zeigen Liam wie er lebt und wie sehr wie ihn lieben. So müssen wir keine Angst haben, dass unsere Erinnerungen irgendwann verblassen.“

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