MyMz

Ukraine

Chaos in der „Volksrepublik Donezk“

Unter den Separatisten in der Ostukraine herrsche Streit, heißt es. Sie selbst weisen das zurück, doch bietet sich dort ein zuweilen chaotisches Bild.
Von Nikolaus von Twickel, dpa

Das Verwaltungsgebäude von Donezk ist die Zentrale der „Volksrepublik“. Foto: dpa

Donezk.In dem besetzten elfstöckigen Verwaltungsgebäude, das als Zentrale der fiktiven „Volksrepublik Donezk“ dient, stinkt es nach Müll. Schwitzende Unterstützer schleppen sich die Wendeltreppe hinauf - die Aufzüge sind „aus Sicherheitsgründen“ außer Betrieb. Die Aktivisten haben hier Pflastersteine, Molotow-Cocktails und angeblich auch Waffen gelagert, um sich gegen die „faschistische Junta“ zu schützen, wie sie die ukrainische Regierung in Kiew nennen.

Sechs Wochen nach Ausrufung der „Unabhängigkeit“ macht die „souveräne Republik“ hier vor allem einen schlampigen und zuweilen chaotischen Eindruck. Ihre tatsächliche Macht ist dagegen nur schwer einzuschätzen.

Es gibt Abstimmungsprobleme

Im Presseraum im siebten Stock, der einen Panoramablick auf das Stadtzentrum bietet, sitzen drei Aktivisten am Computer und bringen die Internet-Einträge sozialer Netzwerke auf den neuesten Stand. Eine Frau mittleren Alters spricht wütend ins Telefon. „Jeder wird für irgendwelche Posten ernannt und niemand weiß, warum“, schreit sie und hängt auf.

Nach russischen und ukrainischen Medienberichten sind in der „Volksrepublik Donezk“ interne Machtkämpfe entbrannt, nachdem vergangene Woche der Außenseiter Alexander Borodaj, ein politischer Berater aus Moskau, zum „Regierungschef“ bestimmt worden war. Dazu passt, dass der „Volksbürgermeister“ des umkämpften Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, den Anführern in Donezk vor wenigen Tagen vorgeworfen hatte, eine Vereinbarung ignoriert zu haben. Diese hätte seine rund 100 Kilometer entfernte Stadt zum Machtzentrum der Republik gemacht. Zudem hätten die Aktivisten in Donezk ohne sein Wissen eine Regierung und staatliche Institutionen gebildet.

Die entnervte Frau am Telefon im Pressezentrum will dazu nichts sagen - und verweist auf Miroslaw Rudenko, den Anführer der moskautreuen „Selbstverteidigungskräfte“ im Gebiet Donezk. Dieser bestreitet am Telefon, dass es in der Republik ernsthafte innere Konflikte gäbe. Er räumt aber ein, dass es an erfahrenen Kämpfern mangele. „Es geht darum, verantwortungsvolle Freiwillige für die Front zu bekommen und nicht einfach Leute, die eine Kalaschnikow in der Hand halten wollen.“

Angst vor der Gesetzlosigkeit

Während weiter nördlich die Kämpfe zwischen Separatisten und Regierungstruppen weitergehen, geben sich die Aktivisten in Donezk zunehmend wie Warlords. So war Separatistenführer Denis Puschilin zu sehen, wie er, beschützt von vier Milizionären mit Kalaschnikows, in einen schwarzen Wagen der gehobenen Klasse stieg. In einem grünen Van ohne Nummernschilder folgten ihm seine Leibwächter dann.

„Ursprünglich gefiel mir die Idee einer Donezker Volksrepublik. Aber nicht mit diesen Aufständischen“, sagt ein älterer Herr, der nahe der Machtzentrale seinen Hund ausführt. Die internen Kämpfe, fürchtet er, könnten die einst wohlhabende Metropole in der Gesetzlosigkeit versinken lassen.

Umfrage

Wie beurteilen Sie die Vorgänge in der Ukraine?

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht