MyMz

Nachruf

Der Freund der Künste ist tot

Wieland Schmied wollte aus einem kleinen Kreis von Kennern und Liebhabern der Kunst einen großen machen. Im Alter von 85 Jahren er jetzt gestorben.
Von Harald Raab ,MZ

Wieland Schmied starb am Dienstag im Alter von 85 Jahren.Foto: MZ-Archiv

Regensburg. Er war ein begnadeter Vermittler der bildenden Kunst, aber auch der Literatur: Wieland Schmied. Er hat Kunst und Künstler einem breiten Publikum nahegebracht, hat große epochemachende Ausstellungen kuratiert. Am Dienstag ist der 85-Jährige im Kreis seiner Familie auf seinem Bauernhof in Vorchdorf (Oberösterreich) gestorben.

Eine randvolle Lebensspanne in schwierigen und ereignisvollen Zeiten ist zu Ende gegangen. Mit Würde und Energie hat er sie gestaltet, gleich seinem Nachbarn und Freund Thomas Bernhard. Ihm hat Schmied mit seiner Frau Erika in einem Bildband ein sehr persönliches Memento gewidmet.

Wieland Schmied hat nicht für die eigene Zunft der Kunsthistoriker geschrieben, hat nie diese abgehobene Fachsprache perpetuiert, mit der man sich gegenseitig beweisen will, auf welch lichten Höhen des Geistes man wandelt. Sein Anliegen war es, aus einem kleinen Kreis von Kennern und Liebhabern der Kunst einen großen zu machen. Kunst für alle als Schule der Kultivierung. Man lese nur sein Werk über den Freund Friedrich Stowasser, den die Welt als den großen, geheimnisvollen Kunst-Magier Hundertwasser kennt. Schmied schrieb nie distanziert, immer mit eigener Empathie. Kunst geht alle etwas an, wenn aus Zivilisation Kultur werden soll. Über 100 Bücher geben Zeugnis von seinem breit angelegten Schaffen.

Kultur als Lebensprinzip. Wieland Schmied hat es von Kindheit an erfahren. Sein Vater war der österreichische Philosoph Walter Schmied-Kowarzik. Seine Mutter, Gertrud von den Brincken, ist als Dichterin eine der wichtigen deutschen Stimmen der Poesie des Baltikums. Sie hatte von 1949 bis zu ihrem Tod 1982 in Regensburg ihre zweite Heimat. Schmied machte hier immer wieder auf seinen vielen Reisen Station. Seine Schwester Ilse Sack lebt heute noch in der Donaustadt.

Wieland Schmied, 1929 in Frankfurt/M. geboren, studierte in Wien Jura und Kunstgeschichte, lektorierte beim Insel-Verlag und rezensierte für die FAZ. Die Liste der beruflichen Stationen ist lang: Er war Direktor der Kestner-Gesellschaft in Hannover und des DAAD in Berlin. Er gestaltete die Documenta 6 in Kassel mit. Er bekleidete das Amt des Rektors der Münchner Kunstakademie und war Präsident der Bayerischen Akademie der schönen Künste. Und er hat die Salzburger Sommerakademie wiederbelebt.

Schmied hat den Deutschen den Surrealismus nahegebracht und dem Phantastischen Realismus der Wiener Spielart zum Durchbruch verholfen. Er stritt für neue Tendenzen in Kunst und Literatur und focht für schwierige Charaktere wie Ezra Pound, Samuel Beckett, Wolf Vostell, Hermann Nitsch oder Giorgio de Chirico.

„Lust am Widerspruch“ ist der Titel seines biographischen Blick zurück auf ein erfülltes Leben. Der Kunst, der Literatur, den Menschen wird einer wie Wieland Schmied fehlen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht