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Porträt

Der Mensch im Künstler wird sichtbar

Die junge Regensburgerin Pianistin Anastasia Zorina startet gerade voll durch. Und dabei sucht sie den intensiven Kontakt zu ihrem Publikum.
Von Juan Martin Koch, MZ

Anastasia Zorina Foto: Bernhard Koch

Regensburg.Mitte Februar: Mit Musik aus Nord- und Südamerika verwandelt das Orchester am Singrün das Audimax in ein Tollhaus. Im Auge des Orkans: Anastasia Zorina am Flügel. Den zwischen romantischem Überschwang und frühem Pianoswing changierenden Tonfall des Soloparts in George Gerswhins „Rhapsody in Blue“ trifft sie genau. Mit feinem Gefühl für die mal abrupt wechselnden, dann wieder ineinander verschwimmenden Stilsphären löst sie als quasi improvisierende Solistin die Orchesterepisoden aus, in denen die „Roaring Twenties“, die tosenden 1920er-Jahre, vorbeirauschen.

Es ist ein Heimspiel für die 1989 im russischen Jekaterinburg geborene Anastasia Zorina, die im Alter von 13 Jahren nach Regensburg kam und eine von zahlreichen Preisen begleitete Pianistenlaufbahn eingeschlagen hat. Ein weiteres ist ihr Klavierabend im Pianohaus Metz, das bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Das anspruchsvolle Programm von Bach über Mozart und Beethoven bis zu Albéniz, Bartók und Ligeti hat sie für den Deutschen Musikwettbewerb in Bonn vorbereitet, bei dem sie in dieser Woche antritt.

Wie vermittelt man seine Musik?

Damit nicht genug: Erstmals wagt sie auch ein Gesprächskonzert. „Wie vermittelt man eigentlich seine Musik an das Publikum?“ Diese Frage, erzählt die Pianistin nach ihrem beeindruckenden Auftritt, beschäftige sie schon lange. Bei Konzerten anderer Musiker hat sie diese zusätzliche Kommunikationsebene als sehr bereichernd empfunden und will dies nun auch für sich ausprobieren: „Ich will etwas von mir und meinem Wissen über die Stücke preisgeben, auch der Mensch im Künstler soll sichtbar werden.“

Mit dem allzumenschlichen Künstlerproblem Lampenfieber hat sie sich in ihrem instrumentalpädagogischen Studium intensiv auseinandergesetzt und ihre Abschlussarbeit darüber geschrieben. „Ich hatte früher oft damit zu kämpfen, die Qualität der Aufführungen litt darunter, aber auch die Lebensqualität, die Freude am Spiel.“ Mittlerweile hat sie für sich Strategien gefunden, damit umzugehen: „Zum einen geht es um eine optimale, vor allem auch mentale Vorbereitung der Stücke – die Arbeit ohne Noten ist dabei ganz entscheidend. Zum anderen muss man das, was man als ‚Angst‘ bezeichnet, als ein Gefühl der Verantwortung akzeptieren, als Indiz dafür, wie wichtig einem das ist, was man da auf der Bühne macht.“

ARD Musikwettbewerb im Fokus

Verantwortung empfindet Anastasia Zorina auch für ihre weiteren Entwicklung als Pianistin. Neben ihrer Tätigkeit als Assistentin an der Abteilung Instrumental- und Gesangspädagogik der Münchner Musikhochschule beginnt sie im Herbst ihr Masterstudium in Graz. „Ich habe das Gefühl, dass meine künstlerische Entwicklung noch nicht zu Ende ist. Im Gegenteil, sie fängt erst richtig an.“ Früher habe sie als folgsame Schülerin das, was die verschiedenen Lehrer von ihr verlangten, einfach übernommen, erinnert sie sich. Bewusst gemacht hat sie sich vieles davon aber erst später, als sie es sich selbst erarbeitet und damit erst wirklich angeeignet hatte.

Nun richtet Anastasia Zorina ihren Blick aber nach vorne auf zwei wichtige Wettbewerbe: Die CD für die Einreichung beim ARD Musikwettbewerb hat sie gerade fertig gestellt und beim Deutschen Musikwettbewerb würde sie nur allzu gerne ins Finale kommen, allein schon, um auch dort wieder mit Orchester auftreten zu können…

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