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Poetry Slam

Eine Flasche Scotch für ein Traum-ABC

Der Münchner Pierre Jarawan ist frischgekürter „Master of the Uni-Vers“. Er überzeugte 1500 Zuhörer im Regensburger Audimax.
Von Daniel Pfeifer, MZ

  • Pierre Jarawan schwenkt seine Siegesprämie. Fotos: Daniel Pfeifer
  • Vize-“Master of the Uni-Vers“ Marvin Ruppert liest einen Text aus seinem Bestseller „Ich mag Regen“.
  • Poetry Slam vor beeindruckender Kulissse

Regensburg.Für den Veranstaltungstitel sollte man Organisator und Sprachakrobat Thomas Spitzer eigentlich vor den internationalen Wortspiel-Gerichtshof zerren. Umso eleganter glänzten dafür die Texte der Teilnehmer des inzwischen zweiten „Master of the Uni-Vers“ am Dienstag Abend. Acht Poeten aus ganz Deutschland standen sich in einem epischen, fast dreistündigen Wettstreit gegenüber, übertrumpften sich mit cleverer Satire, gefühlvoller Lyrik und endlos scheinenden Satzkonstruktionen ohne Punkt und Komma, um hundert Ecken gedacht, und in der intelligenten Auflösung doch für alle Zuhörer nachfühlbar.

3000 wären auch gekommen

Und gerade weil die deutsche Crème de la Crème der Poetry-Slam-Szene am Start war, gab es einen enormen Andrang auf die Karten. 1500 Stück wurden im Vorfeld angeboten. Bereits nach 48 Stunden waren alle restlos ausverkauft. „Es war unglaublich“, erinnert sich Thomas Spitzer, „selbst danach gab es noch einen totalen Run auf die Karten“.

Hunderte hatten sich noch vergeblich bemüht, einen heiß begehrten Platz zu erhaschen. „Ich denke, wenn wir 3000 Sitzplätze hätten, dann hätten wir die auch vollgekriegt“, meint Spitzer.

Kapazitätstechnisch passend also, dass das Audimax der Universität Regensburg als Austragungsort gewählt wurde. Und neben dem großen Fassungsvermögen hatte es auch noch etwas ebenso wichtiges: Einen eigenen Charme, der zum Poetry Slam besser passt als das schönste, mit Goldstuck behangene Opernhaus. Denn das Audimax, bei Tageslicht mit dem Charme einer verlassenen Fabrikhalle, verwandelte sich unter stimmungsvoller Beleuchtung in eine beeindruckende künstlerische Kulisse. Lyrik auf dem Boden der Tatsachen, vor unverputztem Beton unter dem blauen Licht der Scheinwerfer.

Ungeschmeidige Anmachsprüche

Heidelbeerblau könnte man es nennen und direkt auf die ersten zwei Künstler überleiten. Denn der Slammerin Theresia Hahl hat es diese Farbe besonders angetan. In locker-flockiger, aber tiefgründiger Poesie über Wolkenschiffe und Wunschvorstellungen stand sie gegen Julian Heun an. Der Konkurrent aus Berlin fuhr eher in der Comedy-Schiene. Mit seiner gewollt verpeilten Art machte er sich über Anmachsprüche lustig, und darüber, dass er mit ihnen nie so richtig geschmeidig auf das andere Geschlecht wirkt.

Gleich zu Anfang wird so direkt die Vielfalt des Poetry-Slam gezeigt, zwischen schenkelklopfend lustig und nachdenklich. Wer in die nächste Runde weiterkommt, entscheidet ganz klassisch das Publikum. Das soll nach den Auftritten so laut wie möglich für den gewünschten Kandidaten applaudieren. Bei der ersten Runde entschieden die Zuschauer lautstark für Julian Heun, das Poetry-Schwergewicht mit Stammplatz auf dem Podium der deutschen Meisterschaft. Im K.O.-System ging es weiter, wobei sich auch Profis wie Sulaiman Masomi und Stefan Dörsing geschlagen geben mussten.

Das Finale entschied am Ende Pierre Jarawan vor Erfolgsautor Marvin Ruppert für sich, dank seines finalen Textes über „das ABC der Träume“. Darin jongliert er zwischen tiefer Philosophie und Batmans unangenehm herausstechenden Nippeln in der 1990er-Verfilmung, ganz so, als wäre es das Normalste von der Welt. Das traf passgenau den Nerv des Regensburger Publikums.

Den Preis gerecht verteilt

Der Zweite, Marvin Ruppert aus Marburg, nahm es gelassen. „Das war der größte Poetry-Slam, auf dem ich je war“, stellte er fest, wobei die Atmosphäre mehr locker als kämpferisch gewesen sei. Das liege auch daran, dass es kein normal übliches strenges Zeitlimit von ca. sechs Minuten für die Auftritte gab. Als Verlierer sah sich am Ende des Abends keiner. Zum Schluss teilen sich alle Slammer traditionell die Siegerprämie: eine Flasche Scotch.

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