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Kommunalwahl

Glückliche Gewinner, ratlose Verlierer

Für CSU und SPD bieten Oberpfälzer Stichwahlen Licht und Schatten. Bei Freien Wählern herrscht nach Durchmarsch im Landkreis Regensburg pure Freude.
Von Christine Schröpf

Tanja Schweiger (Freie Wähler) sagt dem Landtag Adieu und freut sich auf die neue Aufgabe als Regensburger Landrätin. Am Wahlabend fieberte ihr Lebensgefährte mit: Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Foto: dpa

Regensburg.Am Tag nach den Stichwahlen genießen die Gewinner glücklich ihren Triumph – und die Verlierer wagen sich an erste, ernüchternde Analysen. Der Oberpfälzer SPD-Chef Franz Schindler durchlebt von beidem etwas. „Viel Licht und viel Schatten“, lautet sein Fazit. Seine Freude wird durch das Ergebnis in Regensburg genährt, wo Joachim Wolbergs mit 70,2 Prozent ein Erdrusch-Sieg geglückt ist. „Das ist fantastisch gelaufen.“ Auch Dietfurt (Lkr. Neumarkt), Steinberg am See (Lkr. Schwandorf) und Floss (Lkr. Neustadt/WN) werden nun rot regiert. Alles gut, wäre da nicht Schindlers Heimatstadt Schwandorf, in der Landratsamt und Rathaus an die CSU verloren gingen. Marianne Schieder scheiterte an Thomas Ebeling, Ulrike Roidl an Andreas Feller. „Das bereitet mir große Schmerzen.“

Erste Erklärungsversuche

Für die Niederlagen hat Schindler bisher nur Erklärungsversuche. Wechselstimmung nach 42 Jahren SPD-Regentschaft im Landkreis könnte eine der Ursachen gewesen sein, spekuliert er. Hinzu käme ein tiefer Strukturwandel, der den Rückhalt in früheren roten Hochburgen wie Burglengenfeld abschmelzen lässt. „Es gibt keine Maxhütten-Arbeiter mehr – und ihre Kinder sind inzwischen nicht mehr bei der IG Metall.“ Der SPD-Bezirkschef spricht auch vom Vorteil, den CSU-Mann Ebeling als Neueinsteiger genossen habe. „Er ist in der Vergangenheit noch niemanden auf die Füße gestiegen. Marianne Schieder musste dagegen als stellvertretende Landrätin schwierige Entscheidungen mittragen.“

CSU-Bezirkschefin Emilia Müller teilt die Gefühlslage Schindlers, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen: Sie freut sich über die Schwandorfer Resultate und hadert mit den Regensburger Ergebnissen. „In Schwandorf können wir nun Politik aus einem Guss machen“, sagt sie. Mit Genugtuung verweist sie darauf, dass mit Burglengenfeld „die letzte SPD-Hochburg“ im Landkreis gefallen ist und künftig von einem CSU-Bürgermeister regiert wird. Das „Triple“ in ihrem Heimatlandkreis wird von der Doppelpleite in der Bezirkshauptstadt überschattet. Nur die Niederlage in der Stadt Regensburg kann sie sich erklären. Am Kandidaten Christian Schlegl habe es nicht gelegen, sagt sie. „Aber der Wähler hat ein Langzeitgedächtnis. Die jahrelangen internen Querelen haben sich ausgewirkt.“ Warum aber im Landkreis CSU-Kandidat Peter Aumer haushoch Tanja Schweiger von den Freien Wählern unterlag, lässt sie ratlos zurück. „Das kann ich nicht nachvollziehen.“

Bei der Bezirkschefin der Freien Wähler und neuen Regensburger Landrätin Tanja Schweiger herrscht dagegen erwartungsgemäß pure Freude. Mit 60,88 Prozent hatte sie Aumer besiegt – und danach bis halb drei Uhr nachts mit Freunden und Anhängern beim „Mayer-Wirt“ in Pettendorf gefeiert. Joachim Hanisch schaute auch vorbei. Im Herbst hatte er den Wiedereinzug in den Landtag verpasst, nun rückt er am 1. Mai auf Schweigers Platz nach. „Natürlich nehme ich das Mandat an. Keine Frage“, betont er. Auch den Vizevorsitz im Innenausschuss möchte er gerne von seiner Parteikollegin erben. Schweiger konzentriert sich bereits auf andere Herausforderungen: Sie muss eine Mehrheit im Kreistag schmieden, wo die Freien Wählern bisher nur über 18 von 70 Sitzen verfügen. „Ich möchte alle einbinden“, bekräftigt sie am Montag, was sie schon vor der Stichwahl gesagt hatte.

Grüne Begehrlichkeiten

Der Oberpfälzer Grünen machen keinen Hehl daraus, dass sie gerne mitmischen wollen. Die Ökopartei hatte vor den Regensburger Stichwahlen Empfehlung für Schweiger und Wolbergs abgegeben. „Wir hoffen, dass dem Veränderungswillen der Bürger Rechnung getragen wird und neue Mehrheiten gesucht werden“, sagt Bezirkschef Stefan Schmidt – und meint damit Bündnisse ohne CSU.

Bei den Stichwahlen hatten die Oberpfälzer Grünen keinen eigenen Kandidaten mehr im Rennen. In anderen Regierungsbezirken konnte die Ökopartei aber mehrere Erfolge einfahren: In Miesbach und Miltenberg setzten sich zwei Grüne als Landräte durch, die Zahl der Bürgermeister erhöhte sich in der zweiten Wahlrunde von 8 auf 14. Auch in den Kommunalparlamenten verfügen die Grünen in der nächsten Legislatur nun über deutlich mehr Mandate. „Das ist ein rießiger Ansporn“, sagt Schmidt.

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