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Edelmetalle

Gold: Echter Glanz oder schöner Schein?

Taugen Gold und Silber in Niedrigzins-Zeiten zur Geldanlage? Das bleibt umstritten. Ein Motto gilt aber immer: Wer streut, der rutscht nicht aus.
Von Ralf Strasser, MZ

Eine harte Währung – sagen Anhänger von Gold und Silber zu den Edelmetallen. Doch sie haben auch massive Nachteile. Foto: dpa

Regensburg.„Gold und Silber lieb’ ich sehr, kanns auch sehr gebrauchen, hätt’ ich nur ein ganzes Meer, mich hinein zu tauchen.“ So wie im Kinderlied, das August Schnetzler Ende des 19. Jahrhunderts zu Papier brachte, könnte man sich die Altersvorsorge vorstellen. Doch die Realität sieht anders aus. Wer sparen will, um im Alter keine bösen Überraschungen zu erleben, steckt im Dilemma. Aktien? Für viele zu unsicher. Sparkonto? Die Rendite ist im Minusbereich. Immobilien? Nur die guten Lagen sind krisensicher, aber für den „kleinen Mann“ unerschwinglich. Ist Gold und Silber die bessere Alternative?

„Es wird steigen wie noch nie“

Fast scheint es so. Edelmetall boomt, die Kurse für Gold und Silber zeigen wieder nach oben. Für Viorel Horhat, der in der Region vier Goldankaufsfilialen betreibt, ist Gold die erste Adresse. „Der Goldkurs wird in diesem Jahr so steigen wie noch nie“, sagt er. Doch das sei ein Thema mit vielen Facetten. „Ich könnte mit Ihnen die ganze Woche darüber reden“, schmunzelt Horhat und meint das trotzdem ernst. Für ihn ist Gold das einzig Wahre. Immobilien hält er für überbewertet, Papiergold für riskant. Anders bei Goldmünzen oder -barren. „Das ist als Teil der Alters- und Vermögenssicherung unverzichtbar“, sagt Tobias Weigel, Geschäftsführer von Emvest Regensburg, dessen Kerngeschäft den Handel mit der Anlage in Silber und Gold umfasst. „Gold ist Inflationsschutz, Gold erhält Vermögen in Krisenzeiten.“ Sein Rat: „Unbedingt physisches Gold kaufen und es zu Hause im Tresor oder in einem Schließfach deponieren.“ Ein Vorteil: „Gold kaufen kann man bis zu einem Betrag von 15 000 Euro anonym, es gibt keine Ausweispflicht.“ Zudem fällt beim Kauf von Anlagegold keine Mehrwertsteuer an.

Und doch ist Vorsicht geboten. Gold und Silber unterliegen Wertschwankungen, Zinsen gibt es keine. Viel werde über die Medien gesteuert, sind sich die Experten sicher. „Wenn berichtet wird, dass Gold ein guter Hafen sei, steigen die Preise“, sagt Horhat. Je mehr die Presse das Edelmetall puscht, desto mehr Umsatz, ergänzt Weigel. Derzeit sei die Nachfrage hoch. „Wir hatten im November und Dezember bis zu 30 Kunden täglich in unserer Regensburger Filiale.“

Wer kauft Gold und Silber? „Den klassischen Goldkäufer gibt es nicht“, sagt Weigel. „Zu uns kommen alle. Vom Studenten, der zwei Silbermünzen kauft oder der Gruppe Hausfrauen, die ihr Schmugeld in Edelmetall anlegen will, bis hin zum gut situierten Geschäftsmann, der nach dem Motto ‚wer streut, rutscht nicht aus‘ verfährt.“ Anders in der Pfandleihe Regensburg, für die Gold zwar kein Fremdwort ist, aber eher im Bereich Schmuck des „Schmückens“ willen unterwegs ist, wie sich Geschäftsführer Georg Weigl ausdrückt. „Vor 25 Jahren war das vielleicht einmal ein Geschäft, heute nicht mehr. Wegen einer Geldanlage kommt keiner zu uns, Goldschmuck eignet sich dafür nur bedingt und man muss sich gut informieren.“ Auch bei Münzen rät er zur Vorsicht. „Heutzutage wird sehr viel gefälscht, man kann sich gar nicht vorstellen, was da so unterwegs ist.“ Weigl rät dem Normalverbraucher, lieber eine Reise zu unternehmen, statt sich in das Abenteuer Goldanlage zu begeben. Dennoch: Wer Geld braucht, sollte nicht mit einem Fernseher zur Pfandleihe kommen. „Für den bekommt er nichts mehr, für den Goldschmuck dann doch.“

Einer, der wie Weigl eher auf der Contraseite sitzt, ist der Verbraucherservice Bayern. „Die Beratungsnachfrage zu Gold geht gegen Null“, sagt der Projektleiter der Finanzberatung, Stephan Strixner, in München. „Gold ist zu teuer, ich persönlich würde nicht in Gold investieren. Nur bei einer Hyperinflation ist Gold interessant, wenn man es als wertbeständiges Tauschmittel einsetzen kann. Bei jeder anderen Betrachtungsweise ist die Luft raus aus dem Edelmetall, die Kuh der Wirtschaftskrise ist vom Eis.“

Erst nach Jahren herrscht Klarheit

So weit würde Florian Ernst von der BayernLB nicht gehen. „Gold ist nach wie vor interessant“, meint er. Trotzdem warnt er davor, alles auf ein Pferd zu setzen. „Bis zu zehn Prozent Edelmetall sollte man in seinem Portfolio haben.“ Vom Kauf von Goldminenaktien oder entsprechenden Wertpapierfonds hält Ernst nichts. „Wir handeln nur mit physischem Gold.“

Bleibt als Fazit, dass „sicher ist, dass nix sicher ist, drum bin ich vorsichtshalber misstrauisch“, wie Carl Valentin einst philosophierte. Vieles spricht für, vieles gegen Gold. Ob man mit dem Kauf von Edelmetall die richtige Entscheidung getroffen hat, weiß man in der Regel erst in fünf bis zehn Jahren. Aber das trifft auch auf Aktie, Immobilie oder Sparbuch zu.

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