MyMz

NS-Raubkunst

Gurlitts Anwälte stellen Strafanzeige

Der Kunstsammler steht im Fokus der Ermittler. Jetzt drehen seine juristischen Berater den Spieß um: Sie sehen das Dienstgeheimnis verletzt.

Ein Kameramann vor der Schwabinger Wohnung, in der Kunstsammler Cornelius Gurlitt seinen Bilderschatz gehütet hat. Foto: Marc Müller/dpa

München. Die Anwälte des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt haben nach eigenen Angaben bei der Münchner Generalstaatsanwaltschaft Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Der Vorwurf lautet „Verletzung des Dienstgeheimnisses“, wie Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger am Montag mitteilte. Bei der Generalstaatsanwaltschaft war zunächst niemand zu erreichen. „Die Preisgabe von Ermittlungsinterna an die Presse und die damit verbundene schwere Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte sind für Herrn Gurlitt in keiner Weise tolerabel“, sagte Gurlitts Anwalt Tido Park. „Dies ist eine eklatante Verletzung des Dienstgeheimnisses.“

Sein Kollege Derek Setz ergänzte: „Unser Mandant kann kein Vertrauen in die gebotene Sachlichkeit und Integrität der Ermittlungsbehörden entwickeln, wenn diese in strafrechtlich relevanter Weise vertrauliche Ermittlungsinformationen an die Medien weitergeben.“ Hintergrund ist nach Angaben Holzingers unter anderem ein Bericht des Magazins „Focus“, der Inhalte der Ermittlungsakte sowie Fotos von Gurlitts Privatwohnung umfasst haben soll. „Die Weitergabe der Ermittlungsinterna erfolgte zu einem Zeitpunkt, zu dem die von ihm beauftragen Verteidiger noch keine Akteneinsicht hatten“, hieß es in der Mitteilung des Gurlitt-Sprechers.

Der 81-jährige Gurlitt, in dessen Wohnung weit mehr als 1000 Kunstwerke gefunden wurden, steht seit Ende 2013 unter Betreuung. Sein Betreuer Christoph Edel hatte die Anwälte und den Sprecher für den Kunstsammler eingesetzt.

Seit Gurlitt unter Betreuung steht, scheint Bewegung in den spektakulären Fall zu kommen. Sein dritter Anwalt Hannes Hartung bestätigte, der Sammler habe bereits Gespräche mit möglichen Erben über seine Bilder aufgenommen. Andererseits kündigte er in der vergangenen Woche auch an, gegen Aspekte der Berichterstattung über seinen Mandanten vorzugehen. „Sein Leben ist komplett aus den Fugen geraten, auch durch die Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte, etwa, wenn Bilder aus den Ermittlungsakten abgedruckt wurden oder er als Messie in einer Höhle bezeichnet wurde“, sagte Hartung der „Süddeutschen Zeitung“. (dpa)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht