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Musik

Jazzclub feiert Jubiläum

Der Jazzclub Regensburg feiert am Donnerstag mit einer großen Geburtstagssession sein 25-jähriges Bestehen. Der Eintritt ist frei.
von Juan Martin Koch

Ein swingendes Vorstandstriumvirat: Bernhard Lindner, Anita Keuchl und Winfried Freisleben Foto: Scheiner

Regensburg. Beim Blick ins Pressearchiv des Jazzclubs kann man sich verlieren. In den Berichten über die legendären Anfänge im „Einhorn“, in den Diskussionen über das Konzept des Leeren Beutel als Kulturstätte und in Erinnerungen an wunderbare Konzerte mit den internationalen Stars oder den oft nicht minder elektrisierenden Größen aus der regionalen Szene.

Aufgeklebt sind viele der Zeitungsausschnitte auf den Rückseiten liebevoll geschriebener Restaurantmenüs. Mit seiner Handschrift hat Winnie Freisleben, der einstige Einhorn-Wirt und langjährige Pächter im Leeren Beutel, auch die 25 Jahre geprägt, die der Jazzclub in diesem Jahr feiert.

Doch beim Gespräch mit ihm und seinen Vorstandskollegen Anita Keuchl und Bernhard Lindner ist von nostalgischer Rückschau wenig zu spüren. Nach vorne wollen sie blicken, wollen ihrem Auftrag, möglichst vielen die Faszination des Jazz nahezubringen, mit dem Jubiläumsschwung im Rücken gerecht werden.

Dazu gehört es auch, so ist Bernhard Lindner überzeugt, „das Spektrum aufzumachen“ und den Jazz in seiner ganzen Vielseitigkeit bis hin zu Grenzbereichen in andere Genres zu präsentieren. Auftritte von Kraan oder vom Herbert Pixner Project hätten dies sehr erfolgreich gezeigt, von allen Seiten hätte man dafür viel Beifall bekommen. Dass der eine oder andere à la Jazzpolizei die Nase rümpft, stört Freisleben nicht. „Die Fundamentalisten hat es immer gegeben. Was haben wir für Schläge einstecken müssen, als wir in der Anfangszeit Leute wie Brötzmann oder Schlippenbach geholt haben! Jetzt sind das Klassiker.“

Ein Programmimpuls für die kommenden Monate soll deshalb die Frage sein, wo überall Jazz drinsteckt. Freisleben scheut den leicht zerzausten Begriff Crossover nicht. Mit dem Credo „Das Niveau muss stimmen“ rückt er die Perspektive zurecht. Anita Keuchl bekennt sich außerdem ganz klar auch zu jenen Konzerten, bei denen der Saal sich nicht so füllt. „Wir haben einen gemeinnützigen Auftrag, der bei Musik jenseits des Mainstreams zum Tragen kommt. Auf der anderen Seite müssen wir aber natürlich auf die Wirtschaftlichkeit schauen.“

Womit ein Grund angesprochen wäre, warum der Blick auf die jüngere Vergangenheit durch die eine oder andere Blue Note gewürzt ist. Im Nachklang des 20-jährigen Jubiläums, das man mit einer hochkarätigen und entsprechend kostspieligen Programmwoche gefeiert hatte, kam der Verein in eine gefährliche Schieflage, die nur durch eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, das Einspringen privater Financiers und ein eisernes Sparregiment wieder geradegerückt werden konnte. Die Zahl der Konzerte hat sich seither bei etwa 60 pro Jahr eingependelt, man kalkuliere außerdem ehrlicher, so Keuchl, und sei so besser auf die von Freisleben als „Achterbahn“ beschriebenen Schwankungen vorbereitet.

Auf die Situation rund um das Bayerische Jazzinstitut und die LAG Jazz in Bayern angesprochen, belässt es die Runde bei vielsagenden Blicken. „Schlechter kann’s nicht mehr werden“, kommentiert Freisleben lapidar.Gerade dominiert die Vorfreude auf die große Geburtstagssession am Donnerstag, bei der sich der Leere Beutel nebenbei mit geöffneter Städtischer Galerie und Jazz-Filmen auch einmal wieder ganz bewusst als große Kulturbegegnungsstätte präsentieren wird.

Dass die verschiedenen Konzerte bei freiem Eintritt zu genießen sind, ist dem Engagement der Regensburger Musiker zu verdanken, die gegen eine geringe Aufwandsentschädigung auftreten. Vielleicht lockt dies auch einen Teil jenes Publikums an, das beim Jazzweekend regelmäßig für Überfüllung sorgt, das man an regulären Jazzclub-Abenden aber kaum erblickt.

Auf ein neues Publikum ist man auch am vorletzten Wochenende zugegangen, als der Jazzclub erstmals außerhalb des Jazzweekends mit einem Infostand in der Innenstadt präsent war. Immerhin viele „Newsletter-Abos“ habe man eingeworben, freut sich Lindner, eine Wiederholung der Aktion ist fest geplant.

Den digitalen Kommunikationskanal bedient unterdessen Ulrike Eilers. Die Kulturmanagerin, die oben im Büro das Tagesgeschäft für den Club abwickelt, freut sich über das Feedback, auf das die Facebook-Seite zunehmend stößt. Beim Zurückstellen der Presseordner ins Regal kommt eine junge Dame ins Büro, um Konzertkarten zu kaufen. Auch den Mitgliedsantrag hat sie schon zuhause…

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