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Kirche

Kardinäle streiten über Geschiedene

Wie soll die katholische Kirche Geschiedene behandeln? Der Papst zeigte sich offen. Nun bekommt er Gegenwind – unter anderem von Kardinal Müller.
Von Esteban Engel, dpa

Gerhard Ludwig Müller geht in die Offensive. Foto: dpa

Rom.Scheiternde Paare sollten begleitet und nicht verurteilt werden, hatte der Papst bei einer Frühmesse Ende Februar verkündet. Doch jetzt bekommt Franziskus spürbaren Gegenwind bei seinem Versuch, katholischen Geschiedenen das Leben etwas zu erleichtern. Knapp drei Wochen vor dem ersten von zwei Bischofstreffen zu Fragen wie Scheidung, Abtreibung und Homo-Ehe gehen fünf Konservative aus der Kirchenspitze, darunter der Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, in die Offensive.

In einem Buch, das wenige Tage vor der Synode am 1. Oktober in Italien und den USA erscheinen soll, wenden sich die Kardinäle gegen eine Kursänderung. „Die Autoren dieses Buches sind sich mit dem Neuen Testament einig: Christus verbietet unzweideutig die Scheidung sowie die Wiederheirat“, heißt es in dem Vorwort. Über das Buch „In der Wahrheit von Christus bleiben“ berichtete gestern die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ auf zwei Seiten. Zu den Autoren gehört auch der Chef des Apostolischen Gerichtshofs Raymond Burke, der Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, sowie die emeritierten Kurienmitglieder Walter Brandmüller und Velasio de Paolis. Sie lehnen jedes Zugeständnis ab – weder an Geschiedene noch an Wiederverheiratete.

Zwar hat sich Müller als oberster Glaubenshüter bereits öffentlich dagegen ausgesprochen, wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion zu erteilen. Die konzertierte Aktion von fünf Kardinälen und anderer Theologen deutet auf einen tieferen Riss innerhalb der Kirchenhierarchie bei Fragen der Familienpolitik hin.

So beziehen die Kardinäle auch Position gegen den deutschen Papstvertrauten Walter Kasper. Der emeritierte Kurienkardinal hatte im Februar hinter verschlossenen Türen und im Auftrag von Franziskus eine Grundsatzrede zu Ehe und Familienseelsorge gehalten. Der Papst hat mehrmals seine Sympathien für Kaspers theologisches Schaffen geäußert.

In seiner Rede wünschte sich der frühere Präsident des päpstlichen Einheitsrates eine „barmherzige Lösung“, etwa eine Wiederheirat nach einer Zeit der Reue. Doch auch das lassen die Kritiker nicht gelten: Einen solchen Weg, wie sie etwa die östliche orthodoxe Kirche kenne, sei gegen die Heilige Schrift und berge die Gefahr des Missbrauchs. Die Ostkirche habe seinerzeit nur dem Druck der byzantinischen Herrscher nachgegeben, zitiert der „Corriere“ aus dem Buch.

Dabei ist dem Vatikan bewusst, welches Unbehagen die offizielle Lehre unter Katholiken auslöst. Vielen Menschen sei unverständlich, warum wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion verweigert werde, Geistliche, die das Priesteramt aufgegeben hätten, aber zugelassen seien, heißt es im Synoden-Arbeitspapier „Instrumentum laboris“. Katholiken fühlten sich ausgegrenzt und frustriert. „Wir sprechen eine Sprache, die die Menschen nicht verstehen und geben Antworten auf Fragen, die uns niemand stellt“, hatte der italienische Erzbischof Bruno Forte bei der Vorstellung des Dokuments erklärt.

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