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Kirche

Kardinal Müller feiert in Rot-Weiß-Blau

Der Papst hat am Samstag den Glaubenspräfekten und früheren Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller in Rom zum Kardinal erhoben.

  • Gerhard Ludwig Müller wurde vom Papst zum Kardinal erhoben. Foto: afp
  • Der emeritierte Papst Benedikt XVI. nahm an der Zeremonie im Petersdom teil. Foto: afp
  • Papst Franziskus erhob Gerhard Ludwig Müller in einer feierlichen Zeremonie mit 18 weiteren Würdenträgern zum Kardinal. Foto: afp
  • Der emeritierte Papst Benedikt XVI. gratuliert Gerhard Ludwig Müller nach dessen Erhebung zum Kardinal. Foto: dpa

Rom.An sich ist so eine Kardinalserhebung eine ernste Sache. Die neuen Senatoren der katholischen Kirche schwören dem Papst die Treue „bis zum Blutvergießen“. Daher rührt auch ihr scharlachrotes Gewand. Doch am Samstag herrscht nach dem schlichten Wortgottesdienst im Petersdom bayerische Volksfeststimmung unter weiß-blauem Himmel. Zumindest im Palast der Glaubenskongregation.

Deren Präfekt, Gerhard Ludwig Müller, hat seine Gäste zu einer deftigen Brotzeit mit Leberkäs, Kartoffelsalat und allerlei Gegrilltem geladen. Passend zum Hort der reinen Lehre wird Gerstensaft ausgeschenkt, der nach dem Reinheitsgebot gebraut ist. Der 66-Jährige wollte seine Beförderung in den Kreis der Papstwähler bewusst nicht in kleiner Runde begehen, sondern volkstümlich-familiär. Dem gebürtigen Rheinländer ist Bayern zur Heimat geworden, nicht erst als Bischof von Regensburg, sondern schon durch die Professorenjahre in München.

In einem feierlichen Konsistorium erhob Papst Franziskus am Samstagvormittag Müller und 18 weitere neue Würdenträger im Petersdom zum Kardinal. Der Papst setze ihnen das purpufarben Kardinalsbirett auf. Zudem steckte er ihnen den Kardinalsring an und wies ihnen eine römische Titelkirche zu. Kardinal Müller wird Schirmherr über die Kirche Sant’ Agnese in Agone auf der Piazza Navona in Rom sein. Es war das erste Konsistorium des vor einem Jahr gewählten Franziskus. Überraschend nahm auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. daran Teil. Zu Beginn wurde er von Papst Franziskus herzlich begrüßt und umarmt. Es war die erste öffentliche Zeremonie im Petersdom, bei der beide Päpste anwesend waren. Im Dom kam Beifall für Joseph Ratzinger auf, der ansonsten zurückgezogen im Vatikan lebt.

Der Regensburger Bürgermeister Gerhard Weber war beeindruckt von dem kirchlichen Höhepunkt im Petersdom. „Wenn Sie mich fragen, ob ich Gerhard Ludwig Müller als Regensburger Kardinal sehe, kann ich nur so antworten: Er ist in Mainz geboren, war in München Professor, hat zehn Jahre als Bischof von Regensburg gewirkt und ist nun Kardinal in Rom. Keine dieser Städte kann ihn allein für sich vereinnahmen. Aber seine Regensburger Jahre waren sicher prägend“, sagte er. Ein besonderes Erlebnis war für Müller die Teilnahme des emeritierten Papst Benedikts am Konsistorium. „Ich hatte zunächst nur einen starken Applaus gehört, wusste aber nicht, wem der galt“, erklärt Weber. „Dann habe ich Benedikt gesehen – und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die Menschen ihn nach wie vor schätzen und ihn mit diesem warmherzigen Beifall im Petersdom begrüßt haben.“

Nun gibt es zehn deutsche Kardinäle

Mit Müller gibt es nun zehn deutsche Kardinäle. Die Zahl der Kardinäle, die den Papst wählen dürfen, steigt mit den Ernennungen auf 122. Ende des Jahres werden es nur noch 113 sein, die übrigen haben dann die Altersgrenze von 80 Jahren überschritten. Am Sonntag feiert der Papst mit seinen neuen Kardinälen noch eine Messe.

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) würdigte das Wirken Müllers. Bei einem Empfang im Vatikan aus Anlass der Kardinalserhebung erklärte der stellvertretende DBK-Vorsitzende, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim), es sei ein „Herzensanliegen“ Müllers, zur lebendigen Verkündigung und zu einer Belebung des Glaubens beizutragen. Wer Kardinal Müller kenne, wisse um dessen rheinischen Humor, die herzliche Art und seine klare Position, wenn er eine Sache vertrete, sagte Trelle.

Den Präfekten zum Kardinal zu machen, das folgte einer Tradition in Rom. Manches spricht dafür, dass Papst Franziskus den deutschen Glaubenswächter durchaus schätzt und nicht als konservativeren Pol oder Gegenspieler ansieht. Müller kommt mehrmals monatlich mit dem Argentinier in Audienzen zusammen und berät dabei anstehende Probleme der Glaubenskongregation. Dazu gehört die nach Jahren des Streits um Lehrfragen immer noch ungelöste Frage einer Wiederannäherung der traditionalistischen Pius-Bruderschaft an die katholische Kirche – Müller hat mehrfach gegen extremistische Positionen Front gemacht.

Grundlegende Reformen lehnte Müller bislang ab

Vielen gilt Müller als Hardliner unter den deutschen Oberhirten. Grundlegende Reformen in der katholischen Kirche lehnte der 66-Jährige bisher ab. Er hält sich streng an die offizielle Linie der Amtskirche. So hat sich Müller gegen Frauen im Priesteramt und auch gegen eine Lockerung des Zölibats ausgesprochen. Als Präfekt in Rom bekräftigte er etwa die Unauflösbarkeit der Ehe. Mit Papst Franziskus tauscht sich der Chef der mächtigen Glaubenskongregation regelmäßig im Vatikan aus, und die Weltkirche schätzt nicht zuletzt sein soziales Engagement.

Gerade noch rechtzeitig nach Rom geschafft hat es eine Reisegruppe aus Müllers Geburtsort Mainz-Finthen. Gestoppt durch den Streik der Sicherheitskräfte am Frankfurter Flughafen mussten Verwandte und Bekannte aus gemeinsamen Jugendtagen auf dem Bolzplatz kurzfristig auf einen Bus umsteigen. Nach 18 Stunden Fahrt sind sie da und können mitfeiern.

Beim Betreten des Heiligen Offiziums steigt sofort der Duft frischer Bratwürste in die Nase. Unter den Klängen eines Streichquartetts bilden sich vor den Zapfhähnen der Regensburger Brauerei Bischofshof rasch lange Schlangen. Müller hat die Organisatoren vor eine spezielle Herausforderung gestellt. Sie sollten sich für 500 Gäste bevorraten, es könnten aber auch 1000 kommen, lautete seine Ansage. Nach zwei Stunden zeigen sich die Mitarbeiter von Brauerei und Metzgerei erleichtert. Es wird reichen für alle. Auch ohne wundersame Brotvermehrung.

Zur illustren Festgesellschaft zählen nicht nur Bischöfe, Kardinäle und akademische Schüler Müllers. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis lässt sich sehen, dazu Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon, der Chef der Vatikanbank, Ernst von Freyberg, und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Auch der in Limburg in Ungnade gefallene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat für diesen Anlass sein Exil bei den Mettener Benediktinern verlassen und gönnt sich ein Bierchen.

Kötztinger Pfingstreiter gratulierten

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hat im einsetzenden Gedränge Mühe, zum frisch kreierten Kardinal vorzustoßen. Bevor er die Grüße seines Ministerpräsidenten und „die große Freude Bayerns“ übermitteln kann, sind die Kötztinger Pfingstreiter an der Reihe. Lange haben sie warten müssen auf ihren Auftritt. Wenn sie schon nicht in den Petersdom vorgelassen wurden, wollen sie wenigstens jetzt die ersten Gratulanten sein.

Zwölf wackere Mannsbilder in Lederstiefeln, roter Samtweste und blauem Lodenfrack nehmen vor dem Brunnen Aufstellung mit ihren Bannern. Der Bad Kötztinger Kurdirektor Sepp Barth schmettert einen Fanfarensalut durch den Hof. Dann bedankt sich Oberzugordner Dieter Casaretto bei Müller dafür, dass dieser vor zehn Jahren das jahrhundertealte Brauchtum der Reiterprozession von einem oberflächlichen Spektakel zum ursprünglich religiösen Sinngehalt zurückgeführt hat. „Für uns sind Sie der richtige Mann am richtigen Ort“, sagt Casaretto und der Gelobte ist gerührt.

Die Kötztinger kennen ihren prominenten Förderer nicht als strengen Glaubenswächter, sondern als volksnahen Seelsorger, der sich nach dem stundenlangen Umritt, nach Gebet und Gottesdienst auch noch gern für eine Maß unter die Leute mischt. Und als einen, der nicht nur in dogmatischen Fragen sattelfest ist. Am 9. Juni will Müller für die „Eucharistische Prozession zu Pferde“ wieder in das oberpfälzische Kneippheilbad kommen.

Schon einen Monat vorher, am 4. Mai, kehrt Müller zum ersten Mal als Kardinal in seine frühere Bischofsstadt Regensburg zurück. Und auch dort werden wieder alle Bürger eingeladen sein, auf sein Wohl anzustoßen. (dpa, kna, ct)

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