mz_logo

Startseitenmeldungen 2012
Dienstag, 25. September 2018 15° 2

Kommunikation

Keine Angst vor Industrie 4.0

In der IHK Regensburg diskutieren Unternehmer über die Produktionsprozesse von morgen. Dabei ist jetzt schon mehr möglich als mancher denkt.
Von Martin Anton, MZ

  • Viele wissen nicht, was sich hinter dem Begriff Industrie 4.0 versteckt. Foto: MR
  • V. l.: Johann Hofmann (MR-CAM), Florian Dürr (Stangl & Co), Prof. Dr. Robert Obermaier (Universität Passau)
  • Robert Torscht (Insys Microelectronics, l.) und Josef Beimler (stellvertretender Hauptgeschäftsführer IHK Regensburg)

Regensburg.Maschinen, die miteinander sprechen, voneinander lernen, eine Fertigung, in der jeder Schreibtisch mit jedem Roboter verbunden ist: Das Konzept der Industrie 4.0 klingt genauso futuristisch wie praktisch - und vielleicht ein bisschen unheimlich. Beim zweiten Teil der Vortragsreihe „Die Fabrik der Zukunft“ wollte die Industrie- und Handelskammer Regensburg für die Oberpfalz und Kelheim wichtige Frage rund um das Thema Industrie 4.0 erörtern.

Johann Hofmann, Leiter des Geschäftsbereichs Reinhausen CAM bei der Maschinenfabrik Reinhausen (MR), nennt ein Problem bei der sogenannten vierten Industriellen Revolution. „Viele Leute wissen immer noch nicht, was das ist.“ Er zeichnet eine Vision für die Produktion: Ein intelligentes Werkstück navigiert selbstständig durch die Lieferkette und steuert seine Anwendung selbst. Zwar sei man davon noch weit entfernt. Hofmann hat aber für die MR ein System entwickelt, in der zumindest Maschinen, Werkzeuge, Logistik, Lager, Controlling usw. miteinander über eine Datendrehscheibe vernetzt sind und kommunizieren können.

Unter den Rednern am Mittwoch war auch Robert Torscht, Ingenieur für Nachrichtentechnik beim Technologieunternehmen Insys icom aus Regensburg. „Ich möchte den Leuten die Angst vor Industrie 4.0 nehmen“, erklärte Torscht seine Motivation für den Vortrag.

Datensicherheit wird noch wichtiger

Sein Unternehmen bietet die Kommunikation von Geräten und Systemen an, kümmert sich aber auch um die Datensicherheit. Denn wenn der gesamte Produktionsprozess, Logistik und Wartung über Netzwerke läuft, müssen die natürlich sicher sein. Absolute Sicherheit gebe es nicht, sagt Torscht. Doch die Industrie 4.0 sei nichts neues, „wir sind mittendrin“.

Professor Robert Obermaier von der Universität Passau erörterte die betriebswissenschaftlichen Herausforderungen, die der Datenaustausch in der Industrie 4.0 an die Unternehmen stellt. „Ich muss zunächst investieren“, erklärt Obermaier, „in Software und Personal“. Als Ergebnis wartet im Idealfall eine schnellere, effizientere Produktion und womöglich neue Geschäftsfelder.

Denn, und das war auch ein Ergebnis dieses Nachmittags, wohin die Industrie 4.0 am Ende führt, ist noch offen. „Vieles wird funktionieren, vieles nicht“, sagte Hofmann, „vieles wird vielleicht anders funktionieren, als wir es uns gedacht haben“. Er sei sich aber sicher, dass in zehn Jahren keiner zurückblicken werde, um zu sagen: Industrie 4.0 ist gescheitert.

Beispielspielsiel

Das trifft in diesem Stadium der vierten Industriellen Revolution zumindest schon einmal auf die Firma Stangl & Co GmbH aus Roding (Lkr. Cham) zu. Florian Dürr, Projektverantwortlicher bei Stangl & Co. Präzisionstechnik, war gestern in der IHK, um von seinen Erfahrungne mit Hofmanns System zu berichten. Vor vier Jahren habe der Zulieferer dafür die gesamte Firma umgekrempelt. Doch laut Dürr hat es sich gelohnt. Aufgrund von Prozessoptimierung und höheren Auftragsdurchlauf hätte sich die Investition in nicht einmal einem Jahr bereits amortisiert. Mitarbeiter hätte die Firma wegen der Umstellung nicht reduziert. Im Endeffekt hätten aufgrund des höheren Auftragdurchlaufs sogar noch welche eingestellt werden müssen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht