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Pegida

MVgida wirbt unfreiwillig für Toleranz

Obwohl MVgida als von Rechtsextremen unterwandert gilt, positionierte sich der Pegida-Ableger gegen rechts. Unbeabsichtigt.
Moritz Harzenetter, MZ

  • In Schwerin demonstrierten am Montagabend Anhänger des mecklenburg-vorpommerischen Pegida-Ablegers für Demokratie und ein Nazi-Aussteigerprogramm. Foto: www.mvgida.de
  • In der alten Version der von www.mvgida.de gibt sich die Homepage noch als Sprachrohr der Bewegung aus und verbreitet übliche Pegida-Parolen. (Foto: www.mvgida.de)
  • Währenddessen wirbt die aktualisierte Homepage für die Möglichkeiten des demokratischen Rechtsstaates und weist auf Nazi-Aussteigerprogramme hin. (Foto: www.mvgida.de)

Regensburg. Schwerin, Montagabend. In der Landeshauptstadt mobilisiert der nordostdeutsche Pegida-Ableger MVgida (Mecklenburg-Vorpommern gegen die Islamisierung des Abendlandes) zum dritten Mal „besorgte Bürger“, um ihre Anliegen auf die Straße zu tragen. Laut Polizeiangaben finden sich rund 500 Anhänger vor dem Rathaus ein. Die nordostdeutsche Variante des bundesweiten Phänomens Pegida gilt laut Experten als von rechtsextremen Kräften unterwandert, Demonstranten rufen unverhohlen ausländerfeindliche Parolen wie „Wir wollen keine Asylantenheime“.

Unter diesem Vorzeichen haben sich Gegendemonstranten eine kreative Aktion überlegt, um für ein weltoffenes und tolerantes Schwerin zu werben. Die Träger ihrer Botschaft sind ausgerechnet die Demonstranten der MVgida-Bewegung. Die „Schweriner Gruppe“ verteilt unter den MVgida-Anhängern vor Beginn der Demonstration Plakate, die auf die Internetseite www.mvgida.de hinweisen.

Zu diesem Zeitpunkt weist die Homepage in klassischer Pegida-Aufmachung Thesen aus, denen die meisten der Demonstranten wohl noch zustimmen können. Im festen Glauben ihr Anliegen damit zu bewerben, zeigen die MVgida-Anhänger umgehend ihre neuen Werbeplakate auf der Demonstration.

Wer nun die Website aufruft, dürfte sichtlich irritiert sein, was die Systemkritiker auf ihren Plakaten bewerben. Denn die Betreiber der Seite haben mittlerweile den Inhalt komplett ausgetauscht: So fordert die Website die „ungeliebten Pegida-Demonstranten“ auf, „sich richtig zu informieren und nicht alles nachzugackern“. Um den unzufriedenen Demonstanten die Möglichkeit zu geben, mit den demokratisch gewählten Volksvertretern ins Gespräch zu kommen, führt ein Link zur Liste der Bundestagsabgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern. Zudem wird auf einen Leitfaden verwiesen, der auf die Durchführung einer eigenen Demonstration verweist, ohne durch rechtsradikale und demokratiefeindliche Organisationen vereinnahmt zu werden. Ein dritter Link stellt Informationen für Menschen bereit, die sich von der rechten Szene trennen wollen.

Die Organisatoren der „Schweriner Gruppe“ bezeichnen sich selbst als parteiunabhängig.

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