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Tiergarten

Nürnberg hofft auf einen gesunden Delfin

Anspannung im Tiergarten vor der Geburt des ersten Tümmlers in der neuen Lagune. In den vergangenen Jahren endeten alle Zuchtversuche tragisch.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Das Delfinweibchen „Sunny“ ist trächtig. Jetzt will man in Nürnberg endlich wieder einen Zuchterfolg feiern. Foto: dpa

Nürnberg.Den errechneten Geburtstermin verrät Tiergartendirektor Dr. Dag Encke nicht. Zu groß ist die Anspannung bei ihm und seinen Mitarbeitern. In den vergangenen 15 Jahren ist in Nürnberg keine Nachzucht bei Delfinen mehr gelungen. Alle Jungtiere starben. Jetzt ist das 15-jährige Weibchen „Sunny“ trächtig. Es ist die erste Geburt nach der Eröffnung der neuen Delfin-Lagune vor drei Jahren. Wenn es diesmal schief geht, könnte das vielleicht sogar das Aus für die Anlage bedeuten.

Kritik reißt weiterhin nicht ab

Zehn Große Tümmler leben derzeit in der 2011 neu eröffneten Lagune. „Dolly“ und „Donna“ waren im Mai die letzten Neuzugänge. Sie kamen aus dem Tierpark Duisburg – neben Nürnberg das einzige Delfinarium, das es noch in Deutschland gibt. Ursprünglich waren es einmal neun Zoos und sechs Freizeitparks. Tierschützern fordern seit Jahren, auch die letzten beiden Einrichtungen zu schließen. Denn trotz der Millioneninvestition in eine neue Delfin-Lagune herrschten in Nürnberg weiterhin „katastrophale Haltungsbedingungen“, so die Kritik. „Auch ein größeres Gefängnis ist immer noch ein Gefängnis. Die Menschen verstehen das Leid der Delfine und wollen sie nicht mehr in engen Betonbecken sehen“, meint etwa Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin der Tierschutzorganisation PETA. Daran werde auch ein Delfinbaby nichts ändern.

Die Tierrechtsorganisation hat den bayerischen Umweltminister Marcel Huber inzwischen aufgefordert, ein Nachzuchtverbot für Delfine im Nürnberger Zoo zu erlassen.

In den vergangenen zehn Jahren endeten in Nürnberg sechs Zuchtversuche tragisch. „Wir in Nürnberg hatten die größte Misserfolgsquote aller Delfinarien in Europa, das muss man ganz ehrlich sagen“, räumte Tiergarten-Direktor Dag Encke im Mai in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ ein. „Wir konnten nicht erklären, warum es so schlecht lief, jedes Kalb ist aus einem anderen Grund gestorben.“ Auch das nun trächtige Delfinweibchen „Sunny“, das seit 2005 in Nürnberg lebt, hat bereits ein Jungtier verloren. Es starb 2007 drei Tage nach der Geburt.

„Es lastet ein entsprechend großer Druck auf den Mitarbeitern“, räumt Encke deshalb ein. Auch das öffentliche Interesse an dem bevorstehenden Ereignis sei enorm. Etwa zwölf Monate trägt ein Delfinweibchen sein Junges aus. Die Sterblichkeitsrate unter neugeborenen Großen Tümmlern ist hoch. Nicht nur in den Delfinarien, auch in ihrem natürlichen Umfeld. Denn den Kälbern fehlt bei der Geburt noch ein funktionierendes Immunsystem, was sie extrem anfällig gegenüber jeglichen Krankheiten macht. Um die Geburt nicht noch zusätzlich zu gefährden, schweigt sich das Tiergarten-Direktorium bisher zu den Details aus. Nur so viel: „Bei Sunny wurde im September 2011 die Pille abgesetzt.“

Hebebühne für Untersuchungen

Um im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Große Tümmler trotz der bekannten Gefahren wieder einen Erfolg zu verbuchen, hat der Tiergarten in ein neues Aufzucht-Management investiert. Am Freitag wird der Tiergarten seine Vorbereitungen für die Geburt der Öffentlichkeit vorstellen. „Sunny“ wird ihr Kalb in einem zentral gelegenen Becken zur Welt bringen. Dieses ist mit einem sogenannten Hebeboden ausgestattet, der eine regelmäßige Untersuchung des Jungtieres nach der Geburt ermöglichen soll. Die komplette Delfingruppe soll die Aufzucht des Nachwuchses miterleben und die Weibchen dabei „lernen“, selbst ein Kalb großzuziehen. Denn auch die Neuzugänge „Dolly“ und „Donna“ sowie die 27 Jahre alte „Jenny“ sollen in Nürnberg Nachwuchs bekommen. Allerdings wohl nur dann, wenn diesmal bei „Sunny“ alles glatt läuft.

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