MyMz

Volksmusik

Oberpfälzer mischen Brettl-Spitzen auf

Couplet-AG-Gründer Jürgen Kirner holt seine Heimat ins Hofbräuhaus. Blecherne Sait’n aus Schnaittenbach und Zwiadfach aus Deining begeistern.
von Christine Strasser, MZ

  • Brettl-Spitzen-Moderator Jürgen Kirner (links) mit dem Trio „Blecherne Sait’n“ aus SchnaittenbachFoto: BR/Foto Sessner
  • Norbert Heckner riss als „Stolz von der Au“ mit. Foto: BR/Foto Sessner
  • Das Duo Zwiadfach aus Deining avancierte zum Publikumsliebling.Foto: Heinz Hoffmann
  • Veronika von Quast fragt, warum man nur von den anderen Frauen spricht. Foto: BR/Foto Sessner

München.Jürgen Kirner hat das Kommando im Festsaal des Münchner Hofbräuhauses. „Das Kinn nach vorne fallen lassen!“, weist der Moderator der BR-Sendung „Brettl-Spitzen II“ die Wirtshausbesucher in die Oberpfälzer Sangeskunst ein, ehe der Frontmann der Couplet-AG über „s’Heneraug“ sinniert und über den „Wehdam“ klagt. Da ist das Publikum längst mitgerissen und lacht und singt – und immerhin haben im Festsaal des Hofbräuhauses rund 700 Menschen Platz.

„So ein Saal will bespielt werden“, gibt Kirner zu bedenken. Entsprechend groß war das Muffensausen vor der Aufzeichnung. Doch schon nach dem ersten Lied „Jessas, jessas mir ham g’lacht“, einem Duett von Veronika von Quast und Jürgen Kirner, ist der Beifall groß. Berühmte Wirtshauslieder, live gespielte Musik, süffisante Satire sowie herrliche Hinterfotzigkeit wechseln sich mit purem Gaudium ab.

Schon der Opa sang im Wirtshaus

„So eine Sendung hat gefehlt“, sagt BR-Redakteurin Sabine Boueke-Loosen. Nach der ersten Ausgabe der Brettl-Spitzen vor einem Jahr seien ungewöhnlich viele Briefe eingegangen. „Von begeisterten Zuschauern und nicht nur von Volksmusiklobbyisten“, fügt sie hinzu. Das Ergebnis: Es gab eine zweite Auflage. Zu sehen ist „Brettl-Spitzen II“ am Sonntag (19.45Uhr) im Bayerischen Fernsehen. Geboten wird gern Gehörtes, fast Vergessenes, aber auch Brandneues, verspricht Moderator Kirner.

Kirner, der in Hemau (Lkr. Regensburg) aufgewachsen ist, hat es die Tradition der Volkssänger schon von Kindheit an angetan. Sein Opa mütterlicherseits habe gerne im Wirtshaus gesungen, erzählt Kirner. Eine Bühne habe es nicht gegeben. Der Opa sei einfach auf einen Stuhl gestiegen und habe „Gstanzl gsung’n oder die Leut nachg’macht“. Die Begeisterung für witzige Typen, originelle Texte sowie eingängige Melodien will Kirner nun mit den „Brettl-Spitzen“ weitertragen. Ganz nebenbei verhilft er auch Nachwuchsgruppen aus seiner Heimat zu einem Fernsehauftritt.

Wie international die Oberpfalz ist, beweist das Trio Blecherne Sait’n aus Schnaittenbach. Franz und Inge Gericke starten zusammen mit Marina Regler mit einer eindeutigen Aufforderung: „Alte ruck’s Geld raus. I will ins Wirtshaus geh’n.“ Die Idee zu diesem Lied sei spät abends während der Heimfahrt nach einem Auftritt in Regensburg entstanden, erzählt Inge Gericke. Der damalige Gitarrist der Gruppe, Karl Schatz, lies diesen Satz im Auto los. Inge Gericke war sofort klar, dass sie daraus ein Stück machen muss, erinnert sie sich. Am nächsten Morgen setzte sie sich hin und schrieb den Text in einem Zug. Etlichen Zuhörern wird das Stück amerikanisch vorkommen und sie haben damit auch recht. Die Melodie fußt auf dem Gospelsong „Down by the riverside“.

Publikum feiert Zwiadfach

Schon vom ersten Lied an hatte das Duo Zwiadfach das Publikum auf seiner Seite. Christina Ertel stammt aus Edelsfeld (Ldk. Sulzbach-Rosenberg). Markus Moosburger kommt aus Deining (Ldk. Neumarkt). Die beiden jungen Musiker avancierten zu den heimlichen Stars des Abends. Schelmisch machen sie sich über den Eheverlauf Gedanken. Ein sichtbar jung verliebtes Paar warnen die beiden, dass es schon in zehn Jahren mit den Gefühlen ganz anders aussehen könne. Markus Moosburger rät: „Heirate spät, dann dauert’s nicht so lang.“

Moderator Kirner freut sich, dass durch die zwei Gruppen der Nordoberpfälzer und der Südoberpfälzer Dialekt in einer Sendung vertreten ist. „Der Oberpfälzer Gesang hat seine eigenen Klanglaute und beim Oberpfälzer Couplet gibt es auch ein ganz eigenes Humorverständnis“, sagt Kirner. In den Brettl-Spitzen dürfen die Musiker „volle Kanne“ Oberpfälzisch singen und müssen sich nicht dem Oberbairischen anpassen.

Die Oberbayern verschaffen sich in der Sendung selbst Gehör. Norbert Heckner stimmt – mit seinem Akkordeonpartner Helmut Knesewitsch das Duo Isarmärchen – das legendäre „I bin der Stolz von der Au“ an. Bettina von Haken, die „Frau aus dem Volke“ definiert sich als Bayerns größter, selbst die LB vergessen lassender Geldschrank, da sie Alkohol als beste Anlageform sieht („Nirgendwo gibt es mehr Prozente!“) und in sie schließlich so Einiges hinein passe. Mit Bianca Bachmann und Anton Leiß-Huber aus Altötting gibt sie „A Bier will i ham“ zum Besten.

Leiß-Huber übernimmt die Rolle des Stenz. Er präsentiert sich als Giesinger Apache und stellt als Luigi die Frage: „Waren Sie schon mal in mich verliebt, das ist das Schönste, was es gibt?!“, ohne dass Veronika von Quast deshalb Klarheit auf ihre Frage „Warum spricht man immer nur von den anderen Frau’n und will auf mich nicht schau'n?“ erlangt. In zwei Sketchen mutieren Veronika von Quast und Bianca Bachmann zu zwei herrlich bösen Lästerschwestern.

Deftig und vergnüglich dreht die Couplet-AG alles und jeden durch den satirischen Fleischwolf. Tränen in die Augen treibt dem Publikum ein ganz besonderes Steuersparmodell: Beamtenpatenschaften. Das Ehepaar Klein stößt unvermutet auf sein Patenkind: den Finanzbeamten Herrn Nowotny. Bianca Bachmann begeistert mit einer Reminiszenz an Liesl Karlstadt und dem Chinesischen Couplet. Nur einer der vielen Momente während der Sendung, in denen die große Zeit der bayerischen Volkssänger wieder auflebt.

Künstler bei "Brettl-Spitzen II"

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht