MyMz

Jubiläum

OTH feiert 40 Jahre Mathematikstudium

1974 wurde der Studiengang an der Regensburger Hochschule eingerichtet. Drei Absolventen und ein Student berichten von ihren Erfahrungen.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Mit Hilfe der Eulerschen Polyederformel erklärt Prof. Dr. Rainer Löschel in seinem Vortrag „Der Ball ist rund, oder?“ die Form des Fußballs. Foto: Knobloch
  • Gerhard Glatz Foto: uniVersa
  • Ute Berndl Foto: privat
  • Dr. Manuel Landstorfer Foto: privat
  • Michael Janker Foto: Knobloch

Regensburg.Mit 40 Erstsemestern startete zum Wintersemester 1974/75 der Diplom-Studiengang Mathematik an der damaligen Fachhochschule Regensburg. 40 Jahre später feiert die Hochschule – nunmehr OTH Regensburg – das Jubiläum unter anderem mit einer „Langen Nacht der Mathematik“ an 2. Juli. „Wir wollen unseren Besuchern in lockerer Atmosphäre zeigen, in welchen Bereichen Mathematik eine Rolle spielt“, sagt Prof. Dr. Christine Süß-Gebhard. Und das sind eine Menge: Von der Versicherungsbranche über die Medizin bis hin zur Luft- und Raumfahrt. Mathematiker entwickeln etwa Algorithmen zur Routenoptimierung von Logistik-Unternehmen, neuartige Fahrdynamik-Modelle für E-Mobile oder finanzmathematische Verfahren zur Preisgestaltung von Derivaten, nennt Prof. Dr. Wolfgang Lauf nur einige Beispiele.

Als erste Fachhochschule in Bayern hatte Regensburg 1974 den Studiengang Mathematik eingeführt. Auch an der Universität Regensburg kann man Mathematik studieren. „An der Universität ist der Bezug zur Grundlagenforschung größer, an der Hochschule setzen wir dagegen stärker auf angewandte Mathematik“, sagt Lauf. Drei Schwerpunkte stehen an der OTH Regensburg zur Wahl: Aktuarwissenschaften (Versicherungsmathematik), Technik und seit dem Wintersemester 2001/2002 Informationstechnologie.

Vom Sachbearbeiter zum Vorstand

Zu den ersten Absolventen des Studiengangs gehört Gerhard Glatz, der von 1975 bis 1979 an der damaligen FH Regensburger Mathematik studierte. „Zu Beginn des Studiums hatte ich mir nur wenig Gedanken darüber gemacht, was ich nach Abschluss des Studiums konkret machen könnte“, so Glatz. Bei der Entscheidung hätten ihm die Praktika geholfen. Das erste absolvierte er bei der OBAG (Energieversorgung Ostbayern AG) in Regensburg im Bereich EDV, das zweite in der mathematischen Abteilung der uniVersa-Versicherungsgesellschaften in Nürnberg. Dort schrieb er später auch seine Diplomarbeit und trat nach seinem Abschluss eine Stelle als Sachbearbeiter in der mathematischen Abteilung der Versicherung an. Nach Stationen als Leiter dieser Abteilung und verantwortlicher Aktuar der Versicherungsgesellschaften wurde er 1996 Mitglied des Vorstands und im April 2009 Vorstandsvorsitzender.

Die Aufgaben eines Versicherungsmathematikers hätten sich seit seinem Berufsstart deutlich geändert, sagt Glatz: „War es früher im Wesentlichen die Berechnung von Versicherungsbeiträgen, Rückstellungen und deren Testierung sind Aktuare heute deutlich stärker im Bereich der Kapitalanlagen und deren Bewertung eingesetzt.“ Jungen Mathematikern, die Interesse an einem Job im Versicherungsbereich haben, rät er, die Zusatzausbildung zum Aktuar möglichst zeitnah nach Abschluss des Studiums zu beginnen.

Auch bei Ute Berndl, die von 1983 bis 1987 in Regensburg Mathematik studierte, gaben die Praxissemester den Ausschlag bei der Wahl des Studienschwerpunkts. „Das erste Praktikum habe ich im IT-Bereich gemacht, das zweite bei einer Versicherung – das lag mir näher“, erzählt sie. Nach dem Abschluss fing sie als mathematische Referentin im Bereich betriebliche Altersversorgung bei der Allianz an. Heute ist sie Head of Pensions and Benefits in der Allianz SE. „Um Mathematik zu studieren, muss man schon eine gewisse Liebe dafür haben, sich mit abstrakten Themen zu beschäftigen“, findet Berndl. Im Arbeitsleben sei dieses analytische Denken eine gute Voraussetzung, um einem Problem eine Struktur zu geben und es dann zu lösen. An ihr Studium in Regensburg und die gemeinsamen Kochabende im Studentenwohnheim denkt sie gerne zurück.

„Die Versicherungs- und Finanzmathematik ist ein sehr interessantes, spannendes und komplexes Feld“, sagt Dr. Manuel Landstorfer. Nach einem Praktikum in der Versicherungsbranche sei ihm aber klar geworden, wo er eigentlich hingehöre: „nämlich in die angewandte Mathematik und theoretische Physik“. Landstorfer studierte von 2003 bis 2007 an der Hochschule Regensburg Mathematik. Nach seinem Diplom entschied er sich für eine wissenschaftliche Karriere: In seiner Promotion an der Universität Ulm beschäftigte er sich mit der mathematischen Modellierung von Batterien. Heute ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe „Mathematische Modelle für Phasenübergänge in Lithium-Ionen Batterien“ am Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik in Berlin.

Bei der mathematischen Modellierung übersetze man ein reales Problem in einen „Formelapparat“, erklärt Landstorfer. Neben fundierten Kenntnissen der mathematischen Grundlagen und Programmierkenntnissen benötige man dafür eine strukturierte Denk- und Arbeitsweise. „Ich kann zurecht sagen, dass die Ausbildung der FH Regensburg mich gut auf all diese Anforderungen vorbereitet hat.“

„Mathe hat etwas Philosophisches“

Auch Michael Janker könnte sich vorstellen zu promovieren. Aktuell hat der 23-Jährige gerade sein Masterstudium Mathematik an der OTH Regensburg aufgenommen. Der Master wird seit dem Sommersemester 2010 angeboten, zuvor war der Studiengang zum Wintersemester 2007/08 von Diplom auf Bachelor umgestellt worden. Insgesamt sind derzeit rund 250 Studierende im Bachelor und weitere 35 Studierende im Master eingeschrieben.

Auch seinen Bachelor hat Michael Janker an der OTH Regensburg gemacht und sich für den Schwerpunkt Technik entschieden. In seiner Bachelorarbeit beschäftigte er sich mit Kryptographie – der Bereich IT-Sicherheit interessiert den Studenten. Schon in seinem Praxissemester hatte er sich mit Informatik beschäftigt und am Universitätsklinikum an einem Softwareprojekt zur Qualitätssicherung in der Strahlentherapie mitgearbeitet.

Die Mathematik an der Hochschule hebe sich deutlich von dem ab, was man an der Schule gelernt habe, sagt Janker. „Hier wendet man Konzepte nicht nur stur an, sondern versucht sie zu verstehen und auf andere Probleme anzupassen.“ Das analytische Denken, das man im Studium lerne, könne man auch in anderen Bereichen gut nutzen, finden Janker. „Man versucht etwa in Diskussionen viel zu schlussfolgern.“ Und überhaupt: „Mathematik hat etwas sehr Philosophisches.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht