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Pirat Körner kandidiert für Bundesvorsitz

Der 44-jährige Oberpfälzer möchte die Piraten nach turbulenten Monaten zu Erfolgen lenken. Das Ziel: fünf Prozent bei der nächsten Bundestagswahl.
Von Christine Schröpf, MZ

  • Aus dem leicht chaotischen Heer der Piraten sticht Landeschef Stefan Körner heraus. Nun greift er nach dem Bundesvorsitz. Foto: dpa
  • Im Mai 2012 enterte Stefan Körner die Facebook-Party von CSU-Chef Horst Seehofer in der Münchner Nobeldisco P1. Foto: dpa

Neumarkt.Er ist uneitel, strukturiert, nervenstark: Eigenschaften, die der Oberpfälzer Stefan Körner in seinen drei Jahren an der Spitze der bayerischen Piraten gut gebrauchen konnte. Jetzt greift er nach dem nächsten Ziel: Beim Bundesparteitag Ende November in Bremen kandidiert er als Bundesvorsitzender. Er möchte die Nachfolge von Bernd Schlömer antreten, der auf eigenen Wunsch die Segel streicht. Der 44-jährige Körner verbreitete die Nachricht in eigener Sache am Dienstagmittag piratengemäß per „Blogpost“ über das soziale Netzwerk Twitter. Parteifreunde sollten es auf diesem Weg als erstes und zeitgleich erfahren. „Ich kandidiere mit einem Ziel“, schrieb er. „Bei der nächsten Bundestagswahl werden die Piraten fünf Prozent bekommen. Dafür stehe ich persönlich.“ Körner rechnet sich bei der Abstimmung in Bremen gute Chancen aus. „Sonst würde ich nicht kandidieren“, sagt er selbstbewusst.

Gerüchte um Marina Weisband

Noch ist allerdings unklar, welche Gegenkandidaten ins Rennen gehen. Gerüchteweise kursieren einige Namen: Marina Weisband, die bereits 2011 bis 2012 als politische Geschäftsführerin und Mitglied im Bundesvorstand populär wurde, bevor sie sich unter anderem aus gesundheitlichen Gründen zurückzog. Martin Delius, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, der allerdings als Leiter des Untersuchungsausschusses zum Berliner Flughafen schon stark ausgelastet ist. Und Bruno Kramm – der Münchner Pirat mit dem Cowboyhut ist Musikproduzent und war Spitzenkandidat auf der Liste für die Landtagswahl.

Körner ist selbstständiger Informatiker und Vater von zwei Töchtern. Er gilt als Konservativer unter den bayerischen Piraten. Aus der ansonsten zu leichtem bis mittlerem Chaos neigenden Gruppe sticht er hervor. Politisch widmet er sich den Kernkompetenzen der Piraten: Datenschutz, Bürgerrechte, politische Teilhabe. Zuletzt protestierte er gegen die geplanten Drohnenflüge der US-Armee über die Oberpfalz. Als einer der wenigen hat es Körner in den vergangenen Jahren auch landespolitisch zu einiger Bekanntheit gebracht. Im Mai 2012 tauchte er etwa bei der Facebook-Party von CSU-Chef Horst Seehofer auf und überreichte ihm einen Parteiausweis. Seehofer zeigte sich amüsiert. „Unterschreiben tu ich ihn nicht, aber aufheben. Man weiß ja nicht, welchen Koalitionspartner man in zehn Jahren noch braucht“, sagte er.

Mitte 2012 lagen die Piraten in Umfragen allerdings noch bei sieben bis acht Prozent. Sie schienen sich als feste Größe auch in der bayerischen Landespolitik zu etablieren. Danach begann ein unaufhaltsamer Sinkflug. Bei der Landtagswahl erreichte die Partei nur mehr zwei Prozent, im Bund 2,2 Prozent. Das Scheitern, so glaubt Körner, habe die eigene Partei zur Besinnung gebracht. „Wir haben schmerzlich erfahren, dass wir bestimmte Dinge verändern müssen, um eine Chance auf politische Mitbestimmung zu haben.“ Es sind Dinge, auf die Körner bisher immer vergeblich gedrängt hatte und die auf eine Professionalisierung der Piraten hinauslaufen: Interne Streitigkeiten sollen nicht exzessiv in der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Vorsitzende sollen mehr Spielraum erhalten, Positionen nach außen zu vertreten, ohne sofort scharf kritisiert zu werden. „Noch zwei, drei Landtagswahlen, bei denen wir scheitern, und wir können unsere Bemühungen einstellen“, sagt Körner. „Mit einer Zwei-Prozent-Partei macht man keine Politik“, sagt Körner.

Britz als Nachfolgerin in Bayern?

Sein Zeit als Landesvorsitzender ist Ende des Monats vorüber. Schon vor knapp zwei Wochen hatte Körner verkündet, dass er beim Landesparteitag am 26. und 27. Oktober in Sonthofen nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung steht. „Ich habe es drei Jahre lang gemacht. Ich denke das reicht. Jetzt sollte ein anderer sein Glück versuchen“, sagte er, ließ aber bereits durchblicken, dass er sich weiter aktiv politisch einmischen wird. Seit Dienstag ist klar, was er dabei im Blick hatte. Als aussichtsreichste Kandidatin für seine Nachfolge in Bayern gilt die Münchner IT-Fachfrau Nicole Britz.

Erste Reaktionen auf die Kandidatur Körners für den Bundesvorsitz fielen gemischt aus. Im Netzwerk Twitter schlug dem 44-Jährigen viel Gegenwind entgegen. „Die Kandidatur ist aus meiner Sicht ein Witz“, postete ein Pirat mit dem Spitznamen„MenschZwoNull“. Rilo Kiley lästerte über Körners ehrgeiziges Ziel . Er stehe für vermeintliche fünf Prozent bei der nächsten Bundestagswahl, aber auch für zwei Prozent bei der letzten Landtagswahl. Pirat Parzival gab Körner eine Chance. „Für welche großen gesellschaftlichen Ziele brennst du?“, fragte er.

Körner reagierte gelassen. „Das Kritik und Unmutsäußerungen bei uns laut geäußert werden, ist normal.“ Es habe per Telefon und Email aber auch sehr viele erfreute Reaktionen gegeben.

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