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Bayern

Tanja Schweigers letzter Tag im Landtag

Trotz neuem Traumjob als Regensburger Landrätin erfasste die 35-Jährige ein wenig Wehmut. Sie hatte fünfeinhalb Jahre dem Maximilianeum angehört.
Von Christine Schröpf, MZ

Auch CSU-Kollegen mögen sie: Tanja Schweiger (Freie Wähler).Foto: dpa

München.Am Ende ihrer letzten Woche im Landtag packt die Noch-Abgeordnete Tanja Schweiger dann doch der Abschiedsschmerz. „Da ist schon viel Wehmut“, gibt die 35-Jährige zu. Am Dienstag hatte sie ihren letzten Plenartag absolviert und letztmals eine Besuchergruppe aus der Oberpfalz empfangen. Am Mittwoch stand ihre letzte Sitzung als Vizevorsitzende des Kommunalausschusses auf der Agenda – dort fiel am Vormittag auch ihre letzte Entscheidung: Ein Bürger, der sich nach 50-maliger Kontrolle von der Polizei wegen seiner Herkunft benachteiligt fühlte, hatte eine Petition eingereicht, die aber parteiübergreifend abgewiesen wurde. „Es handelte sich wohl um eine Verkettung von Zufällen“, so Schweigers Einschätzung.

Fünfeinhalb Jahre gehörte die Freie-Wähler-Frau dem Landtag an. Ab Mai tauscht sie das Mandat gegen ihren Traumjob. Sie wird Regensburger Landrätin. Das fegt die Traurigkeit ruckzug wieder weg. „Ich habe eine neue Aufgabe. Und darauf freue ich mich auch.“ Bei den Stichwahlen im März hatte sie mit 60,88 Prozent den CSU-Politiker Peter Aumer besiegt.

Schweiger hat gute Kontakte in alle Landtagsfraktionen – viele davon hatte sie gleich in den ersten zweieinhalb Jahren als Parlamentarische Geschäftsführerin der Freien Wähler geknüpft. Man könne nichts gegen sie sagen, sie sei „halt leider nur in der falschen Partei“, war immer wieder aus den Reihen der CSU zu hören. Das ebbte erst ab, als ihre Liebesbeziehung zu Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger bekannt wurde.

Das Paar hat inzwischen einen gemeinsamen Sohn, den zweieinhalbjährigen Laurenz. Er war öfters im Landtag zu sehen und wurde an manchen Sitzungstagen von seiner Mama ganz selbstverständlich ins Plenum mitgenommen – auch um bewusst ein Zeichen zu setzen. Politik und Elternschaft müsse sich gut vereinbaren lassen, sagt Schweiger. „Es wäre schlimm, wenn Politiker keine Kinder haben könnten.“ Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) nennt sie auf diesem Feld als beispielhafte Vorreiterin. „Sie hat als Abgeordnete ihr drittes Kind bekommen und ist trotzdem ihre Frau gestanden.“

Im Landtag fiel Schweiger immer wieder durch Hartnäckigkeit auf, brachte damit auch die Regierungspartei CSU auf Trab. Beim Kampf um eine Therapieeinrichtung für pädophil veranlagte Männer in Regensburg schob sie kräftig an. Dort soll verhindert werden, dass die Patienten überhaupt zu Tätern werden.

Schweiger machte ebenso bei der Finanzierung eines Lehrstuhls für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Regensburg Druck. Als Landrätin will sie den Fall weiter im Blick behalten. Die Stelle sei trotz vorhandener Mittel noch nicht ausgeschrieben, sagt sie. Bezirkstagspräsident und Landratskollege Franz Löffler (CSU) bestätigt am Mittwoch auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung den Sachverhalt. Es fehle bisher die verbindliche Zusage des bayerischen Wissenschaftsministeriums, den Lehrstuhl auch nach einer dreijährigen Startphase weiterzufinanzieren. „Ich will einen konkreten Vertrag“, sagt er. Der Bezirk beteiligt sich selbst mit einer hohen sechsstelligen Summe an den Kosten.

Zähigkeit zählt im neuen Job zu Schweigers Stellenbeschreibung. Sie ist ab Mai eine von 13 Landräten der Freien Wähler in Bayern. In Regensburg will sie unkonventionelle Wege gehen. Trotz fehlender eigener Mehrheit im Kreistag wird sie keine Koalitionsverhandlungen führen, stattdessen mit wechselnden Mehrheiten regieren. Sie habe schließlich im Wahlkampf versprochen, eine Landrätin „für alle“ zu sein.

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