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Tee färbt die Weißwurst grün

Werner Gropp hat zusammen mit einem befreundeten Metzger die „Matcha-Wurst“ erfunden – eine grüne Weißwurst. Der Patentantrag ist eingereicht.
Von Mario Geisenhanslüke, MZ

  • Die grüne Weißwurst aus Oberholzhausen. Foto: Gropp/privat
  • Erfinder Werner Gropp (links) und Metzger Markus Hinterberger. Foto: Gropp/privat

Altötting.Sie ist ein bayerisches Kulturgut. Wer es genau nimmt, isst sie nur vor zwölf Uhr am Tag. Auch das „Wie“ ist vielerorts klar geregelt. Wer gemeint ist? Die Weißwurst natürlich. Das Bild ist immer ähnlich: Sie liegt nebst süßem Senf und einer Breze auf dem Teller. Ein wenig Petersilie steckt im Brät, ansonsten ist sie strahlend weiß. Das dachte man zumindest – bis Werner Gropp aus Oberholzhausen im Landkreis Altötting mit dieser Tradition gebrochen hat. Der 55-Jährige darf sich „Erfinder der grünen Weißwurst“ nennen. Für seine „Matcha-Wurst“ hat er bereits über einen Fachanwalt einen europäischen Patentantrag in München eingereicht.

Die Idee wurde im Feuerwehrauto geboren

„Das war schon fast schon ein Sakrileg“, erinnert sich Werner Gropp im Gespräch mit der MZ zurück. Dabei hat er mit Weißwurst-Produktion eigentlich nichts zu tun. Früher war Gropp in der Industrie tätig und hat die Welt bereist, heute ist er Dozent für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftswissenschaften an verschiedenen Universitäten und Akademien. Auf seinen vielen Reisen nach Japan ist er mit Matcha in Berührung gekommen. Bei Matcha handelt es sich um grünen Tee, der zu feinstem Pulver zermahlen ist. Er wird in der japanischen Teezeremonie verwendet. „Matcha habe ich dann mit nach Hause genommen, weil der Tee mir persönlich sehr gut schmeckt. Wer grünen Tee mag, wird sich darin unsterblich verlieben“, sagt Gropp.

Die Idee, Matcha bei der Weißwurst-Produktion einzusetzen, sei ihm im Feuerwehrauto gekommen. Auf einer Einsatzfahrt bei Blaulicht, so schildert er es, habe er seinen Freund und Metzger Markus Hinterberger gefragt, ob es generell möglich sei, der Weißwurst etwas beizumischen. „Dann haben wir uns zusammengetan, er hat von seinem Brät etwas beiseite genommen und wir haben die ersten grünen Weißwürste produziert.“ Viel anders als die herkömmliche Wurst soll ihr grüner Bruder indes nicht schmecken, erzählt Gropp gut gelaunt am Telefon: „Wer Matcha-Tee schon einmal getrunken hat, erkennt den Geschmack – aber er dominiert nicht.“

Eine kontroverse Diskussion

Dass daraus ein solcher Hype entstehen würde, hatte sich Gropp nie träumen lassen. Angefangen hat alles mit einem Bericht der örtlichen Lokalzeitung. Seither gibt es Medienanfragen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland bis hin nach Japan. Für das Wochenende hat sich der BR mit einem Kamerateam angekündigt, auch Sat1, Pro7 und N24 werden in dem kleinen Dorf erwartet.

Aus seiner Idee für die grüne Wurst will Werner Gropp in Zukunft wohl auch Kapital schlagen. „Ich freunde mich allmählich mit dem Gedanken an“, sagt er. Konkrete Anfragen gebe es schon von einem deutsch-niederländischen Großkonzern und einem Fleisch- und Wurstproduzenten aus Japan. Aber er sei auch im Gespräch mit einem mittelbayerischen Unternehmen, das für einen deutschen Großkonzern produziert.

Solange soll die Wurst aber von Markus Hinterberger nochmals im eigenen Betrieb aufgelegt und im väterlichen „Gasthof Hinterberger“ verkauft werden. „Die Nachfrage ist unglaublich“, sagt Werner Gropp.

Kritiker sehen in Gropps Idee nichts anderes als einen Angriff auf urbayerisches Kulturgut. Allerdings sei die anfängliche Skepsis bei vielen mittlerweile in Neugier umgeschlagen, sagt Gropp. Verstehen kann der Erfinder die Kritik nicht so recht: „Es gehört ja auch zu Bayern, für Innovationen offen zu sein und Dinge auszuprobieren. Es ist ja keine Verpflichtung und schon gar nicht als Ersatz für die Weißwurst gedacht.“

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