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Justiz

Urmann versäumt Prozess in Potsdam

Nächste Schlappe für den Regensburger Anwalt. Ein Gericht entschied in Abwesenheit Urmanns und seines Mandaten: Die Abmahnungen waren unberechtigt.

Morddrohungen, Erpresserschreiben, Polizeischutz: Thomas Urmann gefiel sich lange in der Rolle des Advokaten der Pornoindustrie. Nun unterliegt er vor immer mehr Gerichten. Foto: Archiv/ altrofoto.de

Regensburg.Die Prozesswelle gegen Thomas Urmann und seinen Mandanten, die Schweizer Firma „The Archive AG“, dauert weiter an. Der Regensburger Jurist hatte Ende 2013 zehntausende Nutzer einer Porno-Website abgemahnt, die aus Sicht Urmanns gegen das Urheberrecht verstoßen haben. Ein öffentlicher Aufschrei folgte – bis dato hatte es niemand gewagt, Nutzer zu belangen, die sich im Internet ein Video gestreamt haben. Seither sehen sich Urmann + Collegen diversen Vorwürfen (Betrug, Erpressung, sittenwidriges Verhalten) ausgesetzt. Das Amtsgericht Potsdam hat am Mittwoch einem Teil der Abgemahnten Recht gegeben. Das meldete die Essener Kanzlei Anka, die mehrere Feststellungsklagen vor dem Amtsgericht angestrebt hatten, um die Rechtslage zu klären. Das Gericht entschied nun: Die Abmahnungen seien unberechtigt gewesen. Da weder Urmann noch sein Mandant in Potsdam erschienen, erging ein „Versäumnisurteil“. Demnach stehe der Firma „The Archive AG“ laut Rechtsanwalt Alexander Hufendiek kein Unterlassungsanspruch und Zahlungsanspruch zu. Ferner müsse die Schweizer Firma die Kosten des Prozesses tragen. Urmann und „The Archive“ können gegen diese Entscheidung Einspruch einlegen.

Regensburg ermittelt weiter

Rechtsanwalt Thomas Urmann war am Freitag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein Mitarbeiter von U + C bestätigte aber, dass Urmann inzwischen das Krankenhaus verlassen hat und am Freitag wieder in seiner Kanzlei gearbeitet habe. Vor knapp drei Wochen hätte sich Urmann vor einem Schöffengericht in Augsburg wegen Insolvenzverschleppung verantworten sollen. Der Prozess ist damals geplatzt, weil Urmann „verhandlungsunfähig erkrankt“ war. Unterdessen geht die juristische Aufarbeitung der Staatsanwaltschaft Regensburg weiter, ob im Zuge der Massenabmahnungen ein betrügerisches Verhalten seitens Urmanns vorliegt und ob die Kanzlei U+C ohne Rechtsgrund Abmahnpost verschickt habe. Oberstaatsanwalt Dr. Wolfhard Meindl bestätigte der MZ: „Die Ermittlungen dauern an.“ Ob und wann es zum Prozess kommt, konnte Meindl noch nicht beantworten. Die Anklagebehörde prüft die Sache bereits seit Ende 2013. (pd)

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