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Verfolgung

Weltkirchenrat sorgt sich um Christen

Der Weltkirchenrat sorgt sich um verfolgte Christen in Ländern wie Ägypten, Pakistan oder Syrien. Für Streit sorgt der Umgang mit Homosexualität

Dem Weltkirchenrat gehören gut 345 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische sowie Freikirchen mit rund 500 Millionen Christen an. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied. Foto: epd

Busan.Die Russische Orthodoxe Kirche verurteilt die liberale Haltung westlicher Kirchen im Umgang mit der Homosexualität. Auf der Vollversammlung des Weltkirchenrates im südkoreanischen Busan attackierte der „Außenminister“ des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, zudem die rechtliche Aufwertung homosexueller Lebensgemeinschaften in Westeuropa. Die Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare mit heterosexuellen Ehepaaren führe zu einer „Vernichtung der traditionellen Vorstellung von Ehe und Familie“.

Einig sind sich die Kirchenvertreter in der Sorge um verfolgte Christen in islamischen Ländern. Auf der 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) wollen die gut 350 Mitgliedskirchen des Dachverbandes einen Appell gegen die Unterdrückung der Christen verabschieden. „Es ist die Rolle der Kirchen, die Stimme derjenigen zu sein, die leiden“, sagte ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit am Donnertag im südkoreanischen Busan.

Zugleich gaben Delegierte zu bedenken, dass eine zu eindeutige Position westlicher Kirchen für Christen in der islamischen Welt zu einer gegenteiligen Wirkung führen könnte. Die Unterdrücker von Christen würden ihre Wut über die Proteste aus dem Westen erneut an den Mitgliedern christlicher Kirchen auslassen.

Christenverfolgung nimmt dramatische Ausmaße an

Die Verfolgung von Christen in einzelnen islamischen Staaten nahm in den vergangenen Jahren dramatische Ausmaße an. So wurden Hunderttausende Christen aus dem Irak vertrieben. In Pakistan etwa richtet sich ein Gesetz gegen Gotteslästerung vor allem gegen Christen, aber auch andere religiöse Minderheiten wie Hindus. Vor der Gewalt im Bürgerkriegsland Syrien flohen Zehntausende Christen.

Der Umgang mit Homosexuellen ist unter den 350 Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen umstritten. Während die protestantischen Kirchen Westeuropas eine liberale Politik gegenüber Homosexuellen befürworten und zum Teil Trauungen für Homo-Paare in Kirchen erlauben, verurteilen führende Repräsentanten der Russischen Orthodoxen Kirche Homosexualität. Die russisch-orthodoxe Kirche ist zahlenmäßig die größte der 350 Mitgliedskirchen des Weltkirchenrates.

Metropolit Hilarion, der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, geißelte auch das Recht auf Adoption von Kindern für gleichgeschlechtliche Paare. „Kinder, die in Familien mit ’zwei Papas‘ oder ’zwei Mamas‘ aufwachsen, werden unweigerlich eine andere Sichtweise der gesellschaftlich-ethischen Werte haben als ihre Altersgenossen aus traditionellen Familien“, sagte er. Eine Folge der „radikalen Umdeutung des Begriffs Ehe“ sei der Rückgang der Geburtenrate in vielen Ländern.

Erzbischof von Canterbury unterstützt den Papst

Der Metropolit prangerte zugleich eine „kolossale“ Christenverfolgung in islamischen Ländern als Verbrechen an. In immer mehr islamischen Staaten würden Christen das Opfer von blindwütigem Hass und Gewalt. Hilarion nannte den Irak, Syrien, Ägypten, den Sudan, Afghanistan und Pakistan.

Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, unterstützte die Forderung von Papst Franziskus nach einer „armen Kirche für die Armen“. Für die Ziele Frieden und Gerechtigkeit müssten Opfer gebracht werden, sagte das Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England in Busan. Welby ist seit März Erzbischof von Canterbury und damit auch Primas von rund 85 Millionen Anglikanern weltweit.

Auf der bis 8. November dauernden ÖRK-Vollversammlung mit mehr als 3.000 Teilnehmern geht es unter anderem um globale Themen wie Armut, Klimawandel und Frieden. (epd)

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