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Wölfe sind auf dem Vormarsch

In der Lausitz gibt es bereits Rudel, auch in der Lüneburger Heide haben sich Wölfe angesiedelt – andere Landesteile könnten folgen, meint ein Experte.

Dieser Wolf lebt im Lohberger Tierpark – aber auch die Zahl wilder Rudel nimmt in Deutschland zu. Foto: dpa

München. Wölfe sind nach Einschätzung eines Experten in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. Allein in früheren Braunkohlegebieten in der Lausitz lebten bereits knapp 80 Wölfe; auch in der Lüneberger Heide habe sich das Raubtier wieder angesiedelt, berichtete der Wolfsexperte des Bund Naturschutzes in Bayern (BN), Christian Hierneis, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Von den äußeren Bedingungen könnte sich der Wolf in Deutschland wieder ausbreiten – wenn man ihn lässt“, betonte Hierneis. In den vergangenen Tagen hatte es Hinweise auf einen Wolf im südlichen Mittelfranken gegeben.

Wölfe seien bekannt dafür, dass sie auf der Suche nach einem neuen Revier manchmal bis zu 1500 Kilometer weit durch Europa ziehen. Dabei gerieten Tiere aus Italien, der Schweiz, Österreich oder Rumänien auch immer wieder nach Deutschland. So sei erst im Jahr 2010 ein Wolf im oberbayerischen Bayrischzell nachgewiesen worden. Da die Tiere extrem scheu seien, blieben viele Wölfe unentdeckt. Meist rissen sie Rehwild. Aufmerksam würden Menschen auf sie erst, wenn sie sich Schafe oder andere Weidetiere als Beute aussuchen.

Deutschland bietet den Tieren gute Voraussetzungen

Daher gebe es die größten Vorbehalte gegen Wölfe naturgemäß bei Viehhaltern. Zwar könnten sich Hirten und Landwirte mit speziellen Weidezäunen oder Hunden gegen die Beutegreifer schützen. „Doch wegen der Kosten sind viele Viehalter nicht so begeistert davon“, erläutert Hierneis. Für die Bevölkerung in einer von Wölfen besiedelten Region stellten die Raubtiere dagegen keine Gefahr dar – auch wenn der Mythos vom bösen Wolf immer noch in den Köpfen vieler Menschen herumspuke. Wölfe seien so scheu, dass selbst Forscher große Probleme hätten, sie in der freien Natur zu beobachten.

„In Europa – ohne Russland – leben etwa 20.000 Wölfe. Trotzdem hat es in den vergangenen 50 Jahren nur fünf Fälle gegeben, in denen sie Menschen angefallen haben. In vier Fällen hatten die Raubtiere die Tollwut, in einem Fall wurde ein Wolf von Menschen angefüttert, was sein Wesen verändert hat“, skizziert Hierneis die Gefahr.

Für eine Wiederansiedlung von Wölfen bietet Deutschland trotz seiner hohen Siedlungsdichte gute Bedingungen. „Der Wolf braucht keine Wildnis, er kann gut in einer Kulturlandschaft leben. Er darf nur nicht permanent gestört werden und muss einen ausreichenden Rehwildbestand vorfinden“, erläutert der Fachmann. Diese Bedingungen seien in Deutschland erfüllt. Da ohnehin viele Forstgebiete unter einem hohen Wildbestand litten, würde er sogar wieder das ökologische Gleichgewicht herstellen. Da er meist nur die älteren, schwächeren und kranken Tiere reiße, sorge der Wolf zugleich für eine natürliche Auslese. (dpa)

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