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"Age of Wonders: Planetfall" im Test

Das Beste von allen anderen?

Fantasy-Genre ade! Mit "Planetfall" bricht die populäre Strategiereihe "Age of Wonders" ins Weltall auf, hält sich dabei aber trotzdem an die Spielmechanismen seiner fantastischen Vorgänger.

  • Packender Strategie-Taktik-Mix mit kleinen Schönheitsfehlern: Für "Planetfall" verlässt die "Age of Wonders"-Serie das Fantasy-Genre und bricht zu den Sternen auf. Foto: Koch Media
  • Die meisten Aliens sind in "Planetfall" keine spielbaren Fraktionen. Allerdings fühlen sich auch die sechs spielbaren Klassen oft wie Außerirdische an, obwohl sie ursprünglich (mit einer Ausnahme) vom Menschen abstammen. Foto: Koch Media
  • Das Imperium verwalten, Städte bauen und Ressourcen managen: der Strategie-Modus des Spiels Foto: Koch Media
  • Ähnelt den Zug-um-Zug-Gefechten der "XCOM"-Reihe: der Taktik-Modus von "Planetfall". Foto: Triumph Studios / Paradox
  • Gehört zu den wenigen Menschen-Rassen, die noch als solche erkennbar ist: die Vanguard. Foto: Koch Media
  • "Planetfall" bietet viele verschiedene Terrain-Typen, leider mangelt es ihm hin und wieder an visuellen Details. Foto: Koch Media
  • "Planetfall" ist zwar halbwegs hübsch, aber leider ziemlich altmodisch präsentiert: Nur wer nichts dagegen hat, sich durch einen Dialog-Wust aus Textboxen zu klicken, wird mit dem Spiel warm. Foto: Koch Media

Nach über fünf Jahren endlich wieder ein "Age of Wonders": Das schwedische Entwicklerstudio Triumph beamt seine ursprünglich Fantasy-lastige Mischung aus Aufbau-, Strategie- und Brettspiel mit "Planetfall" in den Weltraum - allerdings ohne wie ein "Masters of Orion" Kämpfe oder Strategie im Weltraum zu bieten. Stattdessen spielt sich bei "Planetfall" alles auf der Planeten-Oberfläche ab: Das gilt ebenso für den Strategie-Modus, in dessen Verlauf der Spieler wie bei "Civilization" Ressourcen managt, Gebäude errichtet, forscht und sein Imperium verwaltet wie für die Taktik-Komponente.

Letztere erinnert passionierte Bildschirm-Generäle vor allem an die beliebte "XCOM"-Reihe: Kommt es auf der Oberwelt-Karte zum Gefecht, wird in den erweiterten Taktik-Modus gewechselt, wo sich Dinosaurier-reitende Weltraum-Amazonen, Leichen-fressende Cyborg-Zombies und SciFi-Zwerge auf Hexfeld-Bodenrastern begegnen. Hier wird in althergebrachter Genre-Tradition Zug um Zug gekeilt, geplant und das Feuer eröffnet. Vorzugsweise aus sicherer Deckung heraus - denn "Planetfall" bietet eine ganze Fülle aus Spezialfähigkeiten, Gelände-Features und Taktik-Optionen, mit denen Genre-Profis raffinierte Züge planen und die überraschend kompetenten Computer-Feinde ausmanövrieren können.

1. Die schrägsten Völker des Strategie-Genres

Das eigentliche Highlight des lang erwarteten Strategie-Titels ist allerdings das Szenario: Hierfür haben die Triump Studios mit viel Liebe zum futuristischen Detail ein Universum entworfen, das seine besten Zeiten schon lange hinter sich hat. Nach Jahrtausenden der erfolgreichen Expansion ist das Sternen-Reich der Mensch in voneinander unabhängige Sektoren zerfallen und haben sich dessen Bewohner auf so unterschiedliche Weise entwickelt, das man sie teilweise nur noch schwer als Menschen identifizieren kann.

So sind die Insekten-haften Kir'Ko zwar die einzige echte Alien-Rasse des Spiels, aber ursprünglich auf Menschen zurückgehende Klassen wie die Zombie-Cyborgs, Weltraum-Zwerge oder Amazonen fühlen sich ebenfalls wie Außerirdische an. Eher normal machen sich da schon die Angehörigen des kapitalistischen "Syndicates" oder die kriegerischen "Vanguard" aus. Genre-typisch glänzt jedes Volk mit verschiedenen Spezialangriffen und Schwächen: Diese kunstvoll einzusetzen und zu kompensieren, gehört zu den größten Herausforderungen des Spiels. Zumindest in der Theorie.

2. Die enorme Komplexität

Denn leider ist ein Gros der brachialen Options- und Feature-Wut bei "Planetfall" reine Augenwischerei: Ganz gleich, mit welchem Spezialangriff und welcher Extra-Taktik man eine feindliche Einheit flambiert, elektrisiert oder platt walzt - der Effekt bleibt der Gleiche. An dieser Stelle verliert sich das neue "Age of Wonders" in der von seinem ausgefuchsten Szenario vorgegebebenen Komplexität, ohne sie in sinnvolle Spielmechanismen zu übersetzen.

Stattdessen drohtder Spieler in einer Flut aus Optionen zu ertrinken, die er größtenteils überhaupt nicht braucht, um erfolgreich zu sein. Ähnliches beim Deckungs-Mechanismus in den Taktik-Schlachten: Das ebenfalls aus der "XCOM"-Reihe bekannte Spiel-Element, bei dem sich Einheiten hinter Felsen, Kisten oder Gebäuden verkrümeln, um feindlichem Beschuss zu entgehen, ist schlicht überflüssig. Denn mindestens die Hälfte aller Einheiten-Typen verfügt über Manöver, mit dem sie die Deckung sowieso umgehen oder zerstören kann.

Wer einen atmosphärischen und umfangreichen Strategie-Taktik-Mix sucht, der die ausgetretenen Fantasy-Pfade verlässt, für den könnte "Planetfall" das Richtige sein. Allerdings schafft es das Spiel in keiner seiner beiden Disziplinen zur Meisterschaft: Strategisch ist es nicht so fein ausbalanciert und facettenreich wie ein "Civilization: Beyond Earth", auf dem Taktik-Parkett wiederum wird es von "XCOM" ausmanövriert. Reizvoll ist es trotzdem, weil der Mix stimmt und obendrein durch ein interessantes Setting versüßt wird.

Robert Bannert

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