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"Ring Fit Adventure" im Test

Ein Ring, um sie zu trainieren

Bezwinge den Body-Builder-Drachen - und den inneren Schweinehund: Nach dem Erfolg von "Wii Fit" liefert Nintendo in "Ring Fit Adventure" ein Switch-exklusives Fitness- und Bauch-weg-Programm mit Adventure-Komponente.

  • Ersetzt kein Fitness-Center, lässt aber trotzdem jede Menge Schweißtropfen über den Gamer-Körper kullern: der Kampf gegen den Body-Builder-Drachen Draco in "Ring Fit Adventure". Foto: Nintendo
  • Die Zubehör-Kombi aus Ring und Beinschlaufe ist angenehm leicht. Allerdings sollte man genügend Platz vor dem Fernseher haben, um effektiv trainieren zu können. Foto: Nintendo
  • Die fantastische Reise durch die Fitness-Fantasy-Welt spielt mit meditativen Motiven aus der japanischen Kultur. Foto: Nintendo
  • Um den muskulösen Avatar in Bewegung zu kriegen, muss der Spieler auf der Stelle joggen. Foto: Nintendo
  • Zum Fliegen und Schweben spreizt beziehungsweise komprimiert der Spieler den Ring. Foto: Nintendo
  • Fast alle den Oberkörper betreffenden Übungen im Spiel werden mit dem Ring absolviert - und das macht sogar richtig Spaß! Foto: Nintendo
  • Wer kaputte Knie hat, der hat auch mit "Ring Fit Adventure" ein Problem: Der Trainingsplan umfasst viele Übungen, bei denen der Spieler in die Hocke gehen und die Position dann für einige Zeit halten muss. Foto: Nintendo
  • Beim "freien Training" überträgt das Spiel die Bewegungen vor dem Fernseher in hübsch gestaltete Mini-Games. Foto: Nintendo
  • Hier soll der Spieler durch Zusammendrücken des Rings eine Vase formen, die dem vorgegebenen Bild links so nah wie möglich kommt. Foto: Nintendo
  • Strengt sich der Spieler genug an, gehen die Haare seines Avatars in Flammen auf. Foto: Nintendo

Mit seinem digitalen Fitness-Programm "Wii Fit" feierte Nintendo auf seiner Wii-Konsole phänomenale Erfolge - zu einer Zeit, als Bewegungssteuerung wie mit den Wii-Controllern oder dem "Wii Fit"-Balance-Board in aller Munde war. Mittlerweile hat sich der Hype um die Zappel-Steuerung zwar beruhigt, aber mit seiner Switch hält Nintendo trotzdem hartnäckig an dem Konzept fest: Die abnehmbaren Joy-Con-Seitenschiffe des Hybrid-Systems besitzen ähnliche Funktionalitäten wie die Motion-Control-Elemente der Wii. Mit den "Labo"-Bastel-Sets bewies der Hersteller bereits eindrucksvoll, wie flexibel und präzise seine Steuerungs-Elemente sind - darum versucht man sich jetzt einmal mehr an einem digitalen Bauch-weg-Trip.

Deutlicher Unterschied zum großen Vorbild "Wii Fit": Ein schweres Balance-Board befindet sich nicht in der Box, stattdessen findet der Spieler dort den angenehm leichten und unsperrigen Ring, der "Ring Fit Adventure" zu seinem Namen verhilft. Der nächste wichtige Unterschied: Wo "Wiit Fit" noch eine Art interaktives Fitness-Video war, da bettet das "Ring Fit Adventure" die schweißtreibenden Übungen in einen Rollenspiel- und Adventure-verwandten Kontext.

Besiege den Body-Builder-Drachen

Dafür geht der Spieler auf eine Art Fitness-Reise, an deren Ende immer ein Kampf gegen den durchtrainierten Boss-Drachen Draco steht. Um sein Konterfei durch die bunte Fantasy-Welt zu steuern, joggt der Spieler auf der Stelle - für die Übertragung seiner Bewegungen koppelt er vorher ein Joy-Con mit dem Ring, das andere verstaut er in einer Klettverschluss-Schlaufe für den linken Oberschenkel. Dadurch erkennt die Switch, ob der Spieler läuft, Kniebeugen macht, sich zwecks Bauchmuskel-Training auf den Rücken legt oder bei gymnastischen Übungen die Position des Rings verändert. Außerdem lässt sich das Zubehör zusammendrücken und auseinanderziehen - genau das Richtige für alle, die gerne stämmige Oberarme hätten.

Dabei werden alle Trainings-Einheiten mit hübsch illustrierten Ereignissen in der Spielwelt verknüpft: Während sich der Spieler joggend über Pfade, Treppen und Hochwege bewegt, zerballert er Kisten (Ring zusammendrücken), saugt Gegenstände auf (Ring dehnen) oder entfremdet das Zubehör als eine Art Raketendüse (nach unten richten und dehnen), mit der sich über Abgründe schweben lässt. Kommt es unterwegs zu Begegnungen mit Dracos sportelnden Schergen, dann wird Runde für Runde ein Gefecht nach Rollenspiel-Art ausgetragen. Ob die verschiedenen Angriffe gelingen und man feindliche Attacken abwehren kann, entscheidet das Programm anhand verschiedener Übungs-Einheiten. Nur wer tapfer cruncht, kniebeugt oder den Ring bearbeitet, befördert das Monster erfolgreich in die Body-Building-Hölle.

Anstrengender als gedacht

Trotz der hübschen Verpackung versteckt sich hinter dem "Ring Fit Adventure" ein ebenso knallhartes wie schweißtreibendes Aufmöbel-Programm, dass aus Couch-Potatoes bewegliche Muskelpakete machen will. Und tatsächlich: Dank einer ganzen Fülle verschiedenster Optionen, mit denen man das Programm den persönlichen Fitness-Bedürfnissen anpassen, einen Trainingskalender und sogar den eigenen Puls messen kann, erweist sich die Software als überraschend kompetenter Trainings-Partner. Dabei hält sie den Spieler durch ihre Adventure-Komponente geschickter bei der Stange als das vergleichsweise trockene "Wii Fit". Obendrein bietet es hübsch umgesetzte Fitness-Minigames für ein freies Training abseits der Rollenspiel-ähnlichen Kampagne.

Trotzdem ist Vorsicht geboten: Wer gesundheitliche Einschränkungen wie zum Beispiel kaputte Knie oder Rückenprobleme hat, der sollte sich vom "Ring Fit Adventure" zu nichts nötigen lassen, das er nicht leisten kann oder darf - denn leider bietet das Spiel für gesundheitliche Handicaps kaum passende Ausweich-Möglichkeiten. Darüber hinaus sollte man vor dem Fernseher ungefähr vier Quadratmeter Fläche ohne Dachschrägen freiräumen können. Außerdem sollte sich jeder digitale Fitness-Freak darüber im Klaren sein, dass seine Switch kein Fitness-Center mit professioneller Betreuung ersetzen kann. Eines ist Nintendos Trainings-Vorstoß aber auf alle Fälle: Sehr viel spannender als der Besuch in einer Mucki-Bude - und deshalb genau das Richtige für jeden, der ein bisschen fitter werden möchte, ohne sich dabei zu Tode zu langweilen.

Robert Bannert

Ring Fit Adventure - Launch Trailer (Nintendo Switch)

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