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"Borderlands 3" im Test

Fette Beute, Leute!

Darauf mussten Fans lange warten: Sieben Jahre nach Teil 2 setzt Gearbox mit "Borderlands 3" endlich das Baller-Festival fort, mit dem der Hype um das Loot-Shooter-Genre begann. Natürlich wieder mit an Bord: unzählige Waffe, schräge Comic-Gestalten und jede Menge fette Beute!

  • Passend zum sakral angehauchten Titelmotiv geht es in "Borderlands 3" um einen skurrilen Banditen-Kult - die heilige Atombombe lässt grüßen! Foto: 2K Games / Gearbox
  • Menschen, Monster, Action-Mythen: Das Gegner-Angebot auf Pandora ist reichhaltig - und auf jeden Feind gibt es die richtige (meist großkalibrige) Antwort. Foto: 2K Games / Gearbox
  • Spielen auch im dritten "Borderlands" wieder die erste Geige: die unzähligen verschiedenen Waffen aus dem Beute-Generator des Spiels. Foto: 2K Games / Gearbox
  • Wie in den Vorgänger-Games darf man auch in Teil 3 wieder kräftig Gas geben - und das mit teils bizarren Vehikeln aus eigener Fabrikation: Je mehr feindliche Gefährte man kapert und an einer Tankstelle scannt, desto mehr Bauteile stehen zur Verfügung, mit denen man später die eigene Kutsche aufrüsten kann. Foto: 2K Games / Gearbox
  • Höhere Auflösung, dezent höhere Detailstufe und ein hübscheres Beleuchtungs-Modell: Grafisch hat sich "Borderlands" leider nur geringfügig weiterentwickelt. Foto: 2K Games / Gearbox
  • Manche Charaktere bringen ihren eigenen Mech mit. Foto: 2K Games / Gearbox
  • Nach wie vor überragend gut: das dynamische Gun- und Gameplay des Abenteuers. Foto: 2K Games / Gearbox
  • Die Chefin der Banditen-Bande "Crimson Raiders", zu der auch die Helden zählen: die Sirene Lilith. Foto: 2K Games / Gearbox

Waffen, Münzen, Gegenstände - und alles entleert sich explosionsartig auf den Textur-Boden, kaum dass der Gegner im Kugelhagel des Helden zusammengebrochen ist. Auf den Abschuss folgen postwendend die Belohnung und das ganz große Einsacken - Resultat ist ein stärkerer Charakter mit noch mehr Ressourcen und noch mehr Feuerkraft. Neu ist dieses Prinzip zwar nicht, aber zu neuer Blüte geführt wurde es vor zehn Jahren durch Gearbox' Rollenspiel- und Action-Crossover "Borderlands".

Das auf dem "Mad Max"-ähnlichen Planeten Pandora (nicht zu verwechseln mit dem Pandora aus Camerons "Avatar") angesiedelte Abenteuer ist nicht nur purer Shooter-Spaß, sondern stachelt die Gier nach mehr so plump und zugleich perfide an, dass man Nächte vor dem Bildschirm verbringt. Hinter der nächsten Ecke könnte ja schließlich das Überding auf einen warten.

"Borderlands" bewies so viel Sucht-Potenzial, dass auch Games-Giganten wie Bungie ("Destiny"), Ubisoft ("The Division") oder Electronic Arts ("Anthem") ihre eigenen "Loot-Shooter"-Geschütze in Stellung gebracht haben. Mit dem feinen Unterschied allerdings, dass "Borderlands" auch ein solides Solo-Erlebnis abgibt - wer hier auf Beute aus ist, der muss nicht zwangsläufig im Mehrspieler-Rudel auf die Jagd gehen. Wer die Geschichte von Pandora erleben will, sollte erstmal alleine auf die Jagd gehen, bevor er später an der Seite von bis zu drei Koop-Kollegen zurückkommt.

Mehr vom Gleichen

Gut für die hungrigen Fans der prominenten Waffen- und Rüstungs-Fundgrube, dass Entwickler Gearbox genau da weitermacht, wo er vor etwa sieben Jahren aufgehört hat: Damals erschien mit dem "Pre-Sequel" die Vorgeschichte zu Serien-Bösling "Handsome Jack", seitdem hat Gearbox die Community nur mit HD-Remakes der Vorgänger versorgt. Zwar wurde das "Pre-Sequel" noch dafür kritisiert, dass es dem spielmechanischen und visuellen Regelwerk der Serie kaum nennenswerte Neuerungen hinzufügte, aber trotzdem setzt Gearbox für den dritten Teil auf die gleiche Taktik: "Borderlands 3" unterscheidet sich weder optisch noch haptisch großartig von den HD-Neuauflagen seiner Vorgänger - fast hat man das Gefühl, als hätte man kein neues Spiel, sondern ein luxuriöses Add-On vor der Nase.

Wieder arbeitet sich der Spieler mit vorgehaltener Wumme durch im Comic-Look gehaltene Wüstenwelten, während er von Endzeit-Punkern, schrill kostümierten Gasmasken-Heinis oder mutierten Monstern attackiert wird - und manchmal sitzen die Ekel-Brocken sogar hinter dem Steuer ihrer eigenen postapokalyptischen Vehikel. Später steigen die Helden auf ihr eigenes Raumschiff um, mit dem sie neue Baller-Welten erkunden dürfen. Dann verpasst das anfangs fast schon zu konservative "Borderlands 3" dem Spieler endlich einen merklichen Motivationsschub.

Natürlich gibt es für jede Offensive den nötigen Helden-Konter - Wettrüsten ist angesagt: Fette Beute gibt's nicht nur nach einem erfolgreichen Abschuss - sie wartet auch in allerlei Behältnissen auf ihre Entdeckung, darunter sogar absurde Aufbewahrungsorte wie Mülleimer, Knochenhaufen, Kühlschränke Briefkästen oder Kloschüsseln. Nur ein Klick und vor den Augen des Spielers platzt ein obskurer Mischmasch aus Schutzschilden, Schießprügeln sowie bedruckten Scheinchen aufs Textur-Parkett. Die werden entweder direkt in den Waren- und Rüstungs-Kreislauf des Spiels aufgenommen - oder man vergleicht sie zunächst mühsam mit den vielen, vielen anderen eingesammelten Dingen im bereits überfüllten Inventar. Weil sich auch "Borderlands 3" unzähliger unterschiedlichen Waffen rühmt, die fast ausschließlich aus dem Zufallsgenerator des Spiels purzeln, artet der Ausrüstungs-Abgleich allerdings schnell in Arbeit aus: Nur wer darin aufgeht, stundenlang über dem Inhalt eines aus allen Nähten platzenden Heldenrucksack zu brüten, wird mit dieser Sorte Shooter glücklich.

Etwas entschärfen lässt sich die exzessive Bildschirm-Buchhaltung allerdings, indem man vom Normal- in den "Easy"-Betrieb des Spiels wechselt: Wer Pandora im "Luschen-Modus" erforscht, braucht nicht mehr so penibel auf seine Bewaffnung zu achten. Trotzdem gilt: Nur wer zumindest einen leicht überdurchschnittlich ausgeprägten Ausrüstungs- und Zahlen-Fetisch hat, joggt gerne mit vorgehaltener Knarre durch Pandora - oder klemmt sich hinters Steuer. Für Letzteres will der fahrbare Untersatz übrigens zunächst erobert werden: Hat man den Apokalypsen-Punker am Steuer erstmal entsorgt, kann man das Gefährt scannen lassen, um es anschließend bei einer beliebigen anderen Automobil-Station reproduzieren zu lassen - praktisch.

Sind schräge Charaktere und mehr von allem genug?

Aber ist all das genug, um sich ein neues "Borderlands" zu kaufen? Immerhin fühlt sich das Spielerlebnis noch genauso an wie vor zehn Jahren - und die neue Geschichte um die beiden Warlord-Geschwister Troy beziehungsweise Tyreen Calypso, die mit ihrer durchgeknallten Banditen-Sekte Pandora unterjocht haben, ist kein triftiger Grund, um hier erneut durchzuladen. Und die neuen spielbaren Figuren? Die magisch talentierte Sirene Amara, der massige Beastmaster "FL4K" als Kugelfang der Truppe, Ballermann Moze sowie Taktiker Zane bieten zwar die richtige Sorte Action-Gameplay für jeden Geschmack, finden in den alten Spielen aber alle ihr Gegenstück. Will heißen: Wer sich einmal mehr in die "Borderlands" traut, der tut das vor allem, weil er nach so langer Zeit wieder Lust auf die gleiche Sorte Erlebnis hat.

Trotzdem darf Entwickler Gearbox beim nächsten Mal gerne wieder innovativer zugange sein und gerade technisch ein paar Schippen drauflegen. Denn nach so langer Entwicklungszeit das gleiche Spiel noch mal zu verkaufen - das ist schon ein bisschen dreist. Auch, wenn es nach wie vor mit überragend geschmeidigem Gun- und Gameplay lockt.

Robert Bannert

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